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Sport

Amateurradrennen auf den Mont Ventoux

Der Mont Ventoux: geliebt für die Dramen, die sich auf ihm abspielen, gehasst von denen, die Teil des Dramas sind. Für 8.500 Hobbyradsportler wurde der Berg wenige Tage vor der Ankunft der Profis zum echten Härtetest.

Am Gipfel des Mont Ventoux in der Provence

Der Mont Ventoux in der Provence

Fernsicht in die Provence

Fernsicht in die Provence

Die aufgehende Sonne versteckt sich noch hinter den Hügeln der nördlichen Provence, doch in Montélimar herrscht schon Ausnahmezustand. Die Straßen sind voller Radfahrer, die Gendarmerie wird dem Chaos kaum Herr. Was dort in die Stadt an der Rhône eingefallen ist, heißt "L'Étape du Tour" und ist eine der größten Radsportveranstaltungen Europas. 8.500 couragierte Rad-Amateure stehen in den Startlöchern. Sie wollen wissen, wie sich eine Bergetappe der Tour de France anfühlt.

Einer von ihnen ist der Essener Christoph Moll, der ahnt was auf ihn zukommt: "Ich erwarte eine knallharte Tour. Ich möchte vor allem heil ins Ziel kommen. Es sind etliche Berge zu fahren und der Ventoux am Schluss ist sicherlich der absolute Scharfrichter." Davor liegen für Christoph und die anderen Starter 150 kräftezehrende Kilometer. Nach dem Startschuss windet sich das Peloton wie ein bunter, langer Wurm über die Landstraße. Daneben schimmern die Lavendelfelder der Provence in der Morgensonne. Doch für einen Blick zur Seite hat Christoph jetzt kaum Gelegenheit, denn sein Begleiter schlägt ein flottes Tempo an: Erik Zabel, sechsfacher Gewinner des Grünen Trikots, fährt das Rennen mit Christoph, der seinen hochkarätigen "Edelhelfer" dem Gewinnspiel eines Fahrradherstellers verdankt. "Ein Traum ist in Erfüllung gegangen. Vor allem dann auch noch mit dem Erik hier hochzufahren, das ist eigentlich mehr als man sich eigentlich wünschen kann!"

Immer am Hinterrad von Erik Zabel

Radfahrer am Mont Ventoux

Zabel vor Moll

Im Moment würde sich Christoph allerdings eher wünschen, dass sein "Domestike" etwas langsamer fährt. Am Col d'Ey tritt Erik Zabel leichtfüßig, während Christophs Tritt immer langsamer wird. Der Schweiß tropft ihm von der Stirn. Sein Trikot ist klatschnass. "Es ist hart, sehr hart hier hoch zu fahren. Hier geht es ständig bergauf, bergab und es ist tierisch heiß, aber es macht Spaß." Das Hinterrad von Erik Zabel hält er tapfer, auch weil der Champion im Ruhestand jetzt etwas Tempo raus nimmt.

Für einen Ruheständler ist der ehemalige Weltklasse-Sprinter allerdings noch ziemlich drahtig. Doch auch Christoph ist gut in Form, hat vor wenigen Tagen erst einen Ironman in gut zehn Stunden bewältig. Am Fuße des Ventoux hat Christoph zumindest für eine kleine Verbalattacke noch genügend Luft: "Ich hab von zuhause eine SMS bekommen: 'Im Sprint kannst du den nicht schlagen, du musst vorher attackieren.' Und das werd ich tun!"

Manche liegen ausgepumpt im Straßengraben

Das Ziel im Blick

Das Ziel im Blick

Angreifen kann Christoph jetzt natürlich nicht mehr. Zu steil windet sich das Asphaltband den Berg hinauf. Der Berg, an dem 1967 der Brite Tom Simpson während der Tour de France aufgeputscht mit Amphetaminen tot vom Rad fiel, fordert auch heute seine Opfer. Viele fahren Schlangelinien, einige schieben, manche liegen ausgepumpt im Straßengraben. Einige Meter weiter übergibt sich jemand. Viele Teilnehmer stoßen hier an ihre Grenzen. Christoph schafft es nach knapp sieben Stunden ins Ziel und fällt erschöpft vom Rad. "Knallhart war es! Ich lieg jetzt hier in der Sonne und genieß es einfach im Ziel zu sein. Es war irre, es war viel, viel härter, als ich es mir vorgestellt hatte." Neben ihm sitzt Zabel, dem nun auch ein paar Schweißperlen auf der Stirn stehen. Beruhigend, dass auch Profis solche Berge wie den Mont Ventoux nicht mühelos hochfliegen können. "Ich fand es auch viel schwerer als erwartet. Die fünf im Profil eingezeichneten Hügel waren in Wirklichkeit viel schwerer. Und der Mont Ventoux mit 22 Kilometer Steigung war sowohl für Christoph als auch für mich eine Quälerei."

Autor: Joscha Weber

Redaktion: Arnulf Boettcher

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