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Kultur

Amend: "Berlin interessiert die Welt"

"DIE ZEIT" möchte internationaler werden und gibt jetzt eine englischsprachige Ausgabe des Magazins heraus. Braucht die Welt ein deutsches Heft auf Englisch? Die DW sprach mit Magazin-Chefredakteur Christoph Amend.

Das halbjährliche Magazin "The Berlin State of Mind", dessen zweite Ausgabe gerade auf dem internationalen Markt erschienen ist, orientiert sich an klassischen amerikanischen Hochglanzheften wie "Vanity Fair" oder "Vogue". Es ist vollgepackt mit hochwertigen Fotos von Models, Künstlern, Schauspielern, Designern und andere Prominenten. Wenn man das Büro von Christoph Amend betritt, zeigt sich auch, woran das liegt: Titelblätter des "New Yorker" schmücken die Wände hinter seinem Schreibtisch. Die Atmosphäre ist entspannt, locker und sehr amerikanisch. Dennoch: Deutsche Syntax und Redewendungen sind in den übersetzten Artikeln noch klar erkennbar, und vielleicht besitzt "The Berlin State Of Mind” gerade deswegen den schrägen Charme eines multikulturellen Experiments.

DW: Wie schwierig ist es, das "ZEIT-Magazin" nicht nur in eine andere Sprache, sondern in einen anderen kulturellen Kontext zu übertragen?

Christoph Amend: Ausländern sage ich immer, dass "DIE ZEIT" mit dem "New Yorker" vergleichbar sei, nur eben im Zeitungsformat. Und das ""ZEIT-Magazin"“ ähnelt dem "New York Times Sunday Magazine" und dessen wunderbarem Schwesterheft „T“. Die Idee, das "ZEIT-Magazin" auf Englisch zu machen, hatte ich, als ich einmal mit der französischen Fotografin Brigitte Lacombe sprach. Sie arbeitet regelmäßig für das Magazin und sagte, dass sie es toll fände: wie es gestaltet sei, die Fotos und auch die Art, wie wir unsere Geschichten präsentierten. Und dann lehnte sie sich zu mir hinüber und meinte: "Ich wünschte, ich könnte es lesen."

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Die internationale Ausgabe des "ZEIT-Magazins"

Ich kam dann zurück in mein Büro, setzte mich mit ein paar Kollegen zusammen und wir überlegten, ob es sinnvoll sei, das ""ZEIT-Magazin"“ ins Englische zu übertragen. Uns wurde klar, dass es tatsächlich einen Markt gibt für halbjährliche Magazine in englischer Sprache. Und es gibt auch Geschäfte, die sich auf genau diese Art von englischsprachigen Hochglanzmagazinen spezialisiert haben. Also nahmen wir unsere Inhalte, stellten sie neu zusammen und gaben sie als eine Art "Coffee-Table"-Magazin - sprich: hochwertiges Magazin - neu heraus.

Warum haben Sie sich entschieden, "The Berlin State Of Mind” in genau dieser Optik zu präsentieren? Ist das Hochglanzmagazin nicht eine aussterbende Gattung?

Nein, es stirbt nicht aus. "DIE ZEIT" hat eine sehr erfolgreiche Website, Zeit Online, und ist auch in den sozialen Netzwerken sehr erfolgreich. Aber meine Meinung ist: Je stärker unsere Medienwelt digitalisiert wird, desto wichtiger wird der Wunsch, ein schönes Magazin zur Hand zu nehmen und darin lesen zu können. Die Seiten durchzublättern und das zu genießen. Wenn man sich Medienblogs anschaut, vor allem die jüngeren, wie Modeblogs: Worum geht es da? Vor allem um die Inhalte von Printmedien. Wenn ein Heft wie die Vogue in den USA einen Titel mit Kim Kardashian und Kanye West bringt, wird das zuerst in den Blogs diskutiert. Je digitaler die Welt wird, desto mehr brauchen wir gut gemachte Hochglanzmagazine.

""ZEIT-Magazin" " ist als Beilage der Wochenzeitung "DIE ZEIT" eine überregionale deutsche Zeitschrift – warum heißt der englische Ableger "The Berlin State of Mind"?

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Titelblatt des neuen englischsprachigen Zeit Magazins

Titelblatt des neuen englischsprachigen Zeitmagazins

Schauen Sie sich mal die aktuelle Ausgabe des New Yorker an: In der Titelgeschichte geht es darum, wie gefragt der Berliner Club "Berghain" ist. Das zeigt, wie groß im Ausland das Interesse an Berlin ist. Wenn ich auf Reisen bin und mich jemand fragt, woher ich komme und ich antworte "aus Deutschland", dann heißt es oft: "Oh, das ist schön." Aber wenn ich sage, ich komme aus Berlin, dann bekommt mein Gegenüber große Augen. Meist sagen die Leute dann: "Da war ich gerade", oder: "Ein Freund von mir war gerade da", oder: "Da will ich unbedingt mal hin". Deshalb sagten wir uns: Okay, wir sind ein Heft aus Berlin. Lasst uns das bewusst einsetzen. Der Schriftsteller Kurt Tucholsky hat den Charakter der Stadt einmal wunderbar auf den Punkt gebracht. Er sagte: "Berlin wird."

Aber was kann jemand aus Paris, London oder New York ausgerechnet aus Berlin mitnehmen, was er nicht genauso gut oder besser zuhause bekommen könnte?
Einer der Unterschiede ist: Künstler können sich Berlin noch leisten. Die Berliner beschweren sich zwar über steigende Mieten, aber noch sind die Preise bezahlbar, wenn man sie mit Paris, London oder sogar mit München und Stuttgart vergleicht. Deshalb gibt es hier so viele junge Künstler. Vor einigen Wochen habe ich den rumänischen Künstler Adrian Ghenie getroffen und ihn gefragt, was er an Berlin mag. Was ist das Besondere? Er dachte einen Moment lang nach und sagte: "Das Deutsche steht in Berlin nicht so im Vordergrund." Das ist wahr. Hier gibt es eine Menge Menschen, die kein Wort Deutsch sprechen, und sie genießen es. Man wird nicht dauernd von den Gesprächen anderer abgelenkt. Letztens, in der Charlie Rose Show in den USA, sprach der Schauspieler Bill Murray über den Film "Monument Men". Er sagte: "Waren Sie vor kurzem mal in Berlin? Es ist großartig. Die Leute lassen dich in Ruhe."

Können Sie uns noch mehr über ihre Zielgruppe sagen?

Das ""ZEIT-Magazin" - Berlin State of Mind" wird international vertrieben, an 500 Verkaufstellen außerhalb und mehreren hundert innerhalb Deutschlands. Es gibt Leute, die das "Zeit Magazin" jede Woche lesen, und die sind daran interessiert, eine "Best-Of"-Zusammenstellung zu kaufen. Auch gelegentlichen Lesern gefällt eine Sammlung der Highlights. Dann sind da diejenigen, die sich für neue kreative Trends interessieren: Menschen aus der Medienwirtschaft, der Werbung, der Mode- und Kunstwelt. Die sind immer an neuen Ideen und Umsetzungen interessiert. Wir hoffen, dass ein Magazin aus Berlin, das mehr als nur Mode und Lifestyle bietet, für all diese Leute spannend sein wird.

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