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Nahost

Amerika, das auserwählte Volk?

Warum proklamiert US-Präsident George Bush den "Kampf gegen das Böse"? Die Medien beobachten eine Zunahme von religiösen Motiven in der Sprache des Präsidenten und analysieren, ob seine Politik vom Glauben geprägt ist.

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Präsident Bush stützt sich in der Politik auf seinen Glauben

Es ist nicht zu übersehen: Die deutschen Medien haben das Thema "George W. Bush und die Religion" entdeckt. Kein Wunder, betont doch der US-Präsident seine religiösen Überzeugungen mit Sätzen wie: "Gott hat uns aufgerufen, unser Land zu vereidigen und die Welt zum Frieden zu führen". Der "Spiegel" titelte deshalb Anfang März bissig "Bush und Amerikas Gotteskrieger rufen zum Endkampf gegen das Böse", und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" beschäftigte sich mit dem "Frommen Mann im Weißen Haus".

Eine Erklärung für Bushs Verhalten meinen viele Journalisten in seiner Vergangenheit zu finden. Die meisten sind sich in ihrer Einschätzung einig, dass Bush tatsächlich tief religiös sei. Als Schlüsselerlebnis wird seine Überwindung des Alkoholismus durch ein Hinwenden an Gott gesehen, kurz nach seinem 40. Geburtstag. Eine entscheidende Rolle wird bei dieser Entwicklung dem protestantischen Prediger Billy Graham zugeschrieben, der lange Gespräche mit Bush führte, mit ihm betete und auch jetzt noch zu seinen Beratern im Weißen Haus gehört. Denn seit dieser "Umkehr" bestimmt die christliche Religion Bushs Leben – nicht nur persönlich, sondern auch politisch.

Die Macht der Religion in "God's own country"

In Amerika ist Gottesfurcht die Regel, nicht die Ausnahme. Über drei Viertel der Bevölkerung, 160 Millionen, sind Christen, die Hälfte von ihnen geht regelmäßig zum Gottesdienst. "In God we trust" ist kein leerer Sinnspruch. Religion ist tagtäglich gelebte Überzeugung – und zu einem wahlentscheidenden Faktor geworden. Zwar ist Bushs Kirche der Methodisten gegen den geplanten Krieg gegen den Irak, doch der Präsident kann trotzdem seine Politik als "gottgefällig und fromm" vermarkten. Die christliche Rechte nämlich steht hinter ihm, und die besitzt in "God's own country" politisch großen Einfluss. Fast 20 Millionen Amerikaner gehören alleine der christlich-fundamentalistischen Southern Baptist Convention an.

"Der Gesandte Gottes"

In Deutschland melden sich nun auch die Religionswissenschaftler zu Wort, um Bushs Selbstverständnis und Rhetorik in den Rahmen der christlichen Geschichte einzuordnen. Einer von ihnen ist Professor Hans Gerhard Kippenberg vom Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien in Erfurt. In der "Süddeutschen Zeitung" beschrieb er Bushs Politik als ein "Programm zur Überwindung der dunklen Mächte, die dem Heilsgeschehen entgegen stehen". Der Präsident spreche gar als "Erlöser", wenn er behaupte "Der Ruf der Geschichte ist an das richtige Land ergangen" oder "Wir opfern uns für die Freiheit von Fremden", so der Religionswissenschaftler.

Ähnlich sieht es der evangelische Theologe Hans-Eckehard Bahr, der in den 1960-er Jahren unter anderem als Mitarbeiter von Martin Luther King an der University of Chicago tätig war: Der Präsident sehe sich selbst als den "Gesandten Gottes", der den "Machtkampf gegen das Böse führen muss" (siehe DW-RADIO-Interview "Religiöse Behinderung"). Für ihn steht Bush in der amerikanischen Tradition, Amerika als das "Gelobte Land" zu betrachten, das auch die anderen Länder erlösen müsse. Bahrs Urteil fällt niederschmetternd aus: Das "Bush-Amerika" sei "charakterlich und religiös behindert".

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