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Am Mann

Am Mann: Jan Koller

Der große Junge aus Südböhmen. Seine Stationen: Sparta Prag, Lokeren und Anderlecht in Belgien. Borussia Dortmund, dann Monaco und jetzt Nürnberg. 35 Jahre alt ist er inzwischen, der Nationalstürmer aus Tschechien.

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DW-TV: Ich habe überlegt, ob wir vielleicht die gleichen Kindheitserinnerungen haben, vielleicht im Fernsehen Pan Tau oder der kleine Maulwurf. Ob du so was auch mit deiner Kindheit verbindest?

Jan Koller: Ja, da decken sich unsere Kindheitserinnerungen. Die Sendungen, die du genannt hast, wie der kleine Maulwurf oder Pan Tau, mochte ich auch sehr gerne. Und jetzt spiele ich sie meiner fünfjährigen Tochter auch gerne vor.

Gibt es da etwas, dass du besonders magst?

Ja, ich mag am liebsten die Geschichte, in der sich der kleine Maulwurf eine Hose mit Taschen näht und ihm alle Tiere dabei helfen.

Der liebe Maulwurf. Bei dem ist das Leben schön. Denn alle helfen sich.

Für mich sind die Mannschaftserfolge wichtiger als die persönlichen.

Liegt dir etwas besonders am Herzen?

Wenn ich das von jetzt aus betrachte, sage ich: der Meistertitel mit Dortmund. Der letzte Spieltag, als wir zunächst 1:0 zurücklagen und ich dann den Ausgleich geschafft haben. 15 Minuten vor Schluss hat Ewerthon getroffen und wir sind Meister geworden. Da war die Freude natürlich groß. Es war sehr emotional und schön für mich.

Gibt es jemanden, den du als deinen besten Trainer bezeichnen würdest?

Ich hatte in meiner Karriere viele Trainer. Drei waren besonders: Willy Reynders von SC Lokeren in Belgien hat mir viel gegeben hat und sich sehr für mich eingesetzt hat. Dann war in Dortmund van Marvijk eine wichtige Persönlichkeit für mich. Und am Wichtigsten ist Karel Brückner, der tschechische Nationaltrainer.

Was ist dein persönliches Ziel für die Europameisterschaft?

Es ist mein letzter wichtiger Wettbewerb für die tschechische Nationalmannschaft und das letzte große Turnier für den Trainer Brückner. Wir wollen unbedingt Erfolg haben. Das ist für uns eine Motivation, zum Schluss noch einmal etwas zu beweisen.

Was ist denn das Wichtigste, damit ein Trainer ein guter Trainer ist?

Wenn ich darüber nachdenke, würde ich folgende Reihenfolge aufstellen:

Das Vertrauen in meine Person halte ich für sehr wichtig. Dann kommen die fachlichen Aspekte und dann Gerechtigkeit. Aber trotz allem ist Vertrauen das wichtigste.

Warum?

Es spielt sich immer besser und leichter, wenn einem vertraut wird. Wenn jemand an deine Fähigkeiten glaubt.

Du hast mal gesagt, als du nach deinen Qualitäten befragt wurdest, das sei alles eine Frage des Selbstbewusstseins… Spielt das wirklich so eine große Rolle? Das hängt ja vielleicht mit dem Vertrauen des Trainers zusammen.

Sicher. Das Selbstbewusstsein ist schon sehr wichtig. Die psychischen Gesichtspunkte sind meiner Meinung nach so wichtig, dass ich sagen würde, dass sie mehr als 50% der Stärke des Spielers ausmachen. Wenn ein Fußballer körperlich fit ist, aber nicht an sich glaubt, kann er nicht gut sein.

Ist es wichtig für dich Landsmänner in der Mannschaft zu haben?

Ich denke an Dortmund, wo du hingekommen bist und Tomas Rosicky war schon da?

Es ist ein großer Vorteil, wenn da ein Tscheche ist, mit dem du dich gut verstehst. Mit dem Tomas war ich auf der gleichen Wellenlänge, wir haben uns menschlich gut verstanden. Daran denke ich gerne zurück.

War das für dich ein Grund, nach Nürnberg zu kommen? Dass hier Landsleute von dir spielen?

Der wichtigste Grund, dass ich nach Nürnberg gekommen bin war, dass mich der Trainer Meyer unbedingt haben wollte, der ja inzwischen nicht mehr Nürnberg trainiert. Das war der Auslöser. Und dann kam dazu, dass mir Nürnberg trotz meines Alters einen längeren Vertrag anbieten konnte. Und wichtig war auch die Nähe zur Heimat. Außerdem kommt noch dazu, dass hier zwei Tschechen und zwei Slowaken spielen.

Sonst ist Jan Koller meistens erst mal Meister geworden, wenn er neu zu einem Verein kam. In Nürnberg ist er im Abstiegskampf.

Das ist schwer und eine Situation, die ich so noch nicht erlebt habe. Als ich im Januar gekommen bin, habe ich geglaubt, dass wir von den Abstiegsplätzen wegkommen. Die Mannschaft hat eine gute Qualität. Leider Gottes hat sich die Hoffnung noch nicht erfüllt. Vier Spieltage vor Saisonende sind wir immer noch auf einem Abstiegsplatz. Aber die Chance lebt noch immer.

Was ist denn das Hauptproblem von Nürnberg?

Schwer zu sagen. Wenn ich es wüsste, würden wir daran arbeiten. Wir spielen keine schlechten Spiele. Aber wir holen keine Punkte.

Könnte es sein, dass das auch etwas mit dem fehlenden Selbstbewusstsein zu tun hat?

Das ist möglich. Wenn ich da an unser letztes Spiel denke…

Da haben wir nach der ersten Hälfte 2:0 geführt, und bekommen dann innerhalb von 10 Minuten 2 Tore rein. Es wird wohl irgendwie einen Zusammenhang mit der Psyche geben…

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