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Am Mann

Am Mann: Neven Subotic

Neven Subotic ist ein echter Kosmopolit. Aufgewachsen in Bosnien, Florida um dem Schwarzwald spielt er jetzt für Borussia Dortmund in der Bundesliga.

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… sondern auch Neven Subotic, der junge Innenverteidiger von Borussia Dortmund. Der 20-jährige ist einer der besten der Liga. Geboren wurde er in Bosnien, aufgewachsen ist er im Schwarzwald und dann in Florida. In seiner ersten Ligasaison überrascht er alle, denn hinten hält er dicht und vorne schießt er Tore…

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Wenn man als Verteidiger ein Tor schießt, macht das eigentlich besonders viel Spaß?

Neven Subotic

Ja! Das Ding als Verteidiger ist ja, man ist ganz selten vorne und kriegt überhaupt eine Chance oder einen Torschuss im Spiel und wenn dann einer reingeht ist es zehnmal schöner als wenn ein Stürmer das macht.

Warum wird man überhaupt Verteidiger? Warum hast du dich dafür entschieden?

Hab ich nicht. Nee, beim Fußball als Kind hat jeder jede Position fast gespielt, ich auch, ich war Stürmer, ich war sogar Torwart einmal. Und dann, als es ernst wurde haben mich die Trainer immer dazu befördert in der Verteidigung zu spielen, wegen meiner Körpergröße und weil es mir so einfacher gefallen ist, Kopfbälle zu gewinnen.

Du hast ja auch schon 5 Tore gemacht, genauso viele wie Alexander Frei, euer Stürmer. Sag mal, wie kann das eigentlich sein?

Ja, das ist Glück. Ich bin jetzt nicht der kopfballstärkste Stürmer der Liga, auf keinen Fall, es gibt viele, die größer sind und höher springen… Bisher lag es einfach an der Vorbereitung und dann hatte ich Glück, dass der Ball auf meinen Kopf fällt…

Du hast ja mal gesagt, ein Kopfball ist auch Willenssache. Was hast du damit gemeint?

Es gibt viele Spieler, die hoch springen und nicht wirklich den Ball wollen, genauso wie auf dem Platz, wenn einer den Ball nicht wirklich will. Das liegt daran, dass man Angst hat: ja, wenn er kommt, dann muss ich ihn machen. Und dann macht er ihn nicht, dann hat er halt nicht die Qualität dazu. Und bei mir ist das so, ich schmeiß mich da rein. Wenn ich daneben köpfe, hab ich daneben geköpft, aber wenigstens habe ich geköpft.

Was ist denn eigentlich für dich ein moderner Verteidiger?

Ja… dazu muss man erst mal sagen, was die alten, nicht mehr modernen Verteidiger sind. Die waren Manndecker. Die hatten einen Mann im Visier, hinter dem sind sie die ganze Zeit hinterher gelaufen und haben nur dafür gesorgt, dass er keinen Ball kriegt. Mittlerweile ist es so, dass das Spiel ein bisschen mehr komplex ist und das fordert auch, dass man ein bisschen mehr nachdenkt.

Man ist nicht immer am Mann, man muss auch mal den Platz zustellen, man muss mal absichern… ein paar andere Sachen als vor 10, 15, 20 Jahren. Was sich, glaube ich, am meisten geändert hat, dass die Innenverteidiger jetzt auch mitspielen, die sind am Spiel beteiligt, die schicken schon mal lange Bälle und leiten schon mal das Spiel ein.

Nevens Marktwert beträgt mittlerweile schon 6,5 Millionen Euro. Er ist ein Naturtalent: Neven lernt schnell und hat sich sofort im Ligaalltag zurecht gefunden. Sein früherer und auch jetziger Coach verpflichtete ihn damals für Mainz nach 3 Minuten Probetraining…

Du bist nach Deutschland gekommen und warst bei Jürgen Klopp in Mainz.
Ist er vielleicht mittlerweile für dich schon mehr als nur der Trainer
…ist er vielleicht…Vater würdest du wahrscheinlich nicht sagen…

Nein…Ich lese auch in den Zeitungen ich sei sein Ziehsohn, aber es ist jetzt nicht so, dass er sagt: ‚Neven, pass auch mit den Frauen!‘ oder mach dies, mach das…

Das sagt er nicht?

Nein, ich glaube, wir sind schon alle alt genug, um zu wissen, was wir machen.

Du bist ja praktisch deinem Trainer von Mainz nach Dortmund gefolgt. Das hätte aber auch anders ausgehen können. Du wärst auch fast nach Hoffenheim gegangen.

Ja, ich war im Gespräch mit Hoffenheim und es war fast schon klar, kurz davor, und genau in dem Moment hat mich Klopp angerufen und hat mich gefragt, ob ich auch nach Dortmund kommen würde. Und Boah! für mich ist Dortmund, es ist immer noch, ich denke immer noch daran, als ob es 97 ist und die gerade die Champions League gewonnen haben. Und da habe ich gesagt: Ja, ich will unbedingt zu euch wechseln und hab das dann auch klar und offiziell gemacht. Hoffenheim, klar, war nicht froh darüber, kann man auch verstehen.
Bisher denke ich, ich habe die richtige Entscheidung getroffen.

Geboren ist Neven 1988 im heutigen Bosnien-Herzegowina.
Als er anderthalb ist, flieht seine Familie vor dem Krieg nach Deutschland

Und zwar nach Schömberg im Schwarzwald. Als Neven 10 ist, will Deutschland die Flüchtlinge nach Bosnien zurückschicken

Doch die Familie flieht wieder – diesmal in die USA, nach Florida. Neven verbringt dort 5 Jahre und wird in einem Park entdeckt…

Ich war da und hab einfach gekickt und dann habe ich eine Mannschaft gesehen und hab den Trainer gefragt, ob ich mit trainieren darf. Und er meinte, diese Jungs sind zwei Jahre älter als du. Ich hab gesagt, ich kenne die, ich hab vor zwei Jahren schon mit denen gespielt, da waren sie auch zwei Jahre älter, aber ich hab mit denen in einer Mannschaft gespielt. Dann hat er gesagt, ach so, dann bist du wahrscheinlich nicht schlecht.

Sein Hauptberuf war ‚Assistent-trainer‘ der U17 Nationalmannschaft. Und das war gerade mein Jahrgang, also 88er, also hat das irgendwie gepasst. Dann hat er mich auf ein Probetraining eingeladen. Und dann war ich anderthalb Jahre bei der Nationalmannschaft. Das war ein Schritt nach vorne, dass man dann auch taktisch Fußball spielen gelernt hat.

Meinst du, dass in deinem, Leben Schicksal oder glückliche Fügung ne große Rolle spielen?

Hmm, ja. Also es ist schon klar, das, wenn ich an dem Tag nicht im Park gewesen wäre…vielleicht wäre es später etwas geworden, vielleicht gar nicht, vielleicht wäre ich noch in Amerika und würde bei McDonalds arbeiten. Das weiß man wirklich nicht. Also, das war schon Schicksal, aber ich glaube fest daran, dass es jemand oben gesehen hat und wenn man wirklich für etwas arbeitet und auch gut ist zu Leuten…dass man alles was man Gutes tut zurückgezahlt bekommt.

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