Amnesty-Preis geht an Ägyptens Nadim-Zentrum für Folteropfer | Aktuell Nahost | DW | 24.01.2018
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Menschenrechte

Amnesty-Preis geht an Ägyptens Nadim-Zentrum für Folteropfer

Seit über 20 Jahren dokumentiert das Zentrum in Kairo staatliche Folter und betreibt eine Spezialklinik für Opfer. Die deutsche Sektion von Amnesty International setzt ein Zeichen im Kampf für Menschenrechte in Ägypten.

Ägypten Kairo - Amnesty ehrt Folteropferklinik in Ägypten (picture-alliance/dpa/Polaris Image/D. Smilie)

Die Gründerinnen des Nadim-Zentrums: Mona Hamed, Aida Seif al-Dawla, Magda Adly und Susan Fajad (l.n.r.)

Vor einem Jahr hatten die ägyptischen Behörden das Nadim-Zentrum teilweise dichtgemacht. An einem freien Tag im Februar 2016 waren Sicherheitskräfte in die Klinikräume eingedrungen und hatten sie versiegelt. Doch die Mitbegründerin und Psychiaterin Aida Seif al-Dawla und ihre Kollegen lassen sich nicht unterkriegen: "Die Klinik ist geschlossen. Aber die Therapeuten existieren. Die Arbeit geht also weiter", bekräftigt sie. "Unter schwierigsten Bedingungen versorgen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Nadim-Zentrums Folterüberlebende medizinisch und psychologisch und machen die schweren Menschenrechtsverletzungen öffentlich", heißt es in der Begründung von Amnesty International für die Auszeichnung an die ägyptische Organisation.  

Die Arbeit des "Nadim-Zentrums für die Rehabilitierung von Opfern von Gewalt und Folter" in Kairo wurde mit dem Menschenrechtspreis der deutschen Sektion von Amnesty gewürdigt. Das Zentrum spiele für die Menschenrechte im autoritär regierten Ägypten seit 24 Jahren eine wichtige Rolle, und das trotz aller Schikanen und Behinderungen, hieß es. "Das ist eine starke moralische Unterstützung", sagte Al-Dawla der Deutschen Presse-Agentur zu dem Preis. Und außerdem sei es "eine nette Botschaft an die Regierung, an das Regime".

Zu viel Gewalt gesehen?

Im kommenden Februar soll ein Gericht über eine mögliche Wiedereröffnung des Nadim-Zentrums entscheiden. Aber daran glaubten im Moment wenige, heißt es. Im Ägypten unter dem autoritären Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi sind zivilgesellschaftliche Institutionen wachsenden Repressionen ausgesetzt. Das Nadim-Zentrum ist den Behörden nach Ansicht von Experten vor allem auch wegen seiner Dokumentation von Gewalt und Folter seitens der Sicherheitskräfte ein Dorn im Auge.

Amnesty hatte jüngst in einem Report schwere Vorwürfe gegen die ägyptischen Behörden erhoben. Auch Bürgerrechtler und andere Aktivisten gerieten immer stärker ins Visier des Staatsapparats, beklagte jetzt Markus Beeko, Generalsekretär von Amnesty-Deutschland. Als Beispiel nannte er das vor Kurzem verabschiedete Gesetz zur Einschränkung der Arbeit von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in Ägypten.    

Die deutsche Sektion vergibt ihren Menschenrechtspreis alle zwei Jahre.

SC/qu (dpa, epd, ai)