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Musik

Aly Keïta: Der Herr der Klangstäbe

Der Balafonspieler Aly Keïta aus Elfenbeinküste zelebriert den musikalischen Alleingang. Mit seinem Album "Farafinko" schickt er einen musikalischen Hoffnungsstrahl von Berlin aus in die Welt.

Porträt des Balafonvirtuosen Aly Keïta (Foto: Contrejour)

29 Klangstäbe zählt man an Aly Keïtas Balafon und noch mal doppelt so viele, immer größer werdende Kalebassen. Das sind die unter den Tonhölzern hängenden Resonanzkörper, die ursprünglich mit Spinnennetzen, heute mit Plastikmembranen versehen sind. Ein imposant aussehendes und ebenso klingendes Bauwerk, erschaffen vom Spieler selbst. Schon vor Jahren erweiterte Aly Keïta die Tonleiter seines Instruments und patentierte sich so sein ganz individuelles Balafon.

Vor kurzem kam der drahtige, ja geradezu athletische Musiker von einer zweimonatigen Solo-Tour durch seinen Heimatkontinent zurück: Ein voller Erfolg, wie der Ivorer nicht ohne Stolz sagt, quasi die Feuertaufe von "Farafinko", einer Sammlung von neuen und alten solo eingespielten Kompositionen. Die knapp 500 CDs seien bei den Konzerten in insgesamt 18 Ländern im Handumdrehen weg gewesen. Die Menschen lassen sich von Aly Keïta mühelos in dessen farbenprächtige Klanglandschaften entführen.

Nicht nur in Westafrika, wo das majestätisch aussehende und klingende Balafon im heutigen Mali seinen Ursprung hat, auch anderswo, etwa in Tansania und Simbabwe, Mosambik oder Kongo gibt es Varianten des Instruments. Immer wieder mal, so berichtet der Ivorer schmunzelnd von seinen Heimspielen, fragten Konzertbesucher verwundert, warum er das Balafon solo spiele, ob er denn keine Band hätte. Üblicherweise musiziert man dort im Verbund mit zweitem Balafon, Kora oder Saiteninstrument Ngoni. "Zudem sitzen die Leute nicht, sie tanzen dazu. Die Musik ist bei uns weniger zum Zuhören und Zugucken da, sondern vor allem zum Tanzen oder Singen", erläutert Aly Keïta.

Aly Keïta spielt Balafon vor einem Leuchtturm (Foto: Contrejour / Valeria Simoes)

Mit Balafon auf Tour

Initiation durch den Meister

Mit Mitte Zwanzig erlebte Aly Keïta erstmals den Mann live, mit dem er jahrelang auf Radio RFI seinen Tag begonnen hatte, mit ein und demselben Guten-Morgen-Song: Der in ganz Afrika renommierte Balafon-Spieler Kélétigui Diabaté aus Mali. "Er ist so was wie mein Gott, hat mit allen Großen gespielt, mit Salif Keita und mit vielen Amerikanern. Das Konzert 1993 in Abidjan war das erste, bei dem ich das diatonische Balafon in einer anderen, neuen Verbindung hörte." Und es war Keïtas Initiation für das freie Improvisieren - das, was er heute allein oder im Zusammenspiel mit seelenverwandten Musikern wie Trilok Gurtu, Paco Séry oder Omar Sosa am liebsten macht. Dem Balafon-Guru Afrikas, Kélétigui Diabaté, widmete er auch das Stück "Bamana Folie" auf seinem neuen Album, das die beiden gemeinsam im belgischen Studio von Keitas Plattenfirma aufnahmen.

Musikalisches Tagebuch ohne Worte

Die übrigen neun Stücke auf "Farafinko" gestaltete der 41-jährige, mittlerweile seit etlichen Jahren in Berlin lebende Musiker ganz allein mit seinem Instrument. Und mit dem hat Keïta, wie er sagt, ein persönliches Tagebuch geschrieben, in dem Klangfarben und Noten die Worte ersetzen. Er sei eben kein Sänger, aber doch Griot, also ein Geschichtenerzähler, sagt der Ivore, dessen Vater ebenfalls Balafonspieler ist und der aus einer Griotfamilie malischen Ursprungs stammt. In Mali verbrachte Aly Keïta auch einen bedeutenden Teil seiner Kindheit. Während der zehn Jahre, die er dort auf dem Land bei seiner Großmutter lebte, passierte auch sein zentrales musikalisches Erweckungserlebnis, seine eigentliche berufliche Initiation. Als 12-jähriger sprang er bei der großen Zeremonie eines Erntefestes für einen Kollegen ein. Die Spontansession dauerte die ganze Nacht, in der, so schwört Keïta hoch und heilig, keines der durchweg traditionellen Stücke zweimal gespielt wurde. Am Ende hätten ihm die Leute Respekt gezollt: "Der Aly ist ein richtiger Balafonist!"

Aly Keïta spielt vor zwei Zuschauern (Foto: Contrejour / Valeria Simoes)

Balafon-Fans in Afrika

Heute ist der exzellente Instrumentalist, Komponist und Instrumentenbauer weltweit ein gefragter Mann, vor allem in der Jazz- und Weltmusikszene. In seiner deutschen Wahlheimat wurde Aly Keïtas kreative, farbenprächtige Klangkunst mit allen nur denkbaren Preisen prämiert. All das ist dem immer lächelnden Sympathieträger nicht im Geringsten zu Kopf gestiegen. Er verdient im Grunde noch einen weiteren Orden: für die unglaubliche, ihresgleichen suchende Freundlichkeit und Bescheidenheit, die dieser Mann an den Tag legt und die durch jeden Ton seiner Musik leuchtet.

Autor: Katrin Wilke

Redaktion: Matthias Klaus

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