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Amerika

Amerika sucht den Super-Präsidenten

Kandidaten-Duelle sind seit 1960 fester Bestandteil des US-Wahlkampfs. DW-WORLD.DE geht der Frage nach, worauf es bei dieser hochkarätigen Casting-Show ankommt, und wie sich die Amtsbewerber Bush und Kerry präsentieren.

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Wenig Raum für Individualität

Der Präsidentschaftswahlkampf in den USA geht in eine neue Runde. Fünf Wochen vor den Wahlen stehen sich Präsident George W. Bush und Herausforderer John Kerry beim ersten von drei Fernsehduellen gegenüber. Im Journalisten-Kreuzverhör müssen die Amtsbewerber eine gute Figur machen. In der ersten Debatte, die an der University of Miami im Bundesstaat Florida stattfindet, wird es um die Außen- und Sicherheitspolitik gehen. Beide Kandidaten dürften sich auf das rund 90-minütige Duell, das von mehreren Millionen potenziellen Wählern verfolgt wird, sehr genau vorbereitet haben.

Die Rhetorik entscheidet das Rennen

Unabhängig von konkreten Inhalten geht es für beide Kontrahenten darum, sich rhetorisch nicht in die Defensive drängen zu lassen. "Letztlich werden die Fernsehdebatten nicht durch die Inhalte dominiert, sondern von der Performance und den rhetorischen Fähigkeiten der Kandidaten", sagt Hans Vorländer, Politikwissenschaftler und Kommunikationsexperte von der Technischen Universität Dresden. Es müsse den Kandidaten gelingen, das Publikum nicht nur von ihren Inhalten, sondern von ihrer gesamten Person zu überzeugen.

John Kerry

John Kerry muss sein hölzernes Image loswerden

Kerry dürfte keine Chance haben, wenn er es nicht noch schafft, gegen sein hölzernes Image anzukämpfen. "Bislang ist es Kerry im Gegensatz zum Präsidenten nicht gelungen, sein distanziertes und steifes Image loszuwerden und Volksnähe zu verkörpern. Insofern sind die nun anstehenden TV-Duelle wahlentscheidend, weil die Kandidaten hier die noch unentschiedenen Wähler für sich gewinnen können." Das gilt besonders angesichts aktueller Umfragen, nach denen Bush und Kerry sich in der Gunst der Wähler ein knappes Rennen liefern.

Gratwanderung der Kandidaten

John Edwards in Boston Konvent der Demokraten

Schon auf den Parteitagen spielte Rhetorik eine Rolle

Die Parteitage der Republikaner und Demokraten haben gezeigt, dass die Präsidentschaftskandidaten die Bedeutung ihrer eigenen Rhetorik für den Ausgang der Wahl erkannt haben. Während laut Medienanalysen insgesamt auf beiden Parteitagen die Worte "Terror" und "Krieg" die Reden dominierten, sprach US-Präsident Bush von "Freiheit", "Möglichkeit" und "Sicherheit" - das waren die meistgenutzten Worte in seiner Ansprache.

George Bush als Wahlkämpfer in Wisconsin

Optimismus gehört zum Wahlkampfrepertoire

Der Präsident legt jetzt einen vergleichsweise milden Ton an den Tag - und will offenbar auf Anraten seiner PR-Berater die Rolle des "martialischen Gotteskriegers" ablegen. Stattdessen versucht er die Gratwanderung zwischen tapferem Feldherren und Friedensfürst. So bemüht er die historische Mission der USA, Freiheit und Frieden auf der Welt zu verbreiten als Rechtfertigung für sein politisches Handeln. Ähnliches versucht auch Kerry, indem er einerseits Militärvokabular gebraucht und sich "zum Dienst meldet", und auf der anderen Seite den Irak-Krieg als Fehler verurteilt.

"Die große amerikanische Erzählung"

John Kerry in Boston meldet sich zum Dienst

John Kerry salutiert und meldet sich zum Dienst

"Beide Kandidaten greifen auf ein gemeinsames wahlkampf-rhetorisches Repertoire zurück", analysiert Vorländer. "Dazu gehören der optimistische Grundton, das verheißungsvolle Schönreden der gegenwärtigen Situation und vor allen Dingen die Einbettung der gegenwärtigen Situation in die große amerikanische Erzählung von Freiheit und Aufstieg." Vorländers Fazit: "Im Wahlkampfduell punktet der Kandidat, der seinen rhetorischen Auftritt am besten in die große amerikanische Erzählung einbetten kann." Dabei verwenden die Wahlkämpfer eine "zivil-religiöse Rhetorik". "Hier wird das Motiv der USA als Gottes auserwähltes Land bemüht, verbunden mit dem Bestreben, den amerikanischen Traum missionarisch in die Welt hinauszutragen".

Wenig Raum für Individualität

Besonders im Zusammenhang mit aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen und dem so genannten "Kampf gegen den Terror" macht Bush häufig religiöse Anspielungen. Aber auch hier mäßigt sich Bush und die Kandidaten gleichen sich rhetorisch immer mehr an. Vorländer: "Militärische Operationen werden nicht mehr als 'Kreuzzüge' bezeichnet, einseitige religiöse Anspielungen haben in Bushs Reden eher ab- als zugenommen." Dort, wo die Rhetorik der Kandidaten sich ähnelt, wird die persönliche Inszenierung der Kandidaten als wichtiger Entscheidungsfaktor hinzukommen - allerdings lassen die Regievorgaben und Regeln der TV-Duelle auch hier wenig Raum für Individualität.

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