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Am Mann

Am Mann: Andrei Arschawin

Andrei Arschawin zählt spätestens seit dem Gewinn des UEFA Pokals mit Zenit St. Petersburg zu den berühmtesten Fussballern Russlands. Den russischen Kindern ist er nicht nur als Spieler bekannt.

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Winterpause in Deutschland.
Also sind wir nach Russland gefahren.

Genauer gesagt – nach Sankt Petersburg. Unser Gast?

Andrej Arschawin! Russlands berühmtester Spieler!

Wir trafen den 27jährigen Vater von zwei Kindern bei seinem Besuch eines SOS Kinderdorfs.

Und fragten, warum macht er das?

Andrei Arschawin

Warum ich das mache? Die Kinder sind sehr herzlich, darüber freue ich mich. Soviel ehrlichen Gefühlen begegne ich sonst im Alltag nicht so oft. Für mich ist das etwas Neues, denn ich bin nicht oft hier. Es ist schön, hierher zu kommen und mit den Kindern zu sprechen. Sie zu fragen, welche Erfolge sie in der Schule haben. Mein Alltag ist anders. Hier kann ich abschalten. Das ist eine schöne Sache.

DW-TV

Andrei, Du bist der beste und bekannteste Fußballer Russlands. Wie gehst Du mit dem Image um, der russische Maradona oder ein Wunderkind zu sein? Besteht für dich die Gefahr abzuheben?

Als ich in der Übergangsphase war, vom Jugendteam zu den Erwachsenen, hat man mir oft die Frage gestellt: "Haben Sie Starallüren"?" Das hat mich irritiert. Einmal habe ich darauf geantwortet, ich bin als Star geboren worden, deshalb droht mir das nicht. Seitdem höre ich diese Frage nicht mehr.

Denn was er auf dem Platz macht, sagt alles.

Als klassischer Spielmacher hat Arschawin Geschwindigkeit und Ballgefühl.

2007 schoss er Zenit Sankt Petersburg zur russischen Meisterschaft

2008 gewannen sie sogar den UEFA Cup.

Der gebürtige Petersburger Arschawin hat noch nie für eine andere Mannschaft gespielt…

In Russland sehe ich keine Perspektive mehr für mich. Ich muss und will hier nichts mehr beweisen. Deshalb will ich im Ausland leben und in einer starken Liga spielen. +++

Aber wohin wird er gehen?

Vielleicht Bayern, Tottenham, Real Madrid, Barcelona?

Fest steht nur: Zenit wird ihn teuer verkaufen.

Es gibt Fotos von Dir im Trikot des FC Barcelona. Warum bist du Fan von diesem Verein? Warum willst Du weg von Zenit, aus Russland?

Als Kind war ich Barcelona-Fan. Man kann sagen, ich bin es immer noch. Mir gefällt dieser Club, mir gefällt deren Stil zu spielen. Unabhängig davon, welchen Trainer oder welchen Präsident sie haben, spielt Barcelona immer einen hervorragenden Fußball. In jedem Land habe ich einen Lieblingsclub. In Deutschland ist es Bayern. In Italien – Inter Mailand. In England…früher war ich Manchester-Fan, jetzt gefällt mir Chelsea besser. Wo ich am liebsten spielen würde? Ich glaube, in der spanischen oder der englischen Liga. Das wäre das Beste für mich.

Können wir sagen, dass die russische Liga auf dem Niveau der Bundesliga oder der anderen europäischen Ligen ist?

Wenn wir über die russische Liga sprechen und sie von diesem Standpunkt betrachten, dann ist Russland weit entfernt von jeder europäischer Liga. Wie die Liga organisiert ist, auf welchen Fußballfeldern und in welchen Stadien gespielt wird, wie die Schiedsrichter arbeiten, und so weiter. Das ist alles ein anderes Niveau.

Mangel an Geld ist jedenfalls nicht das Problem.

Zenit wird von Gazprom gesponsert – dem weltweit größten Erdgasunternehmen, einem der größten Unternehmen Europas.

