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Am Mann

Am Mann: Mike Büskens

Mike Büskens hat eine lange Karriere bei Schalke hinter sich. Auch als Trainer war er schon zweimal im Amt. Seine persönliche Geschichte gibt ihm die Gelassenheit, die er für die beruflichen Herausforderungen benötigt.

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Schon zweimal hat Mike Büskens das Amt des Interimstrainers bei Schalke 04 übernommen.

Mike Büskens – er war Spieler bei Schalke, Amateur-und Co-Trainer. Aktuell ist er noch mit diesen beiden Herren als Interimstrainer tätig – das war er übrigens auch schon im letzten Jahr. Vor neun Wochen übernahm er das Amt, jetzt räumt er wieder das Feld... ein wahrer Experte für das Kommen und Gehen auf der Trainerbank.

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Sie verlassen den Platz als Cheftrainer ohne je darum gekämpft zu haben… ich hatte nicht den Eindruck, dass Ihr persönliches Glück davon abhing hier Cheftrainer zu werden – täusche ich mich?

Mike Büskens

Das sehen sie vollkommen richtig. Weil Glück definiert sich bei mir nicht dadurch welchen beruflichen Posten ich einnehme, auf welcher Sprosse ich mich auf der Karriereleiter befinde. Ich habe immer gesagt: ich arbeite gerne auf Schalke. Ich liebe diesen Club, ich bin seit 17 Jahren hier tätig. Ich liebe diesen Sport und ich gehe stark davon aus, dass ich auch in den nächsten Jahren in diesem Sport tätig sein werde.

Wenn auf Schalke dann aber eben nur in zweiter Reihe – denn der Club suchte nach der großen Lösung und fand … den aktuellen Mustertrainer: Magath.

Wenn man nicht nur den VfL Wolfsburg verfolgt, sondern auch Magaths letzte Stationen mit Stuttgart und Bayern, dann muss man sagen, ist er mit Abstand der erfolgreichste Trainer den wir in Deutschland haben momentan. Seine Arbeitsweise spricht ganz klar für sich und den Erfolg.

Es scheint: Die Liga setzt wieder auf die erfahrene Trainer – Magath, Berger, Heynckes, van Gaal – und trennt sich von den Jungs – keine Experimente, die Ergebnisse müssen stimmen...sofort!

Ja, weil der Druck von außen zu groß wird. Wo hat man denn noch die Zeit um Projekte überhaupt noch zu entwickeln? Was die Wirtschaftlichkeit betrifft hat sich in der Bundesliga auch einiges getan. D. h. man ist sehr abhängig von Sponsorengeldern von internationalen Teilnahmen. Aufgrund dieser Gründe steigt der stetige Druck und es gibt wenige Vorstände die in kritischen Situationen die Ruhe bewahren.

D. h. Herr Büskens im Fußball gibt es keine Geduld?

Immer weniger. Ich will nicht sagen, dass es gar keine mehr gibt – weil ein gutes Beispiel ist Werder Bremen, die ja auch eine schwierige Saison hinter sich haben und in der Bundesliga weit hinter ihren Ansprüchen geblieben sind. Da ist es ruhig geblieben in stürmischen Zeiten. Ja, und die Berliner sind ein anderes perfektes Beispiel dafür. Da war es im letzten Jahr auch sehr unruhig. Klar, die Alte Dame, Hauptstadtclub, da hat man auch große Erwartungen. Wenn man da schon beginnt, hinter den eigenen Ansprüchen zurückzubleiben, dann ballen sich auf einmal Kräfte, die einen Druck erzeugen, dem man nur sehr schwer standhalten kann. Die Berliner konnten diesem Druck standhalten und man sieht daran, dass es sich lohnt.

Bei einer Trainerentlassung hört man oft: der öffentliche Druck wurde zu groß, wir mussten handeln - wie groß ist der Einfluss einer Fankurve.

Wie groß ist der Einfluss. Dass kommt immer darauf an, inwieweit sich die handelnden Personen beeinflussen lassen. Wenn ich das Beispiel Frankfurt sehe, wo Friedhelm Funkel seit Monaten von den eigenen Fans attackiert wird. Da sieht man was die Öffentlichkeit, für ein Druck erzeugen kann und das spricht für Heribert Bruchhagen, dass er sich diesem Druck stellt, entgegenstellt auch und versucht, gemeinsam mit Funkel, das zum positivem zu lösen.

Da war der Druck dann wohl doch zu groß – 48 Stunden nach unserem Interview mit Mike Büskens gab Eintracht Frankfurt die Trennung von Funkel bekannt.

Wie ist es mit der berühmten Ostkurve auf Schalke?

Ja, dass ist äußerst schwierig hier, weil die letzte Meisterschaft liegt über 50 Jahre zurück. Die ganze Anhängerschaft lechzt danach, endlich mal wieder die Schale hochhalten zu dürfen. Wir sind in den vergangenen Jahren zweimal sehr knapp gescheitert und mit jedem Scheitern steigt der Druck und wächst die Ungeduld.

Dieses ganze Theater um Schalke 04, um diese Saison und Trainerwechsel, man hat das Gefühl, dass Sie relativ gelassen damit umgehen, könnte es daran liegen, weil Sie ein Finale gewonnen haben, indem es weder um Tore noch um Punkte ging, sondern um ihr Leben?

Na klar spielt das eine Rolle. Weil ich zum Teil meine Leidenschaft zum Fußball beinahe mit dem Leben bezahlt hätte. Es hört sich blöd an aber es ist so, weil ich mir eine schwere Verletzung zugezogen habe und in der Folge wurde ich innerhalb von einem Jahr glaube ich sieben Mal oder acht Mal operiert. Ein Arzt, der jetzt guter Freund der Familie ist , sagte, okay Sie haben Glück, aber ich weiß nicht ob ich ihr Bein retten kann, dann denken sie schon, dass sie zwei Kinder haben, die damals 2 und 5 Jahre alt waren und nun wissen sie nicht, ob das Leben so weiter geht, wie es sich noch eine Woche zuvor dargestellt hatte. Innerhalb von kürzester Zeit passierte unglaublich viel: ein Multiorganschock, ein Koma über sieben Tage, sie werden wach, sind überall verkabelt und man hat meiner Frau gesagt, dass sie sich darauf einstellen muss alleinerziehend zu sein und dass ich eine Überlebenschance von 5 % hätte. Ja und wenn sie dass alles erlebt haben und dann erscheint sehr vieles was ich hier im Vorfeld gesagt habe in einem anderen Licht, dann geht es nicht darum…

Im 51. Jahr Meister zu werden oder im 52. Jahr...

Ja dann ist dass schön, dann möchte man dass und ich würde viel dafür geben, aber ich habe auch so viel geschenkt bekommen, dass man dankbar wird und auch zufriedener, und ja, man relativiert vieles und man nörgelt nicht mehr an Kleinigkeiten herum.

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