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Politik

Amerika hat die Wahl

Wie stimmt Amerika am 2. November ab: Für einen Kriegspräsidenten oder für einen Friedenspräsidenten? Das wird vor allem von der Entwicklung im Irak abhängen, meint Dieter Dettke von der Friedrich-Ebert-Stiftung.

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Einer der es wissen muss, hat schon das perfekte historische Beispiel für die am 2. November anstehenden amerikanischen Präsidentschaftswahlen parat: Dick Morris, Wahlkampfstratege von Präsident Clinton bei dessen Wiederwahl 1996. Morris sieht die Novemberwahlen in Amerika ähnlich wie das Duell zwischen Winston Churchill und Clement Atlee unmittelbar nach Beendigung des 2. Weltkrieges. Bekanntlich verlor der Kriegsheld Churchill die britischen Wahlen gegen den Kandidaten der britischen Labour-Party Clement Atlee. So wie damals in Großbritannien im Jahre 1945 wird sich laut Morris am 2. November 2004 die Wahlfrage darauf zuspitzen, ob die Wähler in Amerika einen Kriegspräsidenten oder einen Friedenspräsidenten wollen.

Bush erklärt Krieg für beendet

Präsident Bush am 1. Mai 2003 auf dem Flugzeugträger USS Abraham Lincoln

George W. Bush hat sich selbst immer wieder als Kriegspräsident dargestellt und auch so bezeichnet und seine Stärke liegt (laut Umfragen) auch eindeutig auf dem Gebiet der nationalen Verteidigung, der Gewährleistung der inneren Sicherheit und in der Fähigkeit zur erfolgreichen Bekämpfung des Terrorismus.

Kerrys Qualitäten

John Kerry führt demgegenüber in den Umfragen dort, wo es um die Beschaffung von Arbeitsplätzen geht, um Erziehung, Ausbildung, Krankenversicherung, Alters- und Rentenversicherung sowie um den Umweltschutz.

Die Amerikaner würden also mit ziemlicher Sicherheit für George W. Bush stimmen, wenn sie eine feste Hand im Kampf gegen den internationalen Terrorismus wollen. Sie würden aber mit großer Wahrscheinlichkeit für John Kerry stimmen, wenn sie nach einer zuverlässigen Führung für die Bewältigung der innenpolitischen, wirtschaftlichen und sozialen Probleme Amerikas suchen.

Tektonische Verschiebung

Alarmierend für das Weiße Haus ist, dass sich in den Umfragen über den Krieg im Irak, wie der Umfragenspezialist Mark Mellmann herausgefunden hat, seit April 2004 eine "tektonische Verschiebung" abzuzeichnen beginnt. Bisher konnte Präsident Bush davon ausgehen, dass die öffentliche Meinung Amerikas trotz der hohen Zahl von Opfern und der gewaltigen finanziellen Leistungen, die Amerika weitgehend alleine aufbringen muss, das militärische Vorgehen gegen Saddam Hussein noch immer als notwendig und richtig zu unterstützen bereit war.

Als Howard Dean gegen Ende 2003 zu behaupten wagte, dass Amerika durch den Irak-Krieg weniger sicher geworden sei, war die Mehrheit der amerikanischen Öffentlichkeit noch anderer Meinung.

Inzwischen hat sich das Bild jedoch fundamental geändert. Heute sagt eine Mehrheit von 54 Prozent der Amerikaner, dass der amerikanische Kriegseinsatz ein Fehler war.

Auch im Vietnam-Krieg hat es ja relativ lange gedauert, ...

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