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Am Mann

Am Mann: Diego

Er war der teuerste Spieler, den Bremen je gekauft hat. Heute ist Diego ein Star und wird auf Dauer kaum zu halten sein. Auch wenn die Liga heute mit Brasilianern gespickt ist, brasilianischer als er ist keiner.

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Diego:
Als ich hier angekommen bin, gab es nicht so viele Brasilianer. Es gab einige Verteidiger, aber fast keine Mittelfeldspieler oder Stürmer. Doch mit der Zeit wurden es immer mehr, denn langsam lernten die Brasilianer taktisch zu spielen und das gefällt den Europäern.
Die Brasilianer waren immer dafür bekannt, dass sie nur mit dem Ball spielen wollen, doch jetzt haben sie auch gelernt, mit Disziplin und Taktik zu spielen. Ich glaube, das ist der Grund, warum der Markt für Brasilianer in Europa in letzter Zeit größer wurde.

DW-TV: Und wenn in Europa der Markt wächst, wachsen in Brasilien die Fußballinternate. Du warst elf, als du in die Schule des FC Santos kamst - zum Club des großen Pele.

Diego:
Es gibt hunderte oder tausende 11-jährige Fußballspieler. Die Konkurrenz ist groß. Damals war ich überhaupt nicht sicher, ob es klappen würde oder nicht. Dieser Moment, als ich mit elf Jahren meine Familie und die, die ich liebe, verlassen musste, um für mein Ziel zu kämpfen, war der schwerste Moment meiner Karriere.

Aber du musst an dich geglaubt haben. Es heißt, du hast sogar deine Mama getröstet.

Es war für uns beide schwer, aber vielleicht noch schwerer für sie, weil ich eben erst elf Jahre alt war und sie für mich verantwortlich war. Für meinen Vater war es auch schwer, aber er hat es nicht gezeigt.

"Der Ruhm hat mein Leben verändert"

Mit 17 Jahren warst du bereits Spielmacher und Meister und hast gesagt, dass man die Mechanismen des Profi-Fußballs verstehen muss. Wie sind diese Mechanismen?

Fussball Werder Bremen gegen Hertha BSC Berlin Diego Beim Tortreffer

Ein Akrobat am Ball: Diego schießt im Fallen

Mit 17 hat sich mein Leben völlig geändert: Ich war nicht mal volljährig und schon so erfolgreich. Alles war anders. Der Ruhm hat mein Leben verändert. Das war ein gefährlicher Moment. Er ist mit viel Illusion verbunden, viele Menschen machen sich ein Bild von dir und du darfst dieses Bild nicht mit der Realität verwechseln. Man sollte den Moment genießen, aber man muss wissen, dass damit die Arbeit noch nicht erledigt ist. das war ein Moment, in dem ich mich und alles was ich erreicht hatte, hätte verlieren können.

Aber nix da. Diego wechselte zuerst nach Portugal zum FC Porto und anschließend nach Bremen, als Nachfolger des Spielmachers Johan Micoud. Und - Diego macht seitdem nicht nur das Spiel, sondern auch Tore. Er spielt schön wie kein Zweiter. Wie macht man das?

Zunächst mal muß man Spaß am Spiel haben, weil der Fußball von diesem Spaß lebt. Der Rest geschieht ganz automatisch. Ich denke wichtig ist, dass man auf dem Platz steht und sich freut dort zu sein. Dann wird man auch gut spielen, alle erfreuen und die Dinge werden ganz natürlich geschehen.

"Der Ball ist Teil der Familie"

Braucht man denn auch eine besondere Beziehung zum Ball?
Ronaldinho hat uns mal gesagt, der Ball ist seine Freundin. Ist das so?

Ich denke das stimmt. Der Ball ist Teil unserer Familie. Der Fußball löst in manchen Momenten magische Gefühle aus, zum Beispiel im Augenblick des Torerfolgs. Es gibt Momente, die man schwer in Worte fassen kann. Davon hatte ich viele. In Bremen etwa bei dem Tor, das ich aus der Mitte des Spielfelds geschossen habe. Das war ein magischer Moment, der mir immer in Erinnerung bleiben wird.

Du machst immer das, was man nicht erwartet. Kann man das auch trainieren?

Nein, das kann man nicht trainieren. Das ist wie ein sechster Sinn.
Man nimmt die Bewegung wahr und kann die Spielzüge lesen.
Das ist die Gabe des Fußballers. Auf dem Spielfeld macht das den Unterschied.

Werder Bremen hat in diesem Jahr Probleme, steht nur auf Rang zehn in der Tabelle. Diego und Co. müssen den Pokal gewinnen, um weiter europäisch zu spielen. Die Bundesligasaison können sie abhaken. Woran liegt’s denn?

Ich denke in der Bundesliga war es die Unbeständigkeit. Einige Spiele haben wir super gespielt, andere sehr schlecht. Ohne Konzentration, ohne Disziplin. Das ist unser Fehler, den wir unbedingt beheben müssen.

"Ich bin kein Pitbull"

Muss man sich nicht wahnsinnig zurücknehmen, wenn man ständig in der Öffentlichkeit mit Sachen konfrontiert wird und man soll immer diszipliniert bleiben?

Bundesliga Diego von Werder Bremen

Diegos einzige Schwäche: Das Kopfballspiel

Ja, man muss sich sehr beherrschen, auch wenn Fußball ein Sport ist, der die Gefühle direkt berührt. Wir alle versuchen, uns zu beherrschen, aber auch wir können Fehler machen, auch wenn die Leute das manchmal nicht verstehen. Trotzdem versuchen wir, unsere Gefühle auf dem Platz zu kontrollieren. Ich bin kein Pitbull, aber ich bin auch kein Engel und will es auch nicht werden, ganz im Gegenteil. Ich lebe meine Gefühle und werde sie weiter leben, respektiere meine Gegner und jeden anderen, aber ich lebe das Leben auf meine Art.

Interview: DW-TV

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