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Kultur

Ambitionierte Ziele

Wenn es etwas gibt, das das 120-Millionen-Vielvölkerland Nigeria zusammenhält, dann ist es der Fußball. Genau da setzt das Search and Groom-Projekt in der Stadt Lagos an.

Das Coca-Cola-Cup-Finale der besten Lokalteams wird von Millionen an den Fernsehschirmen und am Radio verfolgt. Als das neue, 60.000 Zuschauer fassende Nationalstadion in Abuja im Jahr 2003 mit einem Gastspiel der brasilianischen Nationalmannschaft eingeweiht wurde, kam es zu chaotischen Szenen, weil Zehntausende ohne Tickets Einlass verlangten. Und natürlich hat das ganze Land das Spiel der nigerianischen Damenelf gegen Deutschland bei den Olympischen Spielen in Athen verfolgt.

zaubern

Ballzauberer - die Jungs zeigen, was sie drauf haben

Dementsprechend kann Fußball mit Recht als einigende Kraft beschrieben werden in einem Land, in dem sich die Menschen noch immer stark über die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Volksgruppe - Yoruba, Hausa, Igbo - oder einer der beiden großen Religionen - Islam und Christentum - definieren. Jugendarbeitslosigkeit ist ein großes Problem in Nigeria: Jedes Jahr verlassen 120.000 Absolventen die Universitäten, weniger als 10 Prozent von ihnen haben Aussicht auf einen festen Job.

Schwerpunkt Sozialarbeit

Staatlich geförderte Freizeitaktivitäten sind in Nigeria weitgehend unbekannt. Die (wenigen) Kinos werden zunehmend von radikalen Kirchen aufgekauft und sind zudem teuer. Hohe Kriminalität und Bandentum in den großen Städten sind die Folge. Bleibt der Sport.

Hier setzt das Projekt Search and Groom an, das im Februar 2003 aus der Taufe gehoben wurde. Über den Umweg Fußball sollen Jugendliche aus ärmlichen Verhältnissen und aus Problemgruppen von der Straße geholt und in "sinnvolle" Projekte eingebunden werden. Für Kinder, deren Eltern sich das Schulgeld nicht leisten können, sollen private Paten gewonnen werden. Ein "Nebenprojekt" ist die Nachwuchsförderung im Bereich Fußball. Jeden Sonntag finden im Viertel Ajegunle Turniere, unter der Woche in unregelmäßigen Abständen Trainingseinheiten statt. Der Schwerpunkt liegt aber eindeutig auf Sozialarbeit.

Fußballer als "role models"

versoehnung

Fans am "Spielfeldrand"

Die Pläne von Yomi Kuku und seinem Team sind ambitioniert: So sollen den Kindern Computerkurse, Aids-Aufklärung und andere so genannte "extra-curricular activities", also außerschulische Aktivitäten, angeboten werden, darunter eine Bibliothek. Die staatlichen Bibliotheken sind in einem schlimmen Zustand. Ein Magazin soll regelmäßig über die eigene Arbeit berichten. Straßenkinder und Jugendliche mit Drogenproblemen sollen in das Projekt integriert werden. Vor allem aber sollen bekannte nigerianische Fußballer, Musiker und andere Idole als "role models" gewonnen werden.

Die Wirklichkeit sieht, 18 Monate nach Beginn des Projektes, noch bescheiden aus: Search and Groom verfügt nur über ein improvisiertes Büro, die Aktivitäten bis dato wurden weitgehend aus eigener Tasche finanziert. Die angestrebte Zusammenarbeit mit Firmen als Sponsorpartner hat sich noch nicht realisieren lassen. Als nächster Schritt soll die Kontaktaufnahme mit den in Deutschland bzw. Europa spielenden Fußballern angestoßen werden - der DW-Reporter hat seine Hilfe dabei angeboten.