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Am Mann

Am Mann: Rudi Völler

Rudi Völler schoss in den achtziger Jahren für Werder Bremen die Tore. Heute ist er Sportdirektor beim Finalgegner Bayer Leverkusen. Ob Bremen oder Leverkusen, für deutsche Fußballfans ist und bleibt er einfach "Rudi".

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DW-TV:
Gibt's es eigentlich irgendeinen Menschen auf diesem Planeten, der Sie bei Ihrem richtigen Namen, bei Ihrem Vornamen "Rudolf" nennt?

Rudi Völler:
Meine Mutter. Meine Mutter legt auch großen Wert drauf, aber klar, wer sagt denn… wer nennt denn heute überhaupt seinen Sohn noch Rudolf? Aber war so damals.

Ja heute nennen Sie die Kinder "Rudi" die werden nämlich nach Ihnen benannt.

Hm, ja gut. Eher der Hund vielleicht, oder der Kanarienvogel!

Sie waren in jedem großen Spiel dabei. WM-Finale, EM-Finale, Champions League, UEFA-Cup, nur in einem nicht: im DFB-Pokalendspiel von Berlin. Das fehlt in Ihrer Sammlung…

Das fehlt, ist richtig. Ich war mit Werder Bremen, glaube ich, zweimal im Halbfinale und habe es nie geschafft. Deshalb freue ich mich persönlich, aber ich freue mich auch natürlich für unseren Verein und für die Mannschaft, dass wir bei diesem Highlight dabei sind.

… Die letzten zehn Jahre ist dieses Finale in Berlin zu einem Highlight geworden in Deutschland. Also das ist wirklich mittlerweile wie in England, wenn im Wembley-Stadion das Endspiel ist um den FA-Cup. Also das ist schon ein toller Erfolg, den wir uns auch im Pokalwettbewerb verdient haben.

Das Finale im Berliner Olympiastadion: seit 24 Jahren die Manege für den Höhepunkt im deutschen Vereinsfußball.

Ein Fest für die Spieler und über 70 Tausend Zuschauer.

Jetzt spielen Sie als Verantwortlicher von Bayer Leverkusen ausgerechnet gegen Werder Bremen, den Verein, bei dem Sie in den 80ern zu einem Topstürmer herangereift sind. Ein bisschen gespalten?

Nein, auf keinen Fall. Es hat das eine mit dem andern nichts zu tun. Ich habe da sicherlich eine tolle Zeit gehabt in den 80ern, war da fünf Jahre. Ich wünsche den Bremern nächste Saison auch alles Gute, aber klar, das zählt ja am Samstag gar nicht. Da wollen wir natürlich gewinnen.

Leverkusen und Bremen - beide verdient im Finale?

Also wir auf jeden Fall, wir haben ja nie ein echtes Heimspiel gehabt, immer auf neutralem Platz gespielt.

Und dann gegen die mit Abstand beste deutsche Mannschaft im Viertelfinale - auf neutralem Platz in Düsseldorf - gewonnen.

… gegen die beste Mannschaft Deutschlands und das ist eigentlich Bayern München. Die haben den besten Kader. Die haben wir rausgehauen, relativ überzeugend und deshalb stehen wir auch verdient im Finale,

Bei Werder Bremen, glaube ich auch, ich glaube die hatten das Halbfinale in Hamburg, haben sie gewonnen…

…im Elfmeterschießen.

...im Elfmeterschießen, aber gut, das ist ja dann letztendlich egal. Also auch die verdient im Endspiel, klar.

Und so sah er aus Leverkusens Weg ins Finale:

Runde Eins beim Zweitligisten Oberhausen – weiter nach Verlängerung.

Zweite Runde, zweiter Sieg, diesmal ungefährdet, in Augsburg.

Das Achtelfinale: leichtfüßig gegen überforderte Cottbusser.

Im Viertelfinale vernascht Leverkusen die Startruppe Bayern mit 4 zu 2...

… und da waren's nur noch vier – in der Verlängerung gegen Mainz krönt Leverkusen schließlich alle Mühen und mit dem Einzug ins Finale.

Was wäre die Bayer-Saison bloß ohne diesen Pokal?

