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Asien

Amerikanischer Anti-Terror-Kampf in Pakistan

Drohnen, Luftschläge – und demnächst auch amerikanische Bodentruppen? Die Zahl der direkten US-Angriffe in Pakistan wächst. So wie die Sorge im Land, dass die US-Armee den Afghanistan-Krieg über die Grenze tragen will.

Ausgebrannte Tanklaster: Auch am Montag (4.10.) wurden NATO-Fahrzeuge angegriffen (Foto: AP)

Ausgebrannte Tanklaster: Auch am Montag (4.10.) wurden NATO-Fahrzeuge angegriffen

Pakistan hat sehr sensibel auf mehrere Luftraumverletzungen durch in Afghanistan stationierte NATO-Truppen in der vergangenen Woche reagiert. Am Donnerstag (30.09.2010) beschossen NATO-Hubschrauber pakistanische Grenztruppen und töteten drei Soldaten. Laut NATO-Angaben waren die Helikopter zuvor aus Pakistan heraus attackiert worden und hatten zur Selbstverteidigung die Grenze überquert. Pakistans Innenminister Rehman Malik aber gab sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden und drohte Konsequenzen an. "Attacken jeglicher Art auf unsere Soldaten oder Grenztruppen lassen wir schlichtweg nicht zu. Wir müssen wissen, woran wir sind: Sind wir Verbündete oder Feinde?"

Verdacht und Vorwürfe

NATO-LKW am geschlossenen Grenzübergang Torkham (Foto: AP)

NATO-LKW am geschlossenen Grenzübergang Torkham

Auch auf der anderen Seite mehrt sich Unmut. Seit langem hat sich in der NATO und insbesondere in den USA Frust darüber angestaut, dass die afghanischen Taliban in Pakistan Rückzugsräume für ihre Attacken auf NATO-Truppen nutzen können. Das beschränkt sich nicht nur auf die Stammesgebiete entlang der Grenze: Die Führungsriege der afghanischen Taliban sitzt beispielsweise in der pakistanischen Stadt Quetta, ist man in Washington überzeugt.

Ein weiterer Streitpunkt: Die pakistanischen Truppen gehen nach wie vor nicht gegen das eng mit den Taliban kooperierende Haqqani-Netzwerk in Waziristan vor. Und inzwischen häufen sich auch wieder die Geheimdienstberichte, wonach in einigen Stammesgebieten in Pakistan die Al-Kaida-Terroristen, viele davon aus dem Westen, neue Anschläge in Europa und den USA vorbereiten.

Aktive Konsequenzen

In den USA hat dieser Frust jetzt dazu geführt, dass man den Kampf gegen die militanten Islamisten in Pakistan stärker selbst in die Hand nehmen will. Beinahe täglich haben unbemannte CIA-Drohnen im vergangenen Monat verschiedene Ziele in Pakistan angegriffen, so oft wie noch nie. Und die New York Times berichtete neulich, dass auch Pläne für kurze Operationen von amerikanischen Bodentruppen in Pakistan ausgearbeitet würden.

Verhaftete Taliban-Kämpfer an im Grenzgebiet zu Afghanistan (Foto: AP)

Verhaftete Taliban-Kämpfer im Grenzgebiet zu Afghanistan (Archivfoto)

Der ehemalige US-Botschafter in Pakistan, William Milam, glaubt, dass die aktuellen Hubschrauber-Einsätze weniger mit den im Westen gerade viel diskutierten Terror-Plänen von Seiten der Al Kaida zu tun haben, sondern dass es dabei vielmehr um die Verfolgung afghanischer Taliban über die Grenze hinaus ging. "Was die Berichte über die von Al Kaida geplanten Terroranschläge angeht: Die dürften wohl erst dann Gegenstand von Drohnen-Angriffen sein, wenn wir eine gewisse Ansammlung von Verdächtigen ausmachen können."

Aufeinander angewiesen

Brennender NATO-Tanklaster in Shikarpur am vergangenen Freitag (Foto: AP)

Brennender NATO-Tanklaster in Shikarpur am vergangenen Freitag

Die pakistanische Regierung hat ein wichtiges Druckmittel gegen die USA, und das hat sie auch gleich eingesetzt: Seit vergangenem Donnerstag ist der wichtige Grenzübergang am Khyber-Pass, Torkham, für Nachschublieferungen der NATO gesperrt. Die NATO ist für drei Viertel ihres Nachschubs in Afghanistan auf Pakistans Häfen und Straßen angewiesen. Immer wieder werden NATO-Konvois in Pakistan überfallen, so zuletzt auch an diesem Montag (04.10.2010). Pakistan ist umgekehrt aber auch von US-Hilfe abhängig und kann den Bogen daher nicht überspannen. Am Wochenende sagte der pakistanische Botschafter in Washington, Hussain Haqqani, er rechne damit, dass die Grenze in weniger als einer Woche wieder offen sein werde.

Offenbar bemüht sich Pakistan im Gegenzug um Zusicherungen des US-Militärs, dass Grenzverletzungen in Zukunft ausbleiben werden. Auch William Milam ist zuversichtlich, dass der Konflikt nicht eskalieren wird. "Ich glaube eigentlich, das pakistanische Militär hat eingesehen, dass vieles von dem, was wir tun wollen, auch in ihrem eigenen Interesse ist." Gleichzeitig müssten die pakistanische Regierung und das Militär aber auch auf die anti-amerikanische Meinung in der Bevölkerung Rücksicht nehmen. "Deshalb müssen sie auf Grenzverletzungen, auch in der Luft, irgendwie verbal reagieren."

Sensibles Terrain

Die USA müssten trotzdem vorsichtig sein, betont Milam. Gerade weil die pakistanische Regierung das Drohnen-Programm der CIA inzwischen stillschweigend akzeptiere, sei Washington gut beraten, die Empfindlichkeiten in Islamabad nicht überzustrapazieren. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die CIA die meisten Drohnen, die pakistanische Ziele attackieren, inzwischen sogar von pakistanischem Boden aus starten lässt.

Autor: Thomas Bärthlein
Redaktion: Esther Broders