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Kultur

Amokläufer war ein Englischstudent aus Südkorea

Warum ist der Student ausgerastet? Oder war es eine geplante Tat? Einen Tag nach dem Amoklauf sind noch viele Fragen offen. Die lockeren Waffengesetzen der USA stehen erneut in der Kritik.

Der Amokläufer von Blacksburg, Cho Seung Hui

Der Amokläufer von Blacksburg, Cho Seung Hui

Mit Entsetzen und Wut haben die Menschen in den USA und weltweit auf den bislang blutigsten Amoklauf in der US-Geschichte reagiert. Bei der Bluttat an der Universität von Virginia Tech in Blacksburg riss Cho Seung Hui, ein 23-jähriger Englisch-Student koreanischer Abstammung, am Montag (16.4.) 32 Menschen mit sich in den Tod. Die Motive des jungen Mannes, der als Einzelgänger beschrieben wird, sind weiterhin unklar.

Nach bisherigen Erkenntnissen fielen die ersten Schüsse am Montagmorgen im Studentenwohnheim West Ambler Johnston Hall. Als die Polizei dort eintraf, fanden die Beamten zwei Tote; zwei Verletzte wurden ins Krankenhaus gebracht. Weil die Beamten zu dieser Zeit noch von einer Einzeltat aus persönlichen Motiven ausgingen, ließen sie lediglich das Wohnheim räumen, nicht aber den gesamten Uni-Campus. Dies habe es dem Täter ermöglicht, zwei Stunden später seinen Amoklauf in Norris Hall, dem Institut für Ingenieurwissenschaften, fortzusetzen, kritisierten am Dienstag Studenten und Angehörige der Opfer.

Blacksburg, 16. April 2007, AP

Die Polizei hat den Ernst der Lage zu spät erkannt

Dramtische Szenen

Zeugen berichteten von dramatischen Szenen. Studenten seien in Panik aus dem Fenster gesprungen. Eine Studentin, Erin Sheehan, konnte dem Amokschützen nur entkommen, weil sie sich tot stellte. Der "sonderbar" gekleidete Mann - er trug eine schwarze Kampfweste - , habe "zweimal seinen Kopf durch die Tür gesteckt", berichtete sie dem Sender CNN. Dann sei er zurückgekommen und habe geschossen. "Er sah sehr entschlossen aus. Er hat fast alle erwischt", sagte Sheehan. Der Amokläufer hatte laut Universitätspräsident Charles Steger die Klassenräume mit einer Kette verriegelt, damit keiner entkommen konnte.


Waren es mehrere Täter?

Nach Angaben Stegers habe der Täter nicht allein gehandelt. Im Fernsehsender ABC bezeichnete er den Amokläufer als "zweiten Schützen". Nach seinen Angaben prüfen die Ermittler zudem, ob er noch weitere Helfer hatte. Bereits vorher wollte die Polizei nicht ausschließen, dass er einen Mittäter hatte. Am Tatort seien zwei Schusswaffen gefunden worden.

Monday, 16. April 2007, AP

Universität Viginia Tech: Ort des blutigsten Amoklaufs der US-Geschichte

Nach Medienberichten hat der Todesschütze eine mit Schimpfwörtern gespickte Nachricht hinterlassen. Darin listete der Student aus Südkorea eine Reihe von Beschwerden auf, wie die "Chicago Tribune" am Dienstag unter Berufung auf nicht näher bezeichnete Informanten meldete. Dem Blatt zufolge beklagte sich der junge Mann in dem Schreiben über "rich kids" (reiche junge Leute), über "Verkommenheit" und "betrügerische Scharlatane" auf dem Campus. Cho habe in der jüngsten Zeit zunehmend ein gewalttätiges und äußerst merkwürdiges Verhalten an den Tag gelegt und solle hinter drei Bombendrohungen gegen die Universität stecken.

Kritik an Waffengesetzgebung

Bereits kurz nach der Tat wurde die Kritik an den zu lockeren Waffengesetzen der USA laut. Die "New York Times" kritisierte in einem Leitartikel, Virginia habe zudem eines der laxesten Waffengesetze in den USA. Der australische Regierungschef Howard wies darauf hin, dass sein Land als Konsequenz aus einem blutigen Amoklauf in Port Arthur, bei dem 1996 insgesamt 35 Menschen starben, die Waffengesetze massiv verschärft habe - seitdem sei die Zahl der Opfer von Schießereien deutlich zurückgegangen. US-Präsident Bush verteidigte hingegen die Waffengesetzgebung seiner Regierung.

Beileidsbekundungen aus aller Welt

Die Tat löste im ganzen Land und weltweit Entsetzen aus. In Virginia hingen die Flaggen auf Halbmast. Gouverneur Timothy Kaine brach eine Asienreise ab und kehrte sofort in seine Heimat zurück. US-Präsident George W. Bush zeigte sich schockiert. Bildungseinrichtungen müssten sichere Orte des Lernens sein, sagte Bush. "Wenn dieser Schutzraum verletzt wird, sind die Auswirkungen in jedem amerikanischen Klassenraum und in jeder amerikanischen Gemeinde zu spüren." Bush wollte am Nachmittag an einer Trauerfeier in der Universität teilnehmen. Bestürzt äußerten sich unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Aus aller Welt trafen Beileidsbekundungen ein, darunter auch von der Technischen Universität Darmstadt, der Partner-Uni von Blacksburg. (vem/wga)

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