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Aktuell Nahost

Amnesty wirft Terrormiliz IS Völkermord vor

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" will laut Amnesty International ethnische Minderheiten im Nordirak systematisch auslöschen. Die Menschenrechtsorganisation spricht von Völkermord "historischen Ausmaßes".

Massenmorde, Entführungen, Vergewaltigungen und die systematische Vertreibung ethnischer und religiöser Minderheiten in "historischem Ausmaß" - die Liste der Vorwürfe, die Amnesty International der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) vorwirft, ist lang. Betroffen seien Christen, Jesiden und auch schiitische Turkmenen, heißt es in einem Bericht der Menschenrechtsorganisation. Ziel sei es, alle Spuren nicht-arabischer und nicht-sunnitischer Gesellschaften auszulöschen.

"Blutgetränkte Killing Fields"

Männer und Jungen seien außerhalb der Dörfer gebracht und erschossen worden, heißt es unter Berufung auf Überlebende der Massaker. Auch seien hunderte, wenn nicht tausende von Frauen und Kindern entführt worden, seit der IS die nordirakische Region beim Sindschar-Gebirge unter Kontrolle habe. Viele von ihnen seien mit Vergewaltigung bedroht und gezwungen worden, zum Islam zu konvertieren.

Es gebe klare Beweise dafür, dass eine Welle ethnischer Säuberungen gegen Minderheiten über den Nordirak hinwegschwappe, erklärte Amnesty. "Der Islamische Staat verübt verachtenswerte Verbrechen und hat die ländlichen Regionen des Sindschar in blutgetränkte Killing Fields verwandelt." Gezielt würden auch schiitische und jesidische Gebetsstätten zerstört.

Zehntausende auf der Flucht

Konkret hat Amnesty International nach eigener Darstellung Beweise für mehrere Massaker im August. Dabei sei die Zahl der Toten in die Hunderte gegangen; die Opfer seien völlig willkürlich ausgewählt worden. In dem Bericht kommen mehrere Überlebende von Massenhinrichtungen zu Wort.

Laut Amnesty flüchteten Zehntausende aus Angst um ihr Leben. In einem Fall habe eine Familie 45 vermisste Angehörige gemeldet. Amnesty-Vertreterin Donatella Rovera forderte die irakische Regierung auf, alle Verantwortlichen zu verfolgen und zur Rechenschaft zu ziehen.

Auch der UN-Menschenrechtsrat hatte dem IS am Montag Verbrechen vorgeworfen, "deren Ausmaß an Unmenschlichkeit unvorstellbar ist", wie die stellvertretende UN-Menschenrechtskommissarin Flavia Pansieri sagte. Dem Rat lägen Berichte über Morde, Zwangskonversionen, Entführungen, Versklavung, Folter und systematische Verfolgung aus religiösen oder ethnischen Gründen vor. Kinder würden durch die Dschihadisten zwangsrekrutiert und als Kanonenfutter an die Front geschickt, andere zur Blutspende für verletzte IS-Kämpfer gezwungen.

UN-Menschenrechtsrat will ermitteln

Der Menschenrechtsrat beschloss die Entsendung einer Ermittlungsmission zur Untersuchung der durch den IS verübten Gräueltaten. Die 47 Mitglieder des Rates verabschiedeten einstimmig eine entsprechende Resolution. Elf UN-Ermittler sollten nach Möglichkeit in den kommenden Wochen in den Irak entsandt werden, sagte ein Sprecher des UN-Hochkommissariats.

Die radikalsunnitische IS hatte seit Anfang Juni große Gebiete im Irak erobert. Hunderttausende Iraker wurden in die Flucht getrieben, Angehörige von Minderheiten gezielt verfolgt.

cr/as (epd, kna, dpa, afp)