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Umweltschutz

Amazonas-Schutzgebiet in Brasilien bleibt vorerst bestehen

Ein Areal so groß wie ganz Niedersachsen - und der Hunger nach Profit. Das sind zwei Zutaten für einen Ringkampf am Amazonas in Brasilien, der jetzt in die nächste Runde geht.

Satellitaufnahme vom brasilianischen Amazonas Dschungel

Der weltgrößte Regenwald im Amazonas-Becken ist fast so groß wie Australien (Satellitenaufnahme)

Die beiden Kontrahenten: Brasiliens Regierung, im Bunde mit Unternehmen, die großen Appetit auf Bodenschätze haben - und als Gegner jene Umweltschützer, die ein unwiederbringliches Naturerbe retten wollen. Der Schauplatz des Konflikts: das Renca-Schutzgebiet im Nordosten des Landes. Es umfasst 46.000 Quadratkilometer Amazonas-Regenwald - eine Fläche, die so groß ist, dass man darauf fast das gesamte Bundesland Niedersachsen unterbringen könnte.

Im Schnitt alle zwei Tage wird im brasilianischen Urwald eine neue Tier- oder Pflanzenart entdeckt. Der ökologische Reichtum des Territoriums ist unermesslich. Doch auch die wirtschaftlichen Reichtümer sind groß: Gold, Eisenvorräte, Kupfer und andere Erze sollen hier unter der Erde liegen. Und genau jene Schätze könnten den Lebewesen, die das Areal bevölkern, zum Verhängnis werden - nicht nur Flora und Fauna, sondern auch indigenen Ethnien, die hier siedeln.

"Größter Angriff seit 50 Jahren"

Die Regierung hatte das Renca-Schutzgebiet im August per Dekret aufgelöst. Der oppositionelle Senator Randolfe Rodrigues brachte den Protest all jener, die sich gegen die Naturzerstörung stemmten, auf den Punkt: "Das ist der größte Angriff auf das Amazonas-Gebiet in 50 Jahren", sagte er damals.

Nur eine Woche später erlitt Staatspräsident Michel Temer, der die Ausbeutung unter dem Stichwort "Wirtschaftswachstum" mit seiner Unterschrift gestatten wollte, eine Niederlage vor Gericht. Da Umweltschutzareale betroffen seien, müsse der Kongress der Rohstoffförderung zustimmen, urteilte ein Gericht in der Hauptstadt Brasilia.

Jetzt zieht Temer sein Dekret komplett zurück. Greenpeace spricht von einem "Sieg der Gesellschaft gegen diejenigen, die den Wald zerstören und verkaufen wollen". Die Umweltschutzorganisation warnt allerdings, es sei nur ein Etappensieg. "Der Krieg gegen die Amazonas-Region und ihre Bewohner, den die Regierung Temer und die Agrarier-Fraktion im Parlament vorantreiben, geht weiter", sagte der Sprecher der brasilianischen Greenpeace-Sektion, Marcio Astrini.

Proteste weichspülen?

Offenbar spekuliert die Regierung darauf, die Woge der Empörung verebben zu lassen und das Thema dann erneut auf den Tisch zu bringen. Das Energieministerium macht erst gar keinen Hehl daraus: "Zu einem späteren Zeitpunkt" werde die Debatte wieder aufgegriffen, heißt es in einer Erklärung. Die Gründe, die ursprünglich zur Aufhebung des Schutzstatus geführt hätten, seien nicht überholt. "Das Land muss wachsen, Arbeitsplätze schaffen und Investoren gerade im Bergbau anlocken."

Brasilien Juruena-Nationalpark im Amazonasgebiet (picture-alliance/dpa/I. Risco-Rodriguez)

Abgeholzte Flächen im brasilianischen Regenwald (Archivbild)

Das Renca-Gebiet in den Bundesstaaten Amapá und Pará war 1984 von der damaligen Militärregierung unter Schutz gestellt worden. Auch das geschah aus wirtschaftlichem Interesse, um den Abbau von Rohstoffen durch ausländische Konzerne zu blockieren. In der Folgezeit wurden auf dem Territorium nördlich des Amazonas sieben Naturreservate und zwei Schutzgebiete für indigene Völker eingerichtet.

Insgesamt ist der Amazonas-Regenwald rund sechs Millionen Quadratkilometer groß. Rund ein Fünftel der ursprünglichen Fläche wurde bereits abgeholzt, vor allem südlich des Flusses. Der Kampf um die Gebiete im Norden des Stroms wird weitergehen. Und das Renca-Gebiet könnte jener Dominostein sein, der dem weiteren Raubbau die Richtung weist.

jj/sam (epd, kna)