Man erhofft sich viel von dem Verein…

Wenn wir die drei, vier besten russischen Teams nehmen: die könnten alle in der Bundesliga spielen, oder auch in der französischen oder in der spanischen Liga. Ich kann nicht sagen, auf welchen Plätzen sie da landen würden, aber sie wären sicher konkurrenzfähig. +++

Jetzt will ich dir eine Frage zur Bundesliga stellen. Kannst Du dir vorstellen in der Bundesliga zu spielen? Welcher Verein in der Bundesliga gefällt dir? Und was magst Du am deutschen Fußball?

Ich beobachte die Bundesliga weniger, mir gefällt eher die spanische Liga. Deshalb verfolge ich die Spiele dort. Aber ich kenne praktisch alle Teams, die in der Bundesliga spielen. Der Favorit, natürlich, ist immer noch Bayern München. Gute Teams haben auch Bremen und Stuttgart. Was man über den deutschen Fußball sagen kann: es gibt viele harte Zweikämpfe. Früher hat man viele Tore in der Bundesliga geschossen. Aber auch jetzt gehen wieder viele Spiele 5:3 oder 4:2 aus. Es fallen wieder mehr Tore in der Bundesliga. Und es gibt ein Team, so einen Emporkömmling. Ich weiß nicht wie die heissen - "Hockenheim" oder so was. Es ist schwer für mich das auszusprechen. Ich weiß, dass ein sehr reicher Mann diesen Klub sponsert und er eine starke Position in der Bundesliga hat. Was die Bundesliga im Großen und Ganzen angeht: wir haben vor kurzem gegen die deutsche Nationalmannschaft gespielt. Eine starke Mannschaft, die viele gute Spieler hat.

Ihr wart toll bei der EM. Viel besser, als irgendjemand geglaubt hat. Es war wirklich toll. Warst Du selbst auch überrascht?

Ja, das hat mich überrascht. Denn sogar bei den Freundschaftsspielen haben wir keinen guten Fussball gezeigt. Doch unsere Spiele waren vernünftig und ziemlich interessant. Aber ich habe nicht das Gefühl gehabt, dass wir genug Kraft haben, um einen großen Sieg zu erreichen.

Aber sie hatten die Kraft, und Russland war die Überraschung des Turniers. Die ganze Welt schaute zu.

Erst im Halbfinale der EM wurden die Russen gestoppt.

Eine große Rolle bei dem Erfolg spielt ihr niederländische Trainer Guus Hiddink.

Jeder ausländische Trainer unterscheidet sich von einem russischen dadurch, dass er den Spielern mehr Freiheit gibt. Die Spieler fühlen sich freier und das Selbstbewußtsein wächst. Ich habe das schon oft gesagt: von Anfang an hat Guus Hiddink unseren Spieler mehr zugetraut, als sie sich selber.

Fußball ist aber nicht alles für Dich. Du hast auch Mode studiert. Warum? Wie geht das, wenn man eigentlich Fußballer ist?

Als ich mit 17 Jahren Abitur gemacht habe, wollte ich studieren, aber ich wollte die Ausbildung nicht in einem Sport-Institut machen. Meine Freunde haben mir die Universität für Technologie und Design empfohlen. Dort habe ich acht Jahre studiert, und so bin ich jetzt "Ingenieur und Technologe der Konfektionsindustrie". Ich kann nicht sagen, dass es einfach war, aber meine Professoren und der Dekan haben mich toll unterstützt. In allen Fragen haben sie versucht, mir zu helfen. Und so habe ich meine Ausbildung mit einer Diplomarbeit erfolgreich beendet. +++

Nicht jeder Spieler hat sein eigenes Label.

Arschawin hat Stil – nicht nur auf dem Platz, sondern auch im Leben.
Im Westen gilt ein Fussballspieler der Mode Design studiert hat als exotisch. Wie gehst Du mit diesem Image um?

Das unterscheidet mich, ich habe keine Angst gegen den Strom zu schwimmen. So bin ich. Man hat mir beigebracht, meine eigene Meinung zu äußern. Darin unterscheide ich mich von den anderen. Aber ich mache das nicht, um exzentrisch zu wirken. Ich mache immer das, was mir meine innere Stimme sagt.

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