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Politik

Amerikas Puppenkiste

Packende Action, brüllend-komische Dialoge und ein Aufgebot von einem Dutzend Hollywood-Filmstars - "Team America: World Police“ hat all das, was einen Blockbuster ausmacht, und noch viel, viel mehr.

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Dafür hat Hollywood mal wieder tief in die Trickkiste gegriffen. Dieses Mal aber nicht in die digitale, sondern in die gute alte Puppenkiste. Die Schauspieler in "Team America“ sind nämlich gar keine richtigen Schauspieler, sondern Marionetten. Ja richtig, Marionetten! Dabei mag es zuerst überraschen, dass es ein Science Fiction Film mit Puppen als Hauptdarsteller bereits am ersten Wochenende auf Platz drei der amerikanischen Kinocharts geschafft hat. Schaut man sich dieses Theater jedoch an, wird klar warum.

Man genießt also 98 Minuten lang eine Art hochpolitische und politisch völlig inkorrekte US-Version der "Augsburger Puppenkiste“- und kommt aus dem Lachen nicht mehr heraus. Und das, obwohl die Möglichkeiten der Marionetten, durch Mimik und Gestik zu überzeugen, verständlicherweise begrenzt sind. Man gewöhnt sich also daran, mehr darauf zu achten, was gesagt wird, und nicht wie. Ebenso gewöhnt man sich rasch - fast zu rasch - an die mit dem F*-Wort gespickte Sprache, die einem bereits aus South Park bekannt ist und die - das muss man einfach gestehen - dem Film ein wenig mehr Schmackes gibt.

Hollywood gegen Rechts

Der Vater aller mit dem F*-Wort-fluchenden Marionetten ist der Bösewicht des Filmes, der vereinsamte und hinterhältige nordkoreanische Staatschef Kim Jong Il. Mit einem teuflischen Plan versucht der die ganze Welt mit seinen Massenvernichtungswaffen in die Luft zu jagen. Unterstützung erhält er dabei von einer Gruppe linkslastiger und etwas naiver Hollywoodschauspieler, die sich zum "Film Actors Guild“, kurz F.A.G. (US-Synonym für Schwuchtel), zusammengeschlossen haben.

Unter der Führung Alec Baldwins gehen also Susan Sarandon, Matt Damon, Sean Penn & Co. mit allen Mitteln gegen ein rechtes Amerika und für eine Politik der diplomatischen Verständigung vor - klingt bekannt, nicht? Nun liegt es am "Team America“, einer Gruppe rechts-republikanischer Geheimdienstsoldaten, einen nuklearen Weltuntergang zu verhindern. Gegen Ende des Filmes muss sich der Zuschauer lediglich darauf vorbereiten, dass allen Bösewichten und Schauspielern vom Team America der Kopf weggepustet wird o der sie anderweitig brutal auseinander genommen werden - die Macher von South Park haben für jeden sichtbar auch hier das Drehbuch zu verantworten.

Kampf gegen den Terror

Mit all seinen politischen Anspielungen darf man auch diesen Film, wie jede Satire, nicht allzu ernst nehmen. Und wäre der momentane Kampf gegen den internationalen Terror nicht so beißend-real, könnte man über die genialen und eng aufeinander folgenden Witze etwas freier und ohne schlechtes Gewissen lachen. Beispielsweise wird die fehlerhafte Einschätzungen des sprechenden Geheimdienst-Computers vom Team-Chef nur kurz mit "Bad, bad intelligence computer!“ kommentiert, und sofort abgehakt, bevor Hans Blix von Kim Jong Il den Haien zum Fraß vorgeworfen wird und eine Megabombe den Panamakanal zerstört. Weiter besingt Kim Jong Il traurig seine Einsamkeit und Araber kommunizieren mit den uns Westlern einzig verständlichen arabischen Worten "Dschihad“ und "Mohammed“. Wie bereits gesagt: fast quälend gegenwärtig und doch herrlich komisch.

Liebe im Krieg

Auch Romanze findet einen Platz zwischen all den Kämpfen, Explosionen und Torturen: Team-America-Soldat Chris hegt Gefühle für seine Team-Kollegin Sarah, die jedoch ein Auge auf Gary geworfen hat. Gary aber liebt nur Lisa und gesteht ihr bei Sonnenuntergang seine Liebe. Es folgt eine unzensierte Liebesszene zwischen den beiden Marionettenpuppen, die den heißesten Kamasutrafilm locker in den Schatten stellt.

Insgesamt also ein sehr gelungenes, witzig-spritziges Puppentheater, das Amerikas Linke noch linker und Amerikas Rechte noch rechter macht und das rot-blaue Amerika erst recht spaltet. Man erwartet eine Art Fahrenheit 9/11 und wird enttäuscht - oder positiv überrascht, je nachdem. "Team America“ ist erfrischend unparteiisch, denn das rechte und linke Amerika kriegt gleichermaßen sein Fett weg. Auf jeden Fall verlässt man das Kino mit einem Lächeln, das man auch am nächsten Tag nicht so schnell los wird.