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Nahost

Amerikanische Freiwillige in Israels Armee

Während Israel über einen präventiven Militärschlag gegen iranische Atomanlagen diskutiert, erhält die Armee Zulauf von Freiwilligen aus dem Ausland. Über den Umgang mit den Rekruten ist eine heftige Debatte entbrannt.

Die israelischen Behörden hatten Anfang August gleich ein ganzes Terminal gesperrt, um eine Gruppe von 350 Einwanderern aus Nordamerika am internationalen Flughafen Ben Gurion südöstlich von Tel Aviv zu begrüßen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu war gekommen, israelische Gratulanten standen Spalier, eine Band spielte.

Unter den Neuankömmlingen waren auch 127 junge Frauen und Männer, die sich der israelischen Armee (IDF) anschließen wollen. "Der Beifall und die Freude bei unserer Landung waren überwältigend", fasst Eric Schorr aus Philadelphia seine Gefühle zusammen. "Es war unglaublich. Vielen Leuten liefen nur so die Tränen die Wangen herunter weil sie ihren Traum wahrmachten", so der 24-Jährige gegenüber der Deutschen Welle.

Die neuen Einwanderer trafen in einer aufgeheizten Atmosphäre in Israel ein. Die Debatte über einen präventiven Militäreinsatz, vielleicht noch vor den amerikanischen Präsidentschaftswahlen im November, gegen iranische Atomanlagen reisst nicht ab. Die USA und andere westliche Staaten beschuldigen den Iran, heimlich an Atomwaffen zu arbeiten.

Iran im Blick

Bei der Begrüßung am Flughafen Ben Gurion wurde der Konflikt mit Teheran zwar nicht ausdrücklich erwähnt, dennoch hatte Israels Premier offensichtlich die aggressive Rhetorik Präsident Mahmud Ahmadinedschads­ - der die Zerstörung des "Zionistischen Gebildes" beschwört - im Sinn. "Wir sehen heute […] einen bösartigen, neuen Antisemitismus, gegen den wir uns wehren müssen", wandte sich Netanjahu an die zukünftigen Soldaten in ihren khakifarbenen T-Shirts. "Die wichtigste Aufgabe ist die Verteidigung des jüdischen Staates. Das machen wir, das macht ihr, und ich bin stolz auf euch."

Porträt von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (Foto ddp)

Plant Ministerpräsident Netanjahu schon den nächsten Krieg?

Es ist die bisher größte Gruppe von Ausländern, die sich zum Wehrdienst in Israel rekrutieren lässt. Die jungen Männer und Frauen gehören alle zur gemeinnützigen US-Organisation "Friends of the Israeli Defense Forces" (FIDF), einer Gruppierung, die die Rekrutierung von Juden in der Diaspora zum Dienst an der Waffe in Israel unterstützt.

Unterstützung der Familien

Derweil geht in Jerusalem die Angst vor einem Krieg um. Die Bewohner der Stadt decken sich mit Atemschutzmasken, Wasser und Konserven ein. Eric Schorr, der neue Rekrut aus den USA, sieht die Lage eher pragmatisch. Israel habe sich doch immer in einer matsav, einer Situation, befunden, sagt der junge Mann. Seine Familie in Philadelphia verstehe das. "Sie machen sich natürlich Sorgen, weil es eben nicht die Vereinigten Staaten sind", so Schorr. "Aber sie verstehen auch, dass dieses Land belastbar ist und überleben wird. Es wird schon alles gut gehen." Mit Hochschulabschlüssen in Nahoststudien und moderner Judaistik, tadellosem Hebräisch und Arabischkenntnissen hofft Schorr, bei der israelischen Armee eine gute Stelle zu bekommen. Aber natürlich gibt es auch genug einheimische Konkurrenten, die die Sprache perfekt beherrschen.

Kein Ende in Sicht

Aus dem israelischen Gefängnis freigelassene Palästinenser vor dem Grab von Arafat (Foto: Jim Hollander)

Die Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern halten an

Manche Israelis bezweifeln, ob der Staat wirklich Einwanderer in eine Armee einberufen soll, deren Soldaten routinemäßig im Westjordanland, den von Israel besetzten Palästinensergebieten, stationiert werden. Einer der Kritiker der Aktion ist Avner Gzaryahu, Aktivist der Organisation "Breaking the Silence." Die Gruppe engagiert sich dafür, dass die Erfahrungen der Veteranen in den besetzten Gebieten in der israelischen Öffentlichkeit verbreitet werden. "Meiner Meinung nach braucht Israel keine neuen Rekruten", meint Gzaryahu, der von 2004 bis 2007 selbst in den Streitkräften gedient hat. Sie seien natürlich willkommen wenn sie herkommen wollten, so der Aktivist gegenüber der DW, aber es gebe viel Wichtigeres in der israelischen Gesellschaft. "Es ist viel wichtiger, dass junge amerikanische Juden sich mit sozialen Problemen in Israel befassen als mit dem Westjordanland."

Die IDF verfolgt dagegen das Ziel, den Zulauf von freiwilligen Soldaten aus Übersee anzukurbeln. Erst kürzlich wurden die "Friends of the Israeli Defense Forces" angehalten, ihre Partnerschaft mit Nefesh B'Nefesh auszuweiten - der israelischen Organisation, die Juden bei der Ausreise nach Israel behilflich ist.