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Sport

Am Ende zählt nur der Profit

Nur wenige Rennställe in der Formel 1 sind wirtschaftlich gesund - und moralische Prinzipien gelten offenbar nicht. Hinter den Kulissen spricht man schon von Zukunftsproblemen.

Es ist ohrenbetäubend laut. Neben dem Circuit de Catalunya, 30 Kilometer nördlich von Barcelona, vor ein paar Wochen. Es sind die letzten Testfahrten vor dem Saisonstart am kommenden Wochenende. Immer wieder kreisen Formel 1-Wagen um die Kurven, man versteht kein Wort, so laut ist es. Der Glamourwelt Formel 1 scheint es gut zu gehen. Denkt man. Doch hinter den Kulissen, so sagen einige, rumort es.

Michael Schmidt schreibt seit über 30 Jahren über die Formel 1, ist Redakteur der Zeitschrift "Auto, Motor und Sport". Er sagt, die Formel 1 sei in einer Krise, sie wisse es nur noch nicht. "Die Formel 1 präsentiert sich in einem besseren Zustand als sie ist. Es geht ihr bei weitem nicht so gut, wie man vielleicht denkt, wenn man das Feld sieht", sagt Schmidt und wird damit so deutlich wie kaum jemand, mit dem man sonst spricht. Viele bestätigen, was Schmidt sagt, aber kaum jemand will zitiert werden. Obwohl die Formel 1 offenbar solche Schwierigkeiten hat.

"Ein Problem ist", sagt Schmidt weiter, "bis auf fünf Teams ist kaum eines solide und langfristig finanziert. Fast alle Teams hängen von einem Faktor ab – wenn der weg bricht, sind die Teams tot. Ein Team hat es schon erwischt. HRT, gut, da kann man sagen, das war ein kleines Team. Aber da kann schnell ein Flächenbrand entstehen."

Nur die Big Five haben Chancen

Die großen Teams sind RedBull, McLaren, Williams, Mercedes und vor allem Ferrari. Sie haben jeweils einen Jahresetat von über 200 Millionen Euro, die kleineren gerade mal die Hälfte – und Probleme, überhaupt noch Sponsoren zu finden. Dadurch – Problem Nummer 2 – wird die teure Formel 1 immer mehr zu einer Zwei- bis Drei-Klassengesellschaft. "Im Prinzip besteht bei allen, die da in der Gegend zwischen 80 und 120 Millionen Euro wirtschaften, das Prinzip Hoffnungslosigkeit", sagt Michael Schmidt. "Es ist ganz klar, dass die nie mit einem Ferrari und RedBull konkurrieren können. Deswegen ist es auch so schwer, das an Sponsoren zu verkaufen."

Bernie Ecclestone schwenkt die schwarz-weiße Fahne (Foto: dpa)

Bernie Ecclestone - die graue Eminenz fühlt sich offenbar nur dem Profit verpflichtet

Jede Woche des Jahres kostet die Teams, so Experten, eineinhalb Millionen Euro. Und das ohne große technische Weiterentwicklung. Die aber ist entscheidend, sie jedoch können sich nur die großen Teams leisten. Und deshalb haben vor allem Ferrari und RedBull kein Interesse an einer immer wieder diskutierten Budgetobergrenze. Die Formel 1 ist eben vor allem auch Geschäft.

Seit Jahrzehnten Monopolist

In der britischen Hauptstadt London wird das Formel 1-Geschäft organisiert. Hier residiert in einem unscheinbaren Gebäude mit Glasfassade die Formula One Management Group, sozusagen der Betreiber der Formel 1, und ihr Chef, Bernie Ecclestone. Anfang der 70er-Jahre beginnt der heute 82-Jährige mit der Vermarktung der Formel 1 und macht aus ihr das, was sie heute ist: ein Milliardengeschäft mit einem geschätzten Wert von zehn Milliarden Dollar. Doch ein Interview, lässt man ausrichten, will Bernie Ecclestone nicht geben.

Um die Ecke, in einem schönen Park in Londons Zentrum, sitzt Xander Heijnen. Von 2003 bis 2008 war der Niederländer Sprecher der Automobilhersteller in der Formel 1. Weil diese schon damals mit der Rennserie nicht zufrieden waren, wurde eine neue vorbereitet, die nie zustande kam. Heijnen war eine er treibenden Kräfte und kennt sich bis heute gut im Business Formel 1 aus. "Die Hersteller hatten damals vier Ziele", sagt er, "Transparenz, Stabilität, eine fairere Verteilung der Einnahmen und mehr und glücklichere Zuschauer. Das hat sich bis heute schon verbessert. Ist es schon perfekt? Nein, klares Nein."

Fernando Alonso (l.) und Felipe Massa posieren vor ihrem neuen Rennauto (Foto: Ferrari press)

Krösus Ferrari: Die Italiener zählen zu den wenigen gesunden Teams im Formel-1-Zirkus

Eigentlich will Formel 1-Insider Heijnen nicht viel sagen. Und tut es dann doch. Die Transparenz fehle immer noch in der Formel 1, die Stabilität der Teameinnahmen ebenso. Und die Zuschauer müssten teilweise für nicht-überdachte Stehtribünen mit portablen Toiletten mehrere hundert Euro zahlen. Am Schlimmsten aber, so Heijnen, ist, "dass das Gesetz des Dschungels gilt. Jeder ist sich selbst der Nächste. Und auch wenn Teams solidarisch sein sollten, können sie gut damit leben, wenn Teams kaputt gehen."

Der Sport Formel 1 ist vor allem Geschäft

Rennstreckenbesitzer in Asien, Indien oder am Golf zahlen bis zu 50 Millionen Dollar pro Rennen – weit mehr als in Europa. Also nimmt man es mit der politischen Situation in den Ausrichterländern nicht immer ganz so ernst. So wie im arabischen Emirat Bahrain 2011. Der Grand Prix wird damals nach politischen Unruhen erst in letzter Sekunde abgesagt. Und 2014 findet direkt nach den Olympischen Winterspielen erstmals im demokratisch umstrittenen Russland ein Formel 1-Rennen statt. Die Formel 1 als Ersatz für fehlende Demokratie?

In London veröffentlicht der Analyst Christian Sylt jährlich das Branchenbuch "Formula Money" mit den – zum Teil geschätzten – Finanzzahlen der Formel 1. "Es gibt da eine Redensart, die besagt, die Formel 1 sei ein Sport für zwei Stunden alle paar Wochenenden, ansonsten ist sie ein Geschäft!", sagt er. Und sie gehe immer in Märkte, die zahlten und nicht gerade europäischen Idealen entsprächen."

Die Formel 1 und ihre Probleme. Es gilt der Kannibalismus des Sports: Survival of the richest. Wer Geld hat, gewinnt. Was Geld bringt, wird gemacht. Der Sport ist selbstverständlich zum Geschäft geworden.

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