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Klima

Amerikas Farmer müssen sich umstellen

Die Ebenen des Mittleren Westens gelten als einer produktivsten Anbauflächen überhaupt. Doch auch der Brotkorb der USA ist nicht immun gegen den Klimawandel. Die Farmer stehen vor neuen Herausforderungen.

Maisfeld (Foto: picture alliance/chromorange pixel)

Es ist nicht alles Sonnenschein für die Farmer im Mittleren Westen der USA

Wärmerer Frühling, feuchtere Sommer: Schon einige Jahre ist hier im Mittleren Westen der USA eine Klimaveränderung zu beobachten. Das hat nicht nur lokale Bedeutung. Als 2010 eine Hitzewelle die russische Getreideernte ausfallen ließ, stiegen weltweit die Preise massiv an. Ein ähnliches Ereignis in den USA wäre eine Katastrophe.

Ein Tornado fegt am 10. Juni 2008 über Orchard, Iowa, USA hinweg (Foto: AP)

Tornado über Iowa: Forscher warnen vor immer mehr und immer gewaltigeren Stürmen

Das wärmere Wetter im Mittleren Westen hat bisher sogar zu besseren Ernten beigetragen. Wissenschaftler warnen die Farmer aber vor häufigeren und stärkeren Stürmen – vor allem im Frühling, wenn die frisch bestellten Felder am empfindlichsten sind. "Eine der deutlichsten Veränderungen der letzten 40 Jahre ist die Zunahme von extremen Niederschlägen", sagt der Klimatologe Gene Takle von der Iowa State-Universität. Inzwischen gäbe es häufig Niederschläge, die vier mal mehr Wasser abregnen, als der Boden fassen kann. Das Wasser versickert nicht, sondern läuft über die Oberfläche ab. Das fördert die Erosion und schwemmt Mineralien und Nährstoffe aus.

"Double Whammy"

Die Farmer haben aber noch mehr Sorgen mit dem Klima: Die Luftfeuchtigkeit in Iowa ist in den letzten 30 Jahren um 13 Prozent gestiegen - was bedeutet, dass sich nachts mehr Tau entwickelt. "Der Tau kommt abends früher und bleibt morgens länger", sagt Takle. "Dadurch haben Schädlinge, Pilze, Fäule und Toxine deutlich bessere Bedingungen". Das sich wandelnde Wetter und die besseren Bedingungen für Schädlinge seien ein "Double Whammy" für die Pflanzen, meint der Pflanzenphysiologe Jerry Hatfield, Labordirektor beim US Department of Agriculture (USDA) – eine "doppelte Bedrohung". Forscher konnten zudem eine ganze Menge ehemals exotischer Pflanzenkrankheiten beobachten, die durch das feuchtere, wärmere Wetter im Mitteleren Westen inzwischen regelmäßig auftauchen: Blattfleckenkrankheit, Weißschimmel, das Plötzliche Todes-Syndrom und der Mosaik-Virus, Falscher Mehltau, Getreideschwarzrost und, und, und.

Getreiderente in Iowa (Foto: AP Photo)

Die USA ist bei weitem der größte Getreideproduzent der Welt

Der Insektenkundler Matt O'Neal von der Iowa State-Universität warnt zudem davor, dass die Erwärmung Schädlingen sogar direkt hilft, sich auszubreiten. Er erforscht das Phänomen gerade in einem Projekt des US-Landwirtschaftministeriums, an dem insgesamt neun Universitäten beteiligt sind. Insekten werden demnach von den durch die höheren Temperaturen entstehenden stärkeren Aufwinden in den Jet-Stream der Atmosphäre gezogen. "Dadurch können sie weit, weit kommen", sagt O`Neal. "Migration von Insekten über große Distanzen wird also durch den Klimawandel erleichtert." Befall etwa mit Blattläusen kann buchstäblich das Leben aus den Pflanzen saugen - und sie mit neuen Krankheiten infizieren. O’Neal beschreibt sie als "fliegende verseuchte Nadeln mit Saugzähnen", die Viren aus der Pflanze ziehen und die nächste damit infizieren.

Unberechenbarer Dominoeffekt

Der Dominoeffekt einer einzelnen Klimaveränderung - wie etwa ein wärmerer Frühling - kann kolossal sein – aber es ist fast unmöglich abzuschätzen, welchen Einfluss mehrere sich verändernde Faktoren auf die Landwirtschaft haben. Es gibt noch viele Unbekannte, nicht zuletzt, weil die Auswirkungen sich von einer Region zur nächsten unterscheiden.

Der Klimatologe Gene Takle ist trotzdem zuversichtlich, dass die Bauern es schaffen werden, sich anzupassen. "Farmer gewöhnen sich an alles, ob es nun neue Schädlinge, neue Märkte oder eben höhere Spritpreise sind. Sie haben gelernt, sich anzupassen. Und dass sich das Wetter ändert - damit konnten Farmer schon immer umgehen."

Autor: Kathleen Masterson

Redaktion: Oliver Samson

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