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Afrika

Amma Darko: Ein Leben zwischen zwei Welten

Amma Darko ist eine international anerkannte Autorin. Um diesen Ruhm zu erlangen, legte die Ghanaerin einen weiten Weg zurück, der sie auch nach Deutschland führte.

Der Saal im Kölner Allerweltshaus ist gefüllt mit Menschen, die alle wegen einer Frau gekommen sind: Amma Darko. Die 57-jährige Autorin aus Ghana ist seit einer Woche auf Deutschlandtour. Mit ihren Rasta-Zöpfen und ihrer bunten Bluse macht sie einen jungen und fröhlichen Eindruck. Aber nicht sie, sondern eine professionelle Sprecherin liest aus ihrem fünften Roman. Der trägt den Titel "Die Gesichtslosen" und handelt von einem 14-Jährigen Mädchen, das in den Slums von Ghanas Hauptstadt Accra auf der Straße lebt. Nach dem Mord an ihrer älteren Schwester setzt sie alles daran, ihn aufzuklären. Der Roman wurde 2003 veröffentlicht. Vier Jahre später war er die Vorlage für den preisgekrönten Dokumentarfilm "Roaming Around".

Ihr Talent fürs Schreiben entdeckte Amma Darko lange vorher, und zwar Mitte der Siebzigerjahre, wie sie den Zuhörern in Köln erzählt: "Damals war Schreiben nicht wirklich anerkannt und man musste es sich selber beibringen. Dafür versteckte man sich sogar, aus Angst, ausgelacht zu werden." Die Scheu, über ihre Leidenschaft zu reden, änderte sich, als Amma Darko mit dem Studium an der Universität von Kumasi begann. Sie lernte dort einen Professor kennen, der sie beim Schreiben unterstützte. Ihren Abschluss machte sie aber in Soziologie - Schreiben sei damals nichts gewesen, was man in Ghana hätte studieren können, erklärt sie.

Abenteuer Deutschland

Lesung von Amma Darko aus Ghana im Allerweltshaus, Köln. Foto: Herby Sachs

Eine professionelle Sprecherin ließt aus Amma Darkos Roman

Nach ihrem Soziologie-Diplom arbeitete Darko zunächst als technische Beraterin, bis sie eine schwerwiegende Entscheidung traf: Sie nahm sich vor, nach Deutschland auszuwandern. "Ich wollte ein Abenteuer erleben und einfach ausbrechen. Ich war ruhelos, ich glaube, das ganze Land war ruhelos. Viele gingen weg."

Das lag auch an der politischen Situation im Land: Innerhalb von 13 Jahren putschte das Militär fünf Mal. 1979 ließ der neue Präsident drei ehemalige Staatsoberhäupter hinrichten. Viele Menschen verließen Ghana, weil sie sich nicht sicher fühlten. Mit Hilfe eines Brieffreundes bekam Amma Darko 1981 ein Visum für Deutschland und zog in die Nähe von Hildesheim. Eine für sie prägende Zeit begann. "Wenn ich nicht nach Deutschland gekommen wäre, hätte ich mich als Autorin nicht weiterentwickeln können." Fernab der Heimat habe sie sich ganz aufs Schreiben konzentriert. "Wenn man noch nie ein Buch veröffentlicht hat, braucht man einen starken Willen und viel Leidenschaft."

Der Durchbruch

Buchcover Der verkaufte Traum von Amma Darko

Mit dem Roman "Der verkaufte Traum" gelang ihr der Durchbruch

Amma Darko schrieb viel, konnte aber lange nichts veröffentlichen, weil sie keinen Verlag fand. Mit Aushilfsarbeiten hielt sie sich über Wasser, bis sie 1987 nach Ghana zurückging. Von dort aus hatte sie mehr Erfolg. 1991 veröffentlichte ein deutscher Verlag Darkos ersten Roman "Der verkaufte Traum". Darin folgt eine Ghanaerin ihrem Ehemann nach Deutschland. Sie will dort Geld verdienen, ihr persönliches Glück finden. Stattdessen aber wird sie von ihrem Ehemann ausgenutzt und zur Prostitution gezwungen. "Der verkaufte Traum" wurde in Deutschland zum am besten verkauften Roman einer schwarz-afrikanischen Schriftstellerin. "Das Buch kam zu einem Zeitpunkt heraus, zu dem Migration in Verbindung mit Prostitution und Missbrauch ein viel diskutiertes Thema war. Es brachte etwas Klarheit und kam genau zum richtigen Zeitpunkt."

Das Buch hat die Schriftstellerin international etabliert; seitdem hat Amma Darko fünf weitere Romane veröffentlicht. 2008 gewann sie die höchste literarische Auszeichnung ihres Landes: den "Ghana Book Award". Ihr Roman "Die Gesichtslosen" steht auf dem Lehrplan zahlreicher Schulen in Westafrika. Gerade steht Darko kurz davor, ihr neustes Buch zu vollenden. Es trägt den Titel "Zwischen zwei Welten" und spielt wieder in Ghana und Deutschland. Deutschland habe für sie eine besondere Bedeutung, erklärt sie mit einem Lächeln im Gesicht: "Immer, wenn ich ein neues Buch herausbringe, gehe ich auf Deutschland-Tour. Deutschland ist meine zweite Heimat". Sobald sie "Zwischen zwei Welten" vollendet habe, werde sie auch wieder hierher kommen, um den Roman vorzustellen, sagt sie noch, bevor sie sich von ihrem Kölner Publikum verabschiedet.

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