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Sprachbar

Altweibersommer

Er ist eine feste meteorologische Größe: der Altweibersommer. In den USA wird er "Indian Summer" genannt. Was hat er mit alten Weibern und Indianern zu tun? Tauchen wir ab in die Welt der Etymologie, Mythen und Legenden.

Wie wird das Wetter morgen, übermorgen oder ganz wichtig am Wochenende? Der Wetterbericht ist etwas, das die meisten Deutschen interessiert – vor allen Dingen, wenn ein Ausflug oder wichtige Ereignisse wie ein runder Geburtstag oder eine Hochzeit anstehen. Denn es soll ja ein gelungener Ausflug, ein fröhliches Fest werden, der Wettergott soll schon mitspielen. Eine Zeit im Jahr gibt es, die gerne genutzt wird, weil eine meist stabile Wetterlage herrscht: den sogenannten Altweibersommer. Nicht umsonst findet deshalb zu dieser Zeit jährlich das Oktoberfest in München statt.

Meteorologische Singularitäten

Hochdruckgebiet Osteuropa, Bild für Deutschkurse

Eine stabile Wetterlage sorgt für einen schönen Altweibersommer

Denn zu kaum einer anderen Jahreszeit können die Meteorologen in Mitteleuropa so sicher voraussagen, wie das Wetter werden wird. Das ist in den Tagen zwischen dem 23. September und dem 1. Oktober der Fall. Diese Trefferquote gelingt meist nur noch zu einer weiteren Zeit des Jahres: den sogenannten Eisheiligen im Mai.

Und das hat seinen Grund. Diese beiden Perioden gehören zu den meteorologischen Singularitäten – ein Begriff, der in der Meteorologie für Wetterperioden verwendet wird, die sonderbar, aber regelmäßig sind. Was nun den Altweibersommer angeht, kennt man die Ursache für diese eigentlich zum meteorologischen Herbstbeginn eintretende Hitzewelle: Verantwortlich ist in aller Regel ein Hoch über Osteuropa. Es bringt relativ trockene Luft vom Festland nach Mitteleuropa. Allerdings kann man sich wegen des Klimawandels inzwischen nicht mehr auf die Bauernregel verlassen, die besagt: „Der Altweibersommer währt nicht lang“. Bis graue Nebelschwaden das sommerliche Wetter ablösen, kann es auch mal mehr als eine Woche dauern.

Spinnende Schicksalsfrauen

Eine Wiese im altweibersommer mit Spinngeweben

Feine Fäden, wohin man schaut

Aber warum heißt der Altweibersommer so? Schon seit Jahrtausenden ranken sich eine Menge Sagen und Mythen um den Begriff. Zu jeder Zeit und in jedem Land wurden die Ursprünge des Wortes anders gedeutet. Folgende Erklärung ist im Volksglauben am weitesten verbreitet: die winzigen Fäden, die in den letzten Septembertagen durch die Luft fliegen, sich zwischen Gräsern, Blumen, Zweigen und Büschen festsetzen und in Wirklichkeit von jungen Spinnen stammen, wurden als das Werk von Elfen und Nornen angesehen.

Nornen sind in der Mythologie der nordischen Länder Schicksalsfrauen. Drei von ihnen werden in der Sammlung von Dichtungen, der Edda, namentlich genannt: Sie heißen Urd, Verdandi und Skuld, was übersetzt soviel bedeutet wie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Diese Frauen spinnen den Schicksalsfaden eines jeden Menschen. Das „Material“ sind der Sage nach Haare, die alte Weiber beim Kämmen verloren haben – wobei Weib, anders als heute, noch nicht abfällig für eine Frau benutzt wurde, sondern einfach nur alte Frau bedeutete. Manchmal wurde der Altweibersommer deshalb auch Witwensommer genannt.

Fliegender Sommer

Eine Spinnerin bei der Arbeit

Maria und die Jungfrauen sollen im Altweibersommer kräftig gesponnen haben

Häufig taucht er aber auch als fliegender Sommer auf – eben wegen der Fäden oder auch Gespinste, die durch die Luft fliegen. Sie sind Zeichen dafür, dass nun auch der Sommer –bildlich gesehen – endgültig davonfliegt. Der deutsche Schriftsteller Jean Paul hat diesen Begriff im 18. Jahrhundert mit Vorliebe gebraucht.

Christliche Legenden haben die weißen Spinnenfäden aber auch auf Gott und vor allem auf die Heilige Maria zurückgeführt. Die Fantasie des Volkes suchte nach einer Spinnerin und fand sie in der Jungfrau Maria, die mit 11.000 Jungfrauen im Herbst umherzieht und das Land mit Seide überspannt. Dieses herumfliegende Gewebe wird vor allem im süddeutschen Raum als Mariengarn, Mariensommer und Frauensommer bezeichnet – wobei Sommer um das 14. Jahrhundert herum das Wort für dieses feine Gewebe war.

Indian Summer

Ein mit gelb- und rotgefärbten Bäumen übersäter Hügel

Der "Indianersommer": Gelb- und Rotfärbung der Bäume

Legenden ranken sich auch um die Ausprägung des Altweibersommers in den USA. Dort – in den nordöstlichen Bundesstaaten zwischen New York und der kanadischen Grenze – heißt er allerdings Indian Summer, und es sind weniger die Spinnfäden, die beeindrucken als die Rot- und Gelbfärbungen der Laubbäume, die jedes Jahr Millionen von Touristen anzieht.

Eine indianische Legende besagt, dass das Blut getöteter Bären ins Erdreich fließt und verantwortlich ist für die Rotfärbung der Bäume. Eine der abwegigsten Erklärungen für den Begriff Indian Summer, die herumgeistern, bezieht sich auf die Zeit, als die Weißen begannen, das Land der Indianer zu erobern. Die an Zahl und Waffen unterlegenen Indianer sollen von den Weißen in heuchlerischer Absicht minderwertige Geschenke bekommen haben, um ihre Gunst zu erlangen. Der „Indianersommer“ wäre also ein „Heuchler“: Schönes Wetter, dem nicht zu trauen und das nicht von langer Dauer ist. Denn plötzlich schlägt es in Kälte um.

Trügerischer Glaube

Unwissenschaftlich betrachtet hätten „Altweibersommer“ und „Indianersommer“ eins gemeinsam: dass sie es für kurze Zeit schaffen, den Menschen Glauben zu machen, der Sommer sei noch lange nicht zu Ende. Was für ein schöner Traum, wenn die Nächte wieder länger werden.




Fragen zum Text

Wenn der Wettergott mitspielt, dann …

1. herrscht gutes Wetter.
2. spielt Gott mit dem Wetter.
3. haben Meteorologen einen guten Draht zum Wettergott.

Ein in der Umgangssprache abfälliger Begriff für Frau ist …
1. Weiblein.
2. Witwe.
3. Weibsbild.

Die Redewendung „Wenn die Nächte länger werden“ bedeutet, dass …
1. die Sonne abends später untergeht.
2. es langsam Winter wird.
3. der Morgen früher kommt.


Arbeitsauftrag
Ordne die richtigen Silben zu und trage die neun Wörter aus dieser Sprachbar in die Tabelle im PDF ein. Anschließend ergibt sich in dem grauen Feld ein Lösungswort.

mer – Eis – Wit – mer – fest – te –o – lo – bäu – Ne – wei – bel – den – Wet – Alt – hei –wen – Spin – ber – Me – Laub – li – som – Ok – ro – me – schwa – ge – to – gott – ber – gie – som – ter – nen





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