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Testseite Politik

Amtsantritt - Kadyrow am Ziel seiner Karriere

Ramasan Kadyrow tritt sein Amt als neuer tschetschenischer Präsident an. Die Wahlen gewann er bereits im März. Vom Kreml als Hoffnungsträger gehandelt, wird er von der Bevölkerung gefürchtet.

Der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow

Der neue tschetschenische Präsident, Ramsan Kadyrow

Die russische Informations- und Nachrichtenagentur Novosti beschreibt Ramsan Kadyrow als einen sachlichen, begabten Menschen mit Mut zu Entscheidungen. Einer, der aus den Erfahrungen des ersten Tschetschenienkriegs gelernt habe, dass die stolzen Freiheitsparolen des damaligen Präsidenten Dschochar Dudajew nur "Heuchelei und Betrug" seien. Und der somit dazu entschlossen wäre, all seine "Kraft einzusetzen, damit sich diese Tragödie nie mehr wiederholt". Einer, der sich "intensiv" für den Wiederaufbau der zerstörten Hauptstadt Grosny einsetze und der neue Arbeitsplätze schaffe.

Die Agentur erwähnt allerdings nicht, dass Kadyrow im ersten Tschetschenien-Krieg noch Seite an Seite mit den Rebellen gegen die russischen Truppen gekämpft hat. Sie unterschlägt auch die Information, auf welche Art und Weise Kadyrow seine Kraft einzusetzen gedenkt. Dass seine Miliz weder vor Tod noch Folter zurückschreckt, wird ebenso verschwiegen wie die Tatsache, dass immer wieder Menschen in Tschetschenien spurlos verschwinden - vermeintliche Rebellen, die durch Misshandlungen entweder ausgeschaltet oder zu Überläufern gemacht werden.

Am 5. April 2007 tritt Kadyrow sein neuen Amt als Präsident der russischen Kaukasus-Republik Tschetschenien an. Der bisherige Regierungschef hatte die Anfang März diesen Jahres stattfindenden Wahlen mit klarer Mehrheit gewonnen.

Eine Puppe des Kremls?

Der russische Präsident Wladimir Putin

Wladimir Putin hofft auf ein Ende der Unruhen in Tschetschenien

Kritische Stimmen aus Russland schlagen Alarm. Die ehemalige Kreml-Korrespondentin Elena Tregubowa bezeichnet Kadyrow in einem Interview mit Matthias Schepp von Spiegel-Online als "Putins Marionette in Tschetschenien". Mit Bezug auf die Ermordung der russischen Journalistin Anna Politkowskaja im letzten Jahr halte sie es sogar für möglich, dass Kadyrow der Auftraggeber gewesen sei. Ihre ermordete Kollegin Anna Politkowskaja sah in dem damaligen Regierungschef einen "bis an die Zähne bewaffneten Feigling".

Der 30-jährige, vierfache Vater tritt in die Fußstapfen seines Vaters Achmat Kadyrow. Auch er war Präsident Tschetscheniens, bis er im Mai 2004 bei einem Bombenanschlag durch Rebellen in Grosny ums Leben kam. Als neuen Premierminister hatte Ramsan Kadyrow im März den bisherigen Vizepremier Odes Bajsultanow nominiert.

Skrupellose Privatarmee

Zwei Kinder auf Fahrrädern vor einer zertrümmerten Apartmentsiedlung in Grosny

Trister Alltag: Der größte Teil der Stadt Grosny ist noch immer zerstört

Der ehemalige Boxer Kadyrow ist vor allem wegen seiner Privatmiliz, den Kadyrowzy, international berüchtigt. Die mehrere Tausend Mann starke Truppe, die ihren Eid bereits auf Vater Achmat geschworen hatte und mittlerweile zum Teil in den staatlichen Sicherheitsapparat eingebunden ist, operiert unter dem legalen Deckmantel einer Antiterrororganisation. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, die letzten verbliebenen Rebellen in Tschetschenien zu bekämpfen. Unter der Führung Kadyrows schreckt die Miliz vor Entführungen, Folter und Mord nicht zurück. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Memorial seien seit 1999 zwischen 3000 und 5000 Menschen verschwunden.

Von Staatspräsident Wladimir Putin als Präsidentschaftskandidat aufgestellt, erhofft sich der Kreml durch Kadyrows Amtsübernahme eine politische Stabilisierung in der unruhigen Republik. Der neue Präsident genieße Respekt, habe Macht und Energie und sei noch jung, sagt ein Vertreter des Außenministeriums. Dieses seien die entscheidenden Kriterien. Und er sei wirklich an einer Verbesserung der Lage interessiert. "Geben wir ihm eine Chance."

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