1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Nahost

"Amir alaaf" - Bonner Karnevalsprinz ist Moslem

"Dreimal Amir, alaaf!" - mehr Integration geht nicht. Seit dieser Session ist der Bonner Karneval um eine kleine Sensation reicher: Die ehemalige Hauptstadt bejubelt ihren ersten muslimischen Karnevalsprinzen.

Der Karnevalsprinz Amir I. und seine Frau Bonna Uta I. (Foto: dpa)

Der Bonner Karnevalsprinz Amir I. und seine Frau Bonna Uta I.

Prinz Amir I. heißt im wirklichen Leben Amir Shafaghi, ist Vater von drei Söhnen und Geschäftsführer einer Firma für Telefonmarketing mit über hundert Mitarbeitern. Der Karnevalist, dessen Name aus dem persischen übersetzt auch "Prinz" heißt, hatte schon als Kind eine Vorliebe für das närrische Treiben. Schon als kleiner Junge stand er am Rande des Bonner Rosenmontagszuges, war fasziniert von lachenden Gesichtern und den bunten Uniformen der Vereine.

Kostümierte Frau (Foto: ap)

Karneval in Deutschland. Bunt und integrativ?

Mit den Jahren hat er die Vorzüge des närrischen Treibens mehr und mehr kennen- und schätzen gelernt: "Der Wille, einfach mal jeck (ausgelassen) zu sein, den Ernst des Tages mal hinter sich zu lassen und sich mal zu kostümieren" - das gefalle ihm gut, schildert Amir. "Und auch sich selbst nicht ernst zu nehmen und die Dinge mal nicht so verbissen zu sehen." Für ihn als "Jecken" ist es die höchste Auszeichnung, Karnevalsprinz zu sein.

Nur für Deutsche?

1970 in Teheran geboren, kam Amir Shafaghi als Zehnjähriger mit seinen Eltern nach Bonn. Seine erste Begegnung mit einem Bonner Stadtsoldaten des Traditionskorps von 1872 war prägend: Der erklärte dem Einwandererkind, dass das Tragen der farbenprächtigen Uniform nur Deutschen zustünde. Deswegen ein Leben lang am Rande zu stehen statt mittendrin - das wollte der elfjährige Junge nicht schlucken. Bis Amir Shafaghi aber Mitglied der Bonner Stadtsoldaten wurde, dauerte es noch viele Jahre.

"Das passt ins Rheinland"

Clown (Foto: ap)

Karneval stellt das Rheinland jedes Jahr für einige Tage auf den Kopf

Inzwischen gehört "der persische Prinz" mehreren Karnevalsvereinen an und fördert sie auch. Mit viel Jubel und Begeisterung wird Amir I. beim traditionellen Empfang des Polizeipräsidenten begrüßt - dass der Karnevalsprinz aus Persien stammt und an Allah glaubt, ist für die Jecken hier kein Thema: "Das finde ich super", erklärt ein Karnevalist: "Wir sind sowieso die nördlichsten Südländer und von daher ist das völlig in Ordnung. Ich habe viele Bekannte, die aus dem Süden kommen, aus der Türkei zum Beispiel - das passt ins Rheinland."

Eine feiernde Bonnerin fügt hinzu: "Ich finde, der macht das gut. Das kann überhaupt nicht Schaden, auch mal neue Wege zu gehen - auch wenn es mit einem 'auswärtigen' Migranten-Prinzen ist, wie man so schön sagt."

Widerspruch zum Islam?

Muslime knien zum Gebet (Foto: dpa)

Ist Karneval mit den Regeln des Islam vereinbar?

"Einmal Karnevalsprinz zu sein" - damit ging für Amir Shafaghi ein Lebenstraum in Erfüllung. Die Freizügigkeit der tollen Tage steht jedoch in einem gewissen Spannungsverhältnis zu den Regeln des Islam. Dort ist Alkohol strikt verboten und dem närrischen Verteilen von Küssen - dem sogenannten "Bützen" - gehen streng gläubige Muslime mit Sicherheitsabstand aus dem Weg. Für Prinz Amir I. ist der Glaube an Allah und die Begeisterung für den Karneval kein Widerspruch. "Jeder stößt doch an die Grenzen mit den Bützchen und dem Alkohol", sagt er. "Der übermäßige Konsum wird sicherlich schädlich sein. Aber alles in Maßen - dann funktioniert das." Eine relative offene Auslegung, die sicher nicht bei allen Muslimen auf Akzeptanz stoßen wird.

Konflikt beim Gottesdienst

Der Prinz aus dem Morgenland will durch seine Glaubensrichtung einen positiven Beitrag zur Integration leisten. Aber gerade da stößt er an Grenzen. So sorgte die Entscheidung des Stadtdechanten Monsignore Wilfried Schuhmacher für viel Wirbel: Er verwehrte dem muslimischen Prinzen die traditionelle Rede beim ökumenischen Mundartgottesdienst im Bonner Münster. Schuhmacher, der sich dazu nicht mehr öffentlich äußern will, erklärte zuvor in den Medien, der christliche Glaube unterscheide sich vom Islam im Bekenntnis zum dreifaltigen Gott und ein gemeinsamer Gottesdienst sei daher nicht möglich.

Sowohl beim Prinzenpaar als auch bei vielen Jecken stieß das Redeverbot auf Unverständnis: "Typisch katholisch", schimpft eine Karnevalistin. "Ich glaube, bei den Evangelischen oder anderen Konfessionen hätte es so etwas nicht gegeben. Mich hat es geärgert." Eine Bonnerin ergänzt: "Herr Stadtdechant Schuhmacher hat zwar sicher seine Vorstellungen oder Vorgaben, aber andererseits ist Karneval doch eine Ausnahmesituation. Man hätte Prinz Amir ruhig ein paar nette Worte sagen lassen können."

"Es ist noch immer gut gegangen"

Karnevalisten im Kölner Dom (Foto: ap)

Traditionell besuchen die Karnevalisten auch die Kirche, wie hier den Kölner Dom

Seitens des Festausschusses Bonner Karneval betrachtet man die Angelegenheit als erledigt. Das Redeverbot sei kein Thema mehr im Bonner Karneval, zumal der Prinz schon vor dem Gottesdienst erklärt habe, dass er trotz des Verbots gerne an der Feier teil nimmt. Der Karnevalsprinz selbst beteuert: "Ich war nie sauer und ich bin nicht sauer, und von daher: Es ist noch immer alles gut gegangen hier im Rheinland - alles wunderbar."

Stadtdechant Schuhmacher, der sich durch Medienberichte falsch verstanden fühlt, hat inzwischen Beistand bekommen: Der Bonner Rat der Muslime drückte in einer Presseerklärung Verständnis und Respekt dafür aus, dass sich der Stadtdekan bei dem Redeverbot auf entsprechende Regelungen der katholischen Kirche berufe. Die Wahrung religiöser Identität sei kein Zeichen von Intoleranz - zumal sich der Monsignore ja auch für den Bau der Bonner Moschee engagiere.

Und Gottesdienst-Debatte hin oder her: In Bonn wird jetzt kräftig gefeiert - und der persische Prinz ist mittendrin… "Dreimal Amir, alaaf!"

Autorin: Ulrike Hummel

Redaktion: Anna Kuhn-Osius