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Aktuell Nahost

Amnesty wirft Kurdenkämpfern in Syrien Kriegsverbrechen vor

Im Ringen mit dem IS gelten sie als die Guten. Doch jetzt erhebt Amnesty gegen die Kurdenmilizen in Syrien schwere Vorwürfe. Damit fallen Schatten auf die militärische Unterstützung der Kurden durch die USA.

Kurdische Kämpfer der YPG in Tell Abjad (Archivbild: EPA/SEDAT SUNA)

Kurdische Kämpfer der YPG in Tell Abjad (Archivbild)

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat den kurdischen Truppen im Norden und Nordosten Syriens Kriegsverbrechen vorgeworfen. Die Kurdenmiliz YPG zerstöre in der Region ganze Dörfer und Städte. Nach deren Einnahme würden vor allem nichtkurdische Bewohner vertrieben, heißt es in dem Amnesty-Bericht.

Eine in 14 Städte und Dörfer in der Region entsandte Mission habe Verheerungen vorgefunden, die nicht das Ergebnis von Kämpfen gegen die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) seien. Vielmehr habe es sich um eine "gezielte und koordinierte Kampagne zur kollektiven Bestrafung" gehandelt. Getroffen werden sollten damit die Einwohner von Dörfern, die angeblich IS-Kämpfern Zuflucht boten oder zuvor vom IS kontrolliert wurden.

Partner mit Schandfleck?

Die Volksverteidigungseinheiten YPG sind im Kampf gegen die IS-Terroristen der wichtigste Partner der USA. Immer wieder konnten die YPG, die der kurdischen Arbeiterpartei PKK nahestehen, bei Gefechten mit dem "Islamischen Staat" wichtige Erfolge erzielen - mit militärischer Hilfe aus Washington. Die jüngsten Vorwürfe werfen jedoch einen Schatten auf diese Zusammenarbeit.

Amnesty bezieht sich auf ausgewertete Satellitenbilder. So sei etwa das Dorf Husseinija im Nordosten Syriens in der Zeit zwischen Juni 2014 und Juni 2015 zu 94 Prozent zerstört worden. Die Menschenrechtsorganisation zitiert einen Einwohner Husseinijas, der beschreibt, dass Kurdenkämpfer die Menschen aus ihren Wohnungen getrieben, die Häuser angezündet und eines nach dem anderen mit Planierraupen dem Erdboden gleichgemacht hätten - bis das Dorf nicht mehr existiert habe.

"Missbrauch der Macht"

Für die Zerstörungen gebe es keine militärische Rechtfertigung, sagte Amnesty-Mitarbeiter Lama Fakih. Die autonome Verwaltung der Region missbrauche ihre Macht und verstoße gegen internationales Menschenrecht. Die syrischen Kurden wiesen die Anschuldigungen zurück. Ein YPG-Sprecher erklärte, es handele sich um Einzelfälle.

Am Montag hatten die YPG mit mehreren moderaten Rebellengruppen ein Bündnis gegen den IS geschlossen, das von den USA unterstützt wird. Zu der Allianz gehören neben der YPG unter anderem Einheiten der Freien Syrischen Armee (FSA), wie die Syrische Beobachtungsstelle mit Sitz in London mitteilte. Ziel sei es, die nordsyrische IS-Hochburg Al-Rakka zu erobern.

Das Bündnis und die Waffenhilfe der USA sind das Ergebnis eines amerikanischen Strategiewechsels in der Syrienpolitik. Nach mehreren Fehlschlägen hatten die Vereinigten Staaten ihr Programm zur Ausbildung moderater Rebellen außerhalb Syriens aufgegeben.

jj/ago (afp, rtr)