Die Bundesligasaison von Bayer Leverkusen ist sicher enttäuschend verlaufen…

Ja!

…genau die von Werder Bremen genauso. Sehen Sie Parallelen?

Beide sind sicherlich in der Bundesliga unter ihren Möglichkeiten geblieben. Ganz klar, Werder Bremen ist sicherlich eine Mannschaft, die Champions League-Ambitionen hat. Auf jeden Fall, das war sicherlich das Ziel von Werder Bremen. Unser Ziel war UEFA-Cup Platz, also Platz fünf zu erreichen. Haben wir beide nicht erreicht, also deshalb – ja muss man sagen, es gibt Parallelen.

Könnte man trotzdem noch sagen, wenn Ihre Mannschaft das Finale gewinnt und den Pott holt, war es eine erfolgreiche Saison?

Ja, erfolgreich kann Sie nur werden wenn wir gewinnen am Samstag. Wenn wir nicht gewinnen sollten, wie auch immer das Spiel dann läuft, dann war es für mich keine erfolgreiche Saison. Das kann man dann nicht mehr schönreden.

Schließlich gab es seit 16 Jahren keinen Titel mehr für Bayer… - `93 war es der DFB Pokal.

Und gegen Bremen hat Leverkusen im Pokalwettbewerb sogar überhaupt noch nie gewonnen!

Auf der einen Seite ist mit Thomas Schaaf auf der Werderbank ein ganz, ganz erfahrener Mann. Und Bruno Labbadia absolviert gerade sein erstes Jahr in der ersten Liga...

Ich kann eigentlich so antworten: ich glaube der Thomas Schaaf ist in seinem ersten Jahr bei Werder Bremen dort Pokalsieger gewonnen. Das sagt ja im Grunde alles aus.

Was für Typen sind die beiden?

Schwer zu sagen. Thomas Schaaf ist sicherlich der besonnene, ruhige Trainer, der sich auch bei Misserfolg nicht aus der Ruhe bringen lässt. Der Thomas macht das ganz toll in Bremen, tolle Karriere gemacht als Trainer. Und der Bruno steht vor einer großen Trainerkarriere. Hat es vor allen Dingen in der Vorrunde gezeigt, zu was er mit unserer Mannschaft fähig ist, wir waren zweimal Tabellenführer, und haben tollen, attraktiven Fußball gezeigt, leider sind wir in der Bundesliga total abgerutscht.

Seit Jahren häufig das gleiche Bild: egal wie stark Bayer auftritt, egal wie gut die Ausgangslage: Leverkusen scheiterte. Böse Menschen nennen Bayer deshalb "Vizekusen".

In den letzten Jahren haben meistens diese großen Spiele, die Leverkusen hatte, Meisterschaft, Champions League, Pokalfinale, auch immer eine große Enttäuschung dann am Ende mit gebracht.

Also ich bin in solchen Dingen totaler Realist. Für mich zählt nur der Ist-Zustand und ich weiß bei so einem Pokalendspiel auch gegen Werder Bremen vor allen Dingen, da zählt die Tagesform. Wer die bessere Tagesform hat, den besseren Start, wer kann mit dem Druck am besten umgehen, der wird am Ende gewinnen. Das ist ein sogenanntes Fifty-Fifty-Spiel, beide Mannschaften haben die gleichen Chancen. Das hat das eine mit dem anderen nicht zu tun.

Was erwarten Sie denn für ein Spiel? Erwarten Sie, dass beide Mannschaften offensiv loslegen oder ist man da eher vorsichtig und guckt erst mal keins zu kassieren.

Normalerweise sind das ja zwei Mannschafte, die nach vorne spielen. Werder Bremen sowieso, wir eigentlich auch. Wir versuchen immer unser Heil nach vorne. Normalerweise kann man ein hochattraktives Spiel erwarten. Muss man sehen, wie die ersten Minuten laufen. Ich kann mir nicht vorstellen, mit dem Material, das beide Trainer zur Verfügung haben, dass da eine Mannschaft versucht, nur zu verteidigen. Also ich freu' mich auf's Spiel.

Pokalfinale 2009 - wie geht es aus?

2:1 für Bayer Leverkusen.

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