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Filme

Amerikas Eulenspiegel

Witze über Juden, Frauen und Roma – Sacha Baron Cohen leistet sich in seinem neuen Film eine ordentliche Portion politische Unkorrektheit, mit der er alltäglichen Rassismus und Diskriminierung in den USA aufdecken will.

Sacha Baron Cohen mit Bikininschönheiten am Strand

Für die "kulturelle Lernung von Amerika"

"Frauen dürfen nun auch innerhalb des Busses mitfahren und Homosexuelle müssen nicht mehr diese blauen Hüte tragen", preist Borat Sagdijew den Fortschritt seines Heimatlandes. Als kasachischer Fernsehjournalist reist er quer durch die USA für die "kulturelle Lernung von Amerika, um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu machen", wie der Untertitel der neuen "Doku-Fiction-Komödie" lautet.

Ali G. bei den MTV Music Awards 2005

Ali G. bei den MTV Music Awards 2005

Humor ohne Tabus und oftmals jenseits der Grenzen des guten Geschmacks - das ist das Markenzeichen des britischen Komödianten Sacha Baron Cohen, der in England eine Kultfigur ist. Sein neuer Film hat als vermeintlicher Frontalangriff auf die "Political Correctness" bereits vor seinem deutschen Start am 2. November Furore gemacht und den Protest der kasachischen Regierung hervorgerufen.

Mit Fäkalienbeutel zum Gala-Dinner

Der kasachische Fernsehreporter Borat ist neben Ali G., dem grenzdebilen Rapper mit bratwurstdicker Goldkette, und dem schwulen österreichischen Modedesigner Bruno die dritte Figur aus Cohens "Ali G. Show". Nun fliegt Borat im Auftrag des Kultusministeriums von Kasachstan ins gelobte Land "US and A", um der kasachischen Bevölkerung amerikanischen Life-Style näher zubringen. Mit seinem Produzenten Kazan und einem lebenden Huhn als Reiseproviant zieht er von New York gen Westen, quält Amis mit interkulturellen Austausch, verliebt sich in Pamela Anderson und sucht zum Showdown seine Traumfrau persönlich heim.

Vorbild Michael Moore: Provozieren und entlarven

Vorbild Michael Moore: Provozieren und entlarven

In gebrochenem Englisch und mit osteuropäischem Akzent gibt er Interviews im US-Fernsehen oder nähert sich Bürgern zwecks interkulturellen Austausches in der Metro und auf der Straße an. Einen Autoverkäufer fragt er, ob das Auto kaputt geht, wenn man damit "richtig hart" in eine Gruppe Sinti und Roma fährt. Eine feine Dinner-Gesellschaft sprengt er durch die Mitnahme eines Fäkalien-Beutels. Die Collegestudenten, die den Hinterwäldler beim Trampen mitnehmen, prosten seinen rassistischen Ansichten freudig zu. Nicht immer ist klar, ob die Szenen echt oder gestellt sind.

"Mockumentarys", Pseudo-Dokumentarfilme, sind ein neues Genre, das authentische und gespielte Szenen vermischt. Oftmals geht es um die Reaktion nichts ahnender Interviewopfer, in diesem Fall auf einen schmierig-fröhlichen beschnurbarteten Macho, seinen offenherzigem Antisemitismus und Sexismus, sein unbefangen asoziales Gebaren: Der Wetterfrosch einer TV-Sendung, dem Borat in die Wetterkarte läuft, lacht sich einen Ast. Auf Borats Bemerkung, bei ihm zu Hause würde man Schwule aufhängen, antwortet ein Rancher ungerührt: "Das versuchen wir hier ja auch."

Provokation hat Priorität

Zur Europa-Premiere in London erschien der schlaksige "Reporter" im Eselskarren, der von 30 leicht bekleideten Mitgliedern seiner wilden Verwandtschaft gezogen wurde. "Good evening gentlemen and prostitutes", begrüßte Borat jubelnde Fans und eine Kapelle schmetterte ebenso laut wie falsch eine "kasachische Nationalhymne". Dem kasachischen Botschafter Erlan Idrissow war allerdings nicht zum Lachen zumute: Als "Saukerl" hatte er ihn zuvor in einem Zeitungsartikel beschimpft, Cohen sei "blöde, aggressiv und ohne jeden Charme", schrieb Idrissow.

Borat quält die Amis mit interkulturellem Austausch

Borat quält die Amis mit interkulturellem Austausch

Dabei ist Kasachstan keineswegs Cohens Angriffsziel, sondern nur ein Mittel, rassistische, sexistische, schwulenfeindliche und antisemitische Haltungen in den USA vorzuführen. "Später ihr alle kommen in meine Hotelzimmer", kündigte Borat in bewusst gebrochenem Englisch bei der Premierenfeier an: "Dann wir trinken, ringen ohne Kleider und schießen aus Fenster auf Hunde."

Pferde-Urin als Nationalgetränk?

Kann das irgendjemand für bare Münze nehmen? Cohen rennt mit seinen Provokationen weit offene Türen ein. Es sind fast stets die üblichen Verdächtigen, die er vorführt: Naive Amis, stumpfe Cowboys und Irakkrieg-Befürworter. Und lohnt es wirklich, sich über die Realsatire Pamela Anderson lustig zu machen?

Immerhin brachte dem britischen Komiker der Film eine offizielle Einladung nach Kasachstan ein. Dann könne er sich unter anderem überzeugen, dass in dem Land keineswegs fermentierter Pferde-Urin als Nationalgetränk genossen werde, so der kasachische Vize-Gleichstellungsminister. (ina)


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