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Politik

Americans go green

Amerikaner fahren riesige Autos, verbrauchen Unmengen Energie und ihr Präsident steht beim Kampf gegen den Klimawandel mit beiden Beinen auf der Bremse. So die einhellige europäische Einschätzung.

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Allerdings gibt es auch ein anderes Amerika, das sich umweltbewusst und aktiv gibt. Und dieses Amerika scheint von Tag zu Tag stärker zu werden. Es sind nicht nur Hybrid-Autos fahrende Prominente, die per Zeitungsannonce Al Gore zur Präsidentschaftskandidatur überreden wollen. Es sind ganz unterschiedliche Gesellschaftsschichten, die auf den hohen Energieverbrauch ihres Landes aufmerksam machen. So überzeugten kürzlich Studenten die Stadtoberen in San Francisco und Los Angeles, weite Teile der Stadtbeleuchtung für eine Stunde auszuschalten. In New Yorker Rockefeller Center wird der berühmteste Weihnachtsbaum der Welt das erste Mal mit Solarenergie betrieben. 500.000 tägliche Besucher sollen laut Bürgermeister Bloomberg ermuntert werden, von einem "green Chrismas" zu träumen. Späte Fahne im grünen Wind Supermärkte, die auf Bio-Produkte und auf Umweltverträglichkeit setzen, haben regen Zulauf. Der Druck der Kunden wächst und so springen in Amerika immer mehr Konzerne auf den Öko-Zug. Als jüngste grüne Überläufer reihten sich Walmart und General Electric ein. Walmart animiert seine Kunden, Energiesparlampen zu kaufen und prüft seine Zulieferer auf Umweltverträglichkeit. Der Chef des amerikanischen Energiekonzerns General Electric verordnet seiner Firma ein so genanntes "Greening", sprich: weniger CO2-Ausstoß und Investitionen in erneuerbare Energien. Natürlich fällt es leicht, die Konzerne für ihr spätes Fahneschwenken im "grünen" Wind zu verspotten. Aber das Gute daran ist, nur die Marktmacht solcher Schwergewichte kann Dinge spürbar verändern und vor allem erhöht sie die Angst anderer Konzerne, die grüne Revolution zu verschlafen. Viele Bundesstaaten wollen nicht länger auf den Zögerling im Weißen Haus warten und beschließen eigene Vereinbarungen zum Umweltschutz. Angeführt von Arnold Schwarzenegger präsentieren sich Gouverneure beider Volksparteien neuerdings besonders gern vor Naturkulissen und treten in landesweiten Fernsehspots für mehr Umwelt- und Klimaschutz ein.

Grün ist Pop

NBC färbt sein buntes Senderlogo eine Woche lang grün. Fernseh-Prominente feiern eine biologische, umweltfreundliche Hochzeit und die Krankenhaus-Serie "Scrubs" zeigt in Anlehnung an Al Gores Film die Folge "Meine unbequeme Wahrheit". Der Kampf gegen den Klimawandel ist zurzeit Pop. Auf amerikanische Leser und Fernsehzuschauer prasseln die Öko-Themen nur so ein. Rasant steigende Energiekosten sind mit ein Grund für den Wandel zu "green". So vermittelt etwa seit kurzem das Amt für Umweltschutz auf lokaler Ebene Experten, die das eigene Haus auf Energiesparmöglichkeiten abklopfen. "Wir sehen ein bisschen aus wie die Ghost Busters, mit all unseren summenden und piependen Geräten", sagt einer der Prüfer. "Am meisten sind die Leute geschockt, wenn wir ihnen zeigen, wie viel Energie all ihre technischen Geräte verbrauchen, wenn sie gar nicht benutzt werden." Selbst den als Umweltmuffel häufig gescholtenen US-Präsident hat der neue Trend schon erreicht: So machte Angela Merkel neulich bei ihrem Besuch auf der Crawford Ranch in Texas eine erstaunliche Entdeckung: George Bush brachte sie in einem Gäste-Bungalow unter, ein Solarhaus, gebaut nach Öko-Prinzipien. Hat der Klimawandel womöglich auch bei Bush zu einem Bewusstseinswandel geführt? Das kann er schon bald mit einer neuen Politik bei der Klimakonferenz auf Bali unter Beweis stellen.