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Nahost

"Am Ende wird es in Bahrain Reformen geben"

Nicht nur in Tunesien und Ägypten erhob sich das Volk gegen seine Herrscher. Auch im reichen Bahrain kam es zu Unruhen. Warum? Darüber sprach DW-WORLD.DE mit Thomas Birringer von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Abu Dhabi

Die Proteste haben auch das reiche Öl-Emirat Bahrain erreicht (Foto:dpa)

Die Proteste haben auch das reiche Öl-Emirat Bahrain erreicht

DW-WORLD.DE: Herr Birringer, warum hat Al Dschasira rund um die Uhr aus Ägypten berichtet, während die Proteste in Bahrain im Programm so gut wie nicht vorkommen?

Thomas Birringer: Bahrain liegt halt doch schon etwas näher am Standort von Al Dschasira, nämlich Katar. Katar ist das Nachbaremirat von Bahrain, und je ähnlicher sich die Länder in der arabischen Welt sind, desto schwieriger wird das. Man kann im Prinzip als Journalist in den meisten arabischen Ländern über alle kritisch berichten, nur nicht über den eigenen Herrscher. Nur für den Emir in Katar ist der Nachbar in Bahrain natürlich schon recht nah und dem fühlt er sich auch etwas verpflichtet. Von daher hält er Al Dschasira an, von Bahrain etwas weniger zu berichten.

Haben die Journalisten von Al Dschasira Angst, oder was ist der Grund?

Sie haben nicht direkt Angst. Katar ist schon anders strukturiert als Bahrain, aber es ist halt die Solidarität unter Nachbarherrschern, die besonders eng miteinander verbunden sind.

Gäbe es denn überhaupt viel zu berichten aus dem Land?

Mit Tränengas, Schusswaffen und Schlagstöcken trieben Sicherheitskräfte die Demonstranten auseinander (Foto:ap)

Mit Tränengas, Schusswaffen und Schlagstöcken trieben Sicherheitskräfte die Demonstranten auseinander

Ja, erhebliches. In Bahrain ist es zwar in den letzten ein bis zwei Tagen wieder ruhig, aber wir hatten ja vor einigen Tagen sehr, sehr brutale Kämpfe. Die Proteste auf dem Pearl Square wurden sehr brutal niedergeschlagen, nach allem was ich höre, wirklich mit gezielter Waffengewalt.

Da könnte jetzt an dieser Stelle das Internet einspringen, das heißt über soziale Netzwerke über Facebook, über Twitter könnten die Informationen ja nach außen verbreitet werden. Werden sie das auch?

Das werden sie. Also, wir wissen ja schon, was passiert ist in Bahrain. Und auch über die unterschiedlichen Strömungen im Herrscherhaus, wie man mit dieser Sache jetzt umgeht. Die jüngste Nachricht, die ich heute gehört hab, ist, dass die Formel 1 jetzt abgesagt worden ist, die im März dort hätte stattfinden sollen, also, die Informationen dringen da schon nach außen.

Ist das denn in Ihren Augen die richtige Entscheidung? Man hätte ja auch sagen können: Wir lassen es stattfinden, so wie geplant, mit dem Ergebnis: Dann schaut die Weltöffentlichkeit nach Bahrain und jeder muss eigentlich diese Proteste wahrnehmen.

Auf das Formel 1-Rennen in Bahrain müssen die Fans jetzt doch etwas länger warten (Foto:dapd)

Auf das nächste Formel 1-Rennen in Bahrain müssen die Fans jetzt doch etwas länger warten

Die Formel 1 ist für Bahrain ein ganz, ganz wichtiges Ereignis. Es ist das Ereignis des Jahres im Lande und hat ein ganz hohes Prestige. Man hat sich sehr bemüht, die Formel 1 dorthin zu bekommen, und die Denkrichtung war eher so, dass man gesagt hat: "Um Gottes willen, lasst uns dieses Ereignis nicht gefährden! Das ist so wichtig für uns, wir sorgen für Ruhe, damit auch dieses Ereignis dort unbehelligt stattfinden kann." Das war die absolut falsche Reaktion, damit hat man das nur noch schlimmer gemacht. Man weiß nicht, welche Rolle die Formel 1 da gespielt hat, aber sie war sicherlich ein Grund, weshalb man diese Proteste so niedergeschlagen hat.

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