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Evolutionsbiologie

Ameisen, die Kaffeepflanzen züchten

Forscher haben auf den Fidschi-Inseln eine Ameisenart entdeckt, die Pflanzensamen sät, düngt und erntet. Sie ist landwirtschaftlich begabt wie der Mensch - und das seit Millionen von Jahren.

Was haben eine Ameise auf Fidschi und ein Bauer gemeinsam? Na? Beide haben einen grünen Daumen! Zugegeben, beim Landwirt mag uns das weniger überraschen - aber bei dem kleinen Krabbeltier? Und damit nicht genug. Denn die Ameise der tropischen Art "Phildris nagasau" erntet nicht nur den Nektar ihrer gesäten Pflanzen, sondern sie nutzen die knolligen Gewächse hoch oben in den Baumwipfeln später auch, um darin zu wohnen.

"Das ist die erste Ameise, die sich ihre zukünftigen Behausungen pflanzt", sagt die Botanikerin Susanne Renner von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München. Die Ameise dünge die Sämlinge wochenlang, ohne davon direkt zu profitieren. Erst nach drei bis fünf Monaten könne sie in die junge Kaffeepflanze einziehen. "Das gleicht einem Bauern, der sich seine Ernte heranzieht", sagt Renner im DW-Interview. Sie hat die Studie zusammen mit ihrem Doktoranden Guillaume Chomicki verfasst. Als Forschungsorte kamen Borneo und die Fidschi-Inseln infrage, da in diesen tropischen Inselregionen viele Ameisenarten leben.

Ludwig-Maximilians-Universität München - Forschung Susanne Renner - Ameisen (Ludwig-Maximilians-Universität München/Susanne Renner)

Ameisen züchten ihr Haus monatelang heran

Um die Ameisen zu beobachten, kletterte Chomicki mithilfe von Seilen in die Bäume. "Dort hing er stundenlang und hat Experimente durchgeführt", sagt Renner. Denn es galt auch herauszufinden, ob das planerische Verhalten an der Intelligenz der Ameisen liegt. "Das ist - soweit man weiß - alles angeboren. Die Ameise muss ja wissen, welchen Samen sie pflanzt", entgegnet Renner. So habe Chomicki den Ameisen testweise andere Samen und Reiskörner hingelegt. Sie hätten aber nur die Samen von den Arten angenommen, die sie später als Haus benutzen können.

Ameisenkot und Urin als Dünger

Damit der Hausbau gelingt, bewachen die Ameisen die jungen Pflanzen im Schichtdienst und düngen sie mit ihrem Kot und Urin. Die Samen werden jedoch nicht in jede Baumrinde gepflanzt.

Denn die muss für die zukünftigen Häuser geeignet sein. So kommen die Kaffeepflanzen mithilfe der Ameise in die Krone ganz bestimmter Urwaldriesen - und damit näher ans Licht. Quasi als Dankeschön, um sich zu re­van­chie­ren, entwickeln die Kaffeegewächse Hohlräume, in denen die Ameisen ihre Larven heranziehen und in denen die Königin residiert.

Die Forscher fanden auch heraus, dass die Ameisen sechs verschiedene Arten von Kaffeegewächsen in Baumrinde pflanzt. Verblüffend war auch, dass die Ameisenart und die sechs Pflanzenarten genau gleich alt sind - und zwar drei Millionen Jahre. "Das ist wirklich irre. Diese eine Ameisenart hat sechs Pflanzenarten gezüchtet", sagt Renner.

Noch mehr verborgene Talente?

Das Verhalten der Ameisen auf Fidschi sei nach Angaben der Forscher - wenn überhaupt - nur bei anderen sozialen Insekten, wie etwa Bienen oder Termiten, denkbar. Denn dafür braucht es Zusammenarbeit. Die Pflanzen können sich inzwischen nur noch mithilfe der Ameisen ausbreiten.

Ludwig-Maximilians-Universität München - Forschung Susanne Renner - Ameisen (Ludwig-Maximilians-Universität München/Susanne Renner)

Langsam sprießt der Samen - später liefern die Blüten den Zucker

Dass Ameisen in Symbiose mit anderen Tieren und Pflanzen leben ist nicht neu. Beobachtungen zufolge leben einige Ameisen in bestimmten Pflanzen, die sie vor ihren natürlichen Feinden schützen. Blattschneiderameisen in Südamerika etwa bauen in ihren Nestern Pilze an und Schmetterlingsraupen geben häufig ein süßes Sekret ab, um Ameisen zu füttern, die sie dafür beschützen. Auch hierzulande gibt es "Viehzüchter" unter den Ameisen. Sie pflegen Blattläuse, verteidigen sie gegen Marienkäfer und melken sie. Was also neu bei den Ameisen auf Fidschi ist? Diese Ameisen bauen aktiv Pflanzen an. 

So hat sich die stundenlange Hängepartie in den Baumkronen jedenfalls für die LMU-Forscher gelohnt. Eigentlich ging es im Forschungsvorhaben um die Evolution der Interaktion zwischen Ameisen und Pflanzen. "Dass die Zusammenarbeit aber derartig spezifisch ist, war eine Zufallsentdeckung", so Renner.

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