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Deutschland

Amokläufer spielte vor der Tat Killerspiele

Der Amokläufer von Winnenden soll wenige Stunden vor der Tat stundenlang Killerspiele im Internet gespielt haben. Seine Eltern bestreiten derweil, dass Tim K. in psychiatrischer Behandlung war.

Jugendlicher spielt das Killerspiel Counter-Strike (Foto: dpa)

Erhöhen Killerspiele das Risiko von Amokläufen?

Die Auswertung des Rechners von Tim K. habe ergeben, dass der 17-Jährige am Dienstagabend gegen 19.30 Uhr das Spiel "Far Cry 2" startete und den PC gegen 21.40 Uhr ausschaltete, berichtet "Der Spiegel" unter Berufung auf Ermittler. In dem Spiel gehe es darum, in einem fiktiven afrikanischen Land einen berüchtigten Waffenhändler auszuschalten. Auch die Killerspiele "Counter-Strike" und "Tactical Ops" seien auf dem Rechner gefunden worden. Polizei und Staatsanwaltschaft nahmen dazu zunächst nicht Stellung.

Bayern kündigte einen erneuten Vorstoß für ein Verbot von Killerspielen an. "Ich will am Dienstag in meinem Kabinett über das Killerspielverbot, über die Aufbewahrung von Waffen und vor allem über mehr Prävention beraten", sagte Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer der "Bild am Sonntag". Es müsse gefragt werden, ob alles getan werde, was zum Schutz der Kinder und zur Verhinderung solcher Taten möglich sei. Die Bundesregierung hatte am Freitag erklärt, sie sehe keinen Bedarf für Gesetzesverschärfungen, Killerspiele seien bereits verboten.

Einträge zu Schulmassakern und Porno-Bilder auf dem PC

Menschen vor einem Meer von Kerzen und Blumen vor der Albertville-Realschule in Winnenden (Foto: AP)

Auch am Samstag fanden sich wieder viele Trauernde vor der Albertville-Realschule ein

Nach Angaben des "Spiegel" hat sich Tim K. im Internet schon vor Monaten mit Schulmassakern beschäftigt. Der 17-Jährige sei unter Pseudonymen im Netz aktiv gewesen und habe sich in einem Diskussionsforum auch zu den Massakern von Erfurt und Emsdetten geäußert.

Demnach schreiben ihm die Ermittler folgenden Beitrag vom vergangenen August in einem Diskussionsforum über Schulmassaker zu: "Das witzige ist ja, selbst wenn diejenigen es ankündigen, glaubt es ihnen niemand." Weiter heißt es unter Berufung auf die Ermittler, unter den rund 200 auf dem Computer des 17-Jährigen gefundenen Porno-Bilder seien 120 Bilder von gefesselten Frauen.

Eltern widersprechen Polizei

Widersprüchliche Aussagen gab es unterdessen darüber, ob Tim K. in psychotherapeutischer Behandlung war. Die Polizei bekräftigte, der Jugendliche sei zwischen April und September 2008 in einer psychiatrischen Spezialklinik "mehrmals vorstellig" geworden. Dagegen ließen die Eltern des Amokläufers laut "Focus" erklären, ihr Sohn sei nie in psychotherapeutischer Behandlung gewesen und auch nie in einer Klinik behandelt worden.

Der Rechtsanwalt der Eltern, Achim Bächle, legte gegenüber der Nachrichtenagentur AP Wert auf die Feststellung, dass eine ambulante Behandlung etwas anderes sei als eine Psychotherapie. In der "Bild am Sonntag" droht er mit rechtlichen Schritten gegen einen Arzt, der Tim K. behandelt hat. Der Mediziner habe seine Schweigepflicht gebrochen.

Bereits am Mittwoch hatte die Polizei erklärt, der 17-Jährige sei wegen Depressionen in psychiatrischer Behandlung gewesen, die er jedoch abgebrochen habe.

Erste Beisetzung in Winnenden

Der Sarg mit den sterblichen Überesten eines Opfers des Amoklaufs wird auf dem Stadtfriedhof in Winnenden getragen (Foto: AP)

Trauerfeier für eines der Opfer

In Winnenden wurde am Samstag (14.03.2009) das erste Opfer des Amoklaufs zu Grabe getragen. Viele hundert Menschen gaben der Zehntklässlerin das letzte Geleit.

"Wir können die Tat nicht begreifen, die ihr den Tod brachte", sagte der Priester in der katholischen Trauerfeier. Unter den Trauergästen waren auch zahlreiche Mitschüler der Klasse 10d, die den Amoklauf und den Tod des Mädchens mit angesehen hatten. "Ihr seid jung und dürft weiterleben. Ich wünsche euch, dass irgendwann die Freude in euer Leben zurückkehrt", sagte der Geistliche.

Bundespräsident Horst Köhler forderte unterdessen zum Nachdenken darüber auf, "ob wir unseren Mitmenschen immer die notwendige Aufmerksamkeit entgegenbringen", wie er den in Dortmund erscheinenden "Ruhr Nachrichten" sagte.

Entschuldigung der Angehörigen

In der "Bild"-Zeitung meldete sich die Familie des Amokschützen zu Wort. "Wir können es immer noch nicht fassen", sagten die Großeltern in einem Interview. "Er war doch ein ganz normaler, ruhiger Junge für uns."

Ein Großonkel des Jugendlichen antwortete auf die Frage, was er den Hinterbliebenen sagen möchte: "Man möchte sich vor allem entschuldigen." Er wünsche den Angehörigen, "dass sie darüber hinwegkommen werden, irgendwie, im Laufe der Zeit." (je)

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