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Am Mann

Am Mann: Sami Khedira

SAMI Khedira, seit 1995 im Mittelfeld von Stuttgart. Pro Spiel reißt der 22jährige 14 km Laufstrecke runter… nicht die einzige Qualität mit denen das schwäbische Talent seine Mannschaft im Meisterschafts-Rennen hält.

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Habe ich gerade den Meister 2009 vor mir sitzen?

Sami Khedira

Ich hätte nichts dagegen, aber die Mannschaften die gerade ganz vorne stehen - Wolfsburg, Bayern - sind die Topfavoriten – aber wie gesagt, es gibt immer wieder Überraschungen und gegen Überraschungen dieses Jahr hätte ich auch nichts dagegen.

Überraschung…?! Da war doch was – letzter Spieltag 2007, Khedira erhöht gegen Cottbus auf 2:1 – die Schwaben holen vollkommen unerwartet die Schale und der Torschütze wird in seinem ersten Profijahr Deutscher Meister.

Es war ein erster schöner Erfolg. Es war mein erster Titel, aber es hat mich heiß gemacht auf mehr. Ich will noch mehr Titel. Ich will nochmal deutscher Meister werden oder auch andere Titel, am besten international bzw. es gibt den DFB Pokal oder mit der Nationalmannschaft gibt es viele Titel zu erreichen.

Vielleicht ja aktuell den Meistertitel. Nach verkorkster Vorrunde rollt der VfB das Feld von hinten auf – mit neuem Trainer und neuer Motivation.

Alles ist noch drin.

Du bist Sohn einer deutschen Mama und einem tunesischen Papa und bist in der schwäbischen Hauptstadt Stuttgart groß geworden. Wenn man dir jetzt zwei Teller vorsetzen würde – Couscous und Spätzle – für was würdest du dich entscheiden?

Wenn ich in Stuttgart bin für Spätzle und in Tunesien für Couscous, nee, ich mag beides sehr gern. Ich bin auch froh darüber dass ich beide Kulturen kennengelernt habe, dass ich von beiden etwas mitnehmen kann. Die deutsche Gründlichkeit, Disziplin, aber dann auch das Heißblütige, dieses Arabische, dieses Südländische. Ich denke dass hat mir auch auf meinem Weg bis dahin sehr geholfen.

Würdest du zu Hause sehr deutsch oder sehr tunesisch großgezogen?

Nee, ich denke mal zu sagen tunesisch, deutsch - was ist tunesisch, was ist deutsch. Ich denke mal ich wurde so erzogen, dass ich respektvoll mit meinen Mitmenschen umgehe, dass ich hart für den Erfolg arbeiten muss, dass ich einfach alles was ich anpacke zu 100 Prozent mache. So hat mich meine Mutter aber auch mein Vater erzogen.

Du wolltest schon immer Fußballer werden, hast aber trotzdem eine Ausbildung gemacht zum Industriekaufman.

Das ist zum Teil richtig, ich habe sie angefangen, allerdings musste ich sie nach 1 ½ Jahren, d.h. zur Hälfte musste ich sie leider abbrechen, aber dort habe ich das erste Mal das Leben kennengelernt. Schule ist alles schön und gut, aber die Berufswelt ist ein anderes Kaliber. Man muss morgens um 6 aufstehen und bis 16-17 Uhr arbeiten, dass war für mich was ganz Neues, grad als 17, 18-jähriger.

Das ging bis zu einem gewissen Punkt und da hat mich der damalige Amateurtrainer Rainer Adrion frühzeitig von den A Junioren zu den Amateuren geholt und habe mit allen Parteien gesprochen und alle waren sich auch einig, dass ich die Karte Fußball setzten muss und zum Glück hat das alles auch geklappt.

Rainer Adrion hat etwas über dich gesagt, was mich sehr beeindruckt hat: wenn ein Trainer einen Mittelfeldspieler malen könnte, käme ein Bild von Sami Khedira raus.

Erstmal: das höre ich gerade zum ersten Mal. Das freut mich wenn ein Fachmann wie Rainer Adrion, der was jetzt auch der DFB erkannt hat zum U 21 Trainer benannt wurde, freut mich natürlich sehr.

Sami ein moderner 6er – zweikampfstark in der Defensive, aber mit Drang nach vorne – dynamisch, mit feiner Balltechnik. Sieben Mal hat er in dieser Saison für den Club getroffen und ist damit zweitbester Schütze beim VfB.

Klar bin ich ein defensiver Mittelfeldspieler, was sich erstmal defensiv anhört, aber mich hat schon immer fasziniert Tore zu schießen, deswegen beneide ich auch immer wieder den Mario, weil er immer wieder so viele Tore schießt. Nein Spaß. Mir macht es aber auch einfach Spaß selber Tore zu schießen bzw. vorzubereiten.

Das Ganze hast du beim VfB Stuttgart gelernt – du bist hier groß geworden, hast einen Vertrag der bis 2011 läuft. Was ich erstaunlich finde, ist dass du dir die Zeit nimmst um dich bei deinem Verein weiterzuentwickeln.

Das muss jedes Talent bzw. jeder Spieler für sich entscheiden. Es kommt auch immer darauf an bei welchem Verein man spielt, ob man dementsprechend auch gefördert wird. Klar wenn man ständig nur gegen den Abstieg spielt, ist es schwierig als junger Spieler sich weiter zu entwickeln, weil der Trainer keine Rücksicht auf Einzelspieler nehmen kann. Aber ich spiele bei einem Verein der über Jahre hinweg zu den Top fünf in Deutschland gehört und deswegen habe ich auch keinen Grund gesehen zu gehen. Mein Ziel war es immer beim VfB Stuttgart Profi zu werden, dass erste Ziel habe ich erreicht. Mein zweites Ziel war Stammspieler zu werden, da bin auch auf einem sehr guten Weg und mein drittes Ziel ist hier absoluter Führungsspieler zu werden. Ich sag mal meine Mission, wenn man es so nennen will, ist hier noch lange nicht beendet.

Sami ich habe ein Werbeplakat von dir gesehen, darin bist du in einem Kaffee zu sehen und du liest ein Buch – Marcel Proust, auf der Suche nach der verlorenen Zeit. War das Zufall oder hast du das Buch ganz bewusst ausgewählt?

Ich habe es daheim aus meinem Buchschrank mitgenommen. Nein, Spaß. Das ist ein fünfziger Jahre Kaffee gewesen in der Innenstadt von Stuttgart und wir haben verschiedene Motive ausprobiert, wie ich am besten rüberkommen und ein bisschen Literatur und Sport, das hat gepasst und die Bücher dort in diesem Kaffee waren ja schon fast verstaubt, deswegen habe ich gedacht, ja komm, das ist auch nicht schlecht wenn die bisschen aufpoliert werden und ja so hat es sich ergeben.

Und der Titel – ‚Auf der Suche nach der verlorenen Zeit‘ – hat das irgendwas mit deinem Leben zu tun?

Bis dato würde ich sagen, bin ich recht zufrieden mit meinem Leben. Ich habe fast alles dem Sport geopfert, also dem Fußball, aber das wollte ich auch so, deswegen habe ich bis dato keine Sekunde verloren, sondern habe jede Sekunde die ich gelebt auch genossen, die ich hart gearbeitet habe. Es zahlt sich auch langsam aus, deswegen bin ich recht zufrieden wie ich bislang lebe.

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