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Bildung

Alumni im Auftrag des Wandels

Kluge Köpfe vor Ort, die braucht man, um nachhaltige Entwicklung voranzutreiben. Wie deutsche Universitäten und internationale Alumni dazu beitragen können, wurde auf einer DAAD-Tagung in Heidelberg diskutiert.

Li Ma aus China will sich später im Umweltschutz engagieren, Syahrina Anggraini aus Indonesien interessiert der Klimawandel, und Tesfamicheal Wossen will etwas gegen die Armut in seiner Heimat Äthiopien tun. Suaad Abdo setzt sich schon jetzt für die Frauen im Jemen ein. "Ich will den Frauen keine Stimme geben, sondern ihnen zeigen, dass sie eine Stimme haben und dass sie das Recht haben zu kämpfen."

Change Agents - Gesichter des Wandels

Li Ma, chinesische DAAD Stipendiatin im Masterstudiengang International Management an der Business School Reutlingen (Foto: DW/Gaby Reucher)

Li Ma will in China für den Umweltschutz kämpfen

Sie alle sind zurzeit noch Masterstipendiaten des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Für den DAAD aber bedeuten sie mehr als das. Sie könnten einmal sogenannte "Change Agents" werden. Diese "Agenten des Wandels" sind Alumni, die nach dem Stipendium in ihrer Heimat Verantwortung übernehmen und sich für nachhaltige Entwicklung einsetzen. "Die großen Herausforderungen der Zukunft müssen wir gemeinsam angehen", sagte Margret Wintermantel, die Präsidentin des DAAD, auf der Tagung in Heidelberg. "Die Energiesituation, den Klimaschutz oder Fragen der Gesundheit können wir nur länderübergreifend mit gut ausgebildeten Fachkräften lösen." Die Hochschulen seien unersetzliche Partner in der Entwicklungszusammenarbeit. Deshalb sei auch die Internationalisierung der deutschen Universitäten so wichtig.

Offen sein für Internationalisierung

Philosophisches Seminar der Universität Heidelberg (Foto: Uni Heidelberg)

Deutschlands älteste Universität in Heidelberg war Austragungsort der Fachtagung "Change Agents"

Bei den Hochschulen und in der Politik ist diese Botschaft mittlerweile angekommen. Viele pflegen Partnerschaften zu Universitäten in aller Welt, und eine Reihe von Projekten wird dabei vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziell unterstützt. In den letzten 20 Jahren und besonders seit Einführung der Abschlüsse Bachelor und Master haben sich die deutschen Universitäten auch verstärkt mit englischsprachigen Angeboten an internationale Studierende gewandt. Rund 11 Prozent der 2,4 Millionen Studierenden in Deutschland kommen mittlerweile aus dem Ausland.

Doch im Studienalltag ist man noch nicht überall auf die internationalen Studierenden eingestellt. "Manche Kollegen betrachten unsere Arbeit mit den ausländischen Studierenden als Hobby", erzählt Philipp Misselwitz. Er ist Leiter des Fachbereichs Internationale Urbanistik an der Technischen Universität Berlin und wünscht sich mehr Akzeptanz seiner internationalen Bemühungen.

Gute Vorbereitung in der Heimat ist wichtig

Doaa Mohamed Soliman, Journalistin aus Ägypten, zur Zeit tätig als Referentin für Digitale Medien bei der Anna Lindh Stiftung für den Dialog zwischen den Kulturen (Foto: DW/Gaby Reucher)

Doaa Mohamed Soliman aus Ägypten macht Freunden Mut, den Blick über den Tellerrand zu wagen

Auch die Studierenden fühlen sich oft isoliert. Suaad Abdo fand es am Anfang nicht leicht, sich als Muslima in der deutschen Gesellschaft zurechtzufinden. "Zum Glück hatten wir an der Universität Erfurt Mentoren, die uns begleitet haben, da ist man nicht ganz so allein gelassen." Doaa Mohamed Soliman kommt aus Ägypten. Die Journalistin hat an der Universität Duisburg-Essen ihren Master in Development and Governance gemacht und setzt sich als "Change Agent" für interkulturelle Verständigung ein. Sie erinnert sich noch gut an ihre Zeit in Deutschland. "Hier geht man ganz anders mit Professoren um", beobachtet die Journalistin. "Man kann ihnen widersprechen und ist dabei trotzdem sehr respektvoll." Doaa Mohamed Soliman findet es wichtig, die Studierenden bereits in der Heimat besser auf Deutschland vorzubereiten.

Den Führungsnachwuchs fördern und vernetzen

Der DAAD will als Partner der Entwicklungszusammenarbeit in diesem Bereich noch einiges tun und zum Beispiel stärker e-learning-Plattformen nutzen, mit deren Hilfe sich die Studierenden bereits in der Heimat sprachlich und kulturell über Deutschland informieren können. Auch der Kontakt zu den Alumni soll über soziale Netzwerke noch intensiviert werden. Das Alumniportal Deutschland ist bereits eine erste Anlaufstelle.

Nachhaltigkeit bei Alumnikontakten

Philipp Misselwitz, Leiter des Fachbereichs Internationale Urbanistik an der TU Berlin (Mitte) mit Studentin Li Ma aus China und Alumna Doaa Mahamed Soliman aus Ägypten (Foto: DW/Gaby Reucher)

Philipp Misselwitz (2.v.re.) findet es wichtig, dass internationale Studierende nicht isoliert werden

Die Alumni wissen aus Erfahrung, dass nicht nur der Anfang in Deutschland schwierig ist, sondern auch die Zeit nach dem Stipendium. Nicht alle Heimatländer empfangen die Studienabgänger mit offenen Armen. "Wir müssen helfen, in der Heimat eine Umgebung zu schaffen, damit die hier ausgebildeten Fachkräfte dort auch Arbeitsmöglichkeiten finden", sagt Rainer Sauerborn, Institutsleiter für Public Health der Universität Heidelberg. Dazu gehört für ihn, Lehrer in den Heimatländern zu qualifizieren und die Forschung vor Ort zu fördern, um so Strukturen zu schaffen, in denen auch die Alumni aus Deutschland weiter arbeiten können.

Philipp Misselwitz von der TU Berlin plädiert dafür, dass die Hochschulen Programme entwickeln, mit denen die Alumni noch weitere fünf Jahre betreut werden und die ihnen helfen, in der Heimat eigene Strukturen aufzubauen oder Arbeit zu finden. Li Ma aus China wäre damit sicher geholfen, denn sie weiß, dass es in China zwar viele Umweltprobleme gibt, aber längst nicht genügend Umweltorganisationen, bei denen sie sich einbringen kann.

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