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Politik

Amerikaner in Deutschland gegen Trump

Die umstrittenen Entscheidungen von US-Präsident Donald Trump sorgen für Protest. Besonders junge, liberale Amerikaner fangen jetzt an, sich für Politik zu interessieren - auch in Deutschland.

Sara Grossmann hat am Wochenende schlecht geschlafen. Die 23-jährige Kalifornierin lebt in Berlin und findet es beunruhigend, was in ihrer Heimat passiert. Die Bilder der Massenproteste gegen das Einreiseverbot für Muslime aus sieben Staaten fesselten sie. Und ein bisschen fühlte sie sich irgendwie auch schuldig. Zwar war sie schon immer politisch aktiv und schrieb für ihre Uni über Politik, aber die aktuellen Ereignisse vermittelten ihr das Gefühl, nicht genug zu tun. "Bei Facebook sehe ich die ganzen Leute, die zu den Protesten gehen und diesen Kampf annehmen", sagt Grossman der DW. "Es ist schon ein Privileg, hier zu leben".

Als Reaktion auf Trumps jüngste Entscheidungen fing Grossman unter anderem an, die Organisation "Planned Parenthood" mit Spenden zu unterstützen. Der Non-Profit-Organisation, die unter anderem Beratung bei geplanten Schwangerschaftsabbrüchen bietet, will die Trump-Administration den Geldhahn zudrehen. Außerdem engagiert sich Grossman, die 2016 nach Berlin kam, bei einer Organisation, die Flüchtlinge unterstützt.

Junge Expats werden aktiv

Deutschland Anti-Trump-Proteste in Berlin (Reuters/A. Schmidt)

Proteste gegen Donald Trump nach dessen Wahl im November am Brandenburger Tor

Grossman ist nur eine von vielen jungen, liberalen Amerikanern, deren politischer Impuls wieder durch Trump geweckt wurde. Das hat rund um die US-Wahlen besonders die Auslandsorganisation der Demokraten, die "Democrats Abroad (DA)", bemerkt. "Die Mitgliederzahl ist deutlich gestiegen", berichtet Quaide Williams, Vorsitzender der DA in Deutschland. "Das entspricht nicht dem Vorurteil, dass sich junge Menschen kaum für Politik interessieren würden und selten aktiv werden". Die Gruppe der Demokraten in Deutschland hat rund 9000 Mitglieder - den Anstieg im Anschluss an Trumps Amtsantritt noch nicht eingerechnet.

Von den Neumitgliedern seien rund 80 Prozent unter 35, schätzt Williams. Angst vor Trump sei der Grund für den Anstieg der Mitglieder: "Ich glaube, die Leute stehen unter Schock", sagt er. "Viele dachten sich, dass es schon nicht so schlimm werden würde. Und jetzt sehen sie: Es wird so schlimm".

Erste Anlaufstelle in Berlin

Powen Shiah ist 33 Jahre alt und stammt aus Michigan. Er arbeitet als Kommunikationskoordinator der Demokraten in Berlin. Er beobachtet, dass den "Democrats Abroad" so etwas wie eine Schlüsselrolle zukommt, wenn es um den Protest der Leute geht. "Für viele sind wir die erste Anlaufstelle. Die denken sich 'ich bin doch nur ein Amerikaner in Berlin, was soll ich sonst machen'".

Die DA macht dabei nicht nur Wahlwerbung, sondern hält auch regelmäßige Treffen ab - und Demonstrationen. Die Zweigstelle der Demokraten in Hamburg organisierte einen Frauenmarsch im Januar - ähnlich wie in Berlin, Frankfurt und anderen Städten in ganz Deutschland und Europa. Philipp Reviere, der bei den deutschen Auslands-Demokraten für den Bereich Jugend zuständig ist, war davon überrascht. Um die hundert Teilnehmer waren angepeilt - am Ende kamen 700. "Viele dachten sich 'wow', hier passiert was", sagt Reviere der DW. "Ich denke, die Leute engagieren sich jetzt stärker".

Women's March in Frankfurt (DW/M. Bierbach)

Auch in Frankfurt am Main gingen am 21. Januar Frauen auf die Straße

Verschiedene Art des Engagement

Jennifer, eine 29-jährige Kalifornierin, die für eine Beraterfirma in Frankfurt arbeitet (und ihren Nachnamen der DW nicht nennt), sagt, dass dass sie in Zukunft zu den Treffen der DA gehen wird. Auch sie wurde durch die Proteste in der Heimat dazu inspiriert. Im Ausland zu leben sollte keine Ausrede sein, um sich nicht einzubringen, sagt sie. "Und ich dachte, ein strukturierter Protest wie durch die DA ist effektiver als alles, was ich allein auf die Beine stelle."

Auch Sarah Grossman plant, bei den "Democrats abroad" vorbeizuschauen. Außerdem gäbe es ja ganz verschiedene Möglichkeiten, sich einzubringen. Spenden, protestieren, oder einfach aufmerksam die Nachrichten schauen. "Jeder muss da seinen eigenen Weg finden", sagt sie.  

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