1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Altra Moda

Renaissance der Schürzen, Handtaschen und Badekappen. Oder, für die Technologie-Freaks: Strumpfhosen zum Aufsprühen und BHs aus Silikon. Die Wege der Modebranche sind unergründlich ...

default

Kittelschürzen sind en vogue

So manches Kleidungsstück gibt es schon seit Jahrhunderten und ist immer wieder neuen Modetrends unterworfen. Manche für ewig ausgestorben geglaubte Garderobe erlebt aber auch ein ungewohntes Revival – oder taucht in einer Form wieder auf, die dem 21. Jahrhundert angemessen erscheint.

Ein Klassiker wird wieder entdeckt

Schürzenmode

Schürzenmode - auch für Männer

Die Schürze zum Beispiel war über Jahrhunderte hinweg ein Hit unter den weiblichen Kleidungsstücken. In unseren Tagen ist sie eher verpönt, denn als blütenweißes Symbol der Frau hielt die gute alte Schürze dem Zeitalter feministischen Selbstverständnisses und Gleichberechtigung nicht mehr stand. Denn welche Frau möchte schon mit der zweifelhaft erotischen Vorstellung einer "häuslich intimen Ausstrahlung" assoziiert werden?

Daher galt bisher: Ob Kittel-, Träger-, Halb- oder Latz-, Küchen- oder Gartenschürze – im Haushalt sind Schürzen out. Moderne Schürzenjäger kommen aber dennoch auf ihre Kosten, denn der Kittelschurz erlebt im Zug der 1970er-Jahre-Modewelle ein Revival: Nylonkittel werden mittlerweile in Verbindung mit Overknees in der Disko getragen. Und auch in der Technoszene sind Kittelschürzen angesagt, weiß Elke Gaugele vom Kölner Institut für Kunst und Kunsttheorie zu berichten. Dabei bleibt das neu entdeckte Kleidungsstück bei weitem nicht nur den Frauen vorbehalten – auch Männer sind immer häufiger im Kittel zu sehen.

Ehemals bunt und floral – heute eher einfarbig-funktional

Samantha Riley, gelbe Badekappe

Badekappen diesen Sommer: Sportlich funktional

Bei der Bademütze handelt sich laut Wörterbuch um eine "wasserdichte Kappe zum Baden (Schwimmen)". Was so nüchtern beschrieben wird, war einst ein wichtiges modisches Accessoire. In den 1960er und 1970er Jahren konnte die aus Gründen der Badekappenpflicht von nahezu jedermann getragene Kopfbedeckung nicht bunt genug sein. Blumen und Blätter wurden appliziert und auch Kappen mit Haarimitat fanden ihre Anhänger. Heute hingegen gibt es bis auf wenige Ausnahmen nur noch "anliegende unverzierte Sportschwimmkappen", wie Ingrid Loschek, Professorin für Modetheorie und Modegeschichte in Pforzheim, beobachtet.

Bei der Auswahl der Schwimmhaube 2003 hat offenbar Funktion oberste Priorität. Und so bietet auch ein großer Sportartikelhersteller wie Adidas derzeit nur ein Modell an: eine Silikonkappe für den Sportschwimmbereich. Das einsame Modell gibt es aber zumindest in verschiedenen Farben. Immerhin ein Anbieter hat die Vielfalt der vergangen Jahrzehnte noch nicht vergessen. Die Pro-Idee GmbH propagiert im aktuellen Katalog die Rückkehr der modischen Schwimmmütze und bietet "die Badekappe der 1920er Jahre" mit Bändchen unter dem Kinn an.

Beutelig und reich verziert

Handtasche der Sommermode

Handtaschen-Sommermode

Früher noch als Sinnbild der Spießigkeit schlechthin verschrieen, findet sie nun klammheimlich Einzug in die Modevorstellungen der jüngeren Generation: Die Jugend ist auf die Handtasche gekommen. Noch vor einigen Jahren hätten junge Leute Taschen "doof" gefunden, sagt Traudel Albrecht-Fuchs, Modeberaterin der Offenbacher Ledermesse. In diesem Sommer seien sie nun aber wieder angesagt – groß, lässig und mit einer "weichen Optik". "Die vorherrschende Form ist beutelig, sackmäßig, nicht mehr so steif und kantig wie im vergangenen Jahr", erläutert die Taschenexpertin. Die Farbpalette reicht von erdigen Braun-Beige-Tönen bis zu weißer oder sandiger Farbgebung. In jedem Fall gehe der Trend weg vom lange Zeit allgegenwärtigen Schwarz.

Handtaschenoffensive

Handtaschen-Sommermode für Männer

Praktisch orientiert ist bei der Taschenwahl auch das starke Geschlecht. "Nachdem die Herrenhandtasche völlig out war, haben die Männer die Tasche jetzt wieder für sich entdeckt", sagt Albrecht-Fuchs. So genannte Boten- oder Kuriertaschen in Übergröße seien bei beiden Geschlechtern hipp. Quer über die Schulter getragen, nutzen modebewusste junge Leute sie auch als Business-Tasche. Ihrer Ansicht nach sei das "die neue Herrenhandtasche".

Büstenhalter mit kaum noch spürbarer Struktur

Ende 2004 könnte die Erfindung des Büstenhalters revolutioniert werden. Waren vor kurzem Push-Ups der letzte Schrei, hat sich nun der Franzose Didier Roffidal etwas gänzlich Neues und Innovatives einfallen lassen. In nur einer Minute kann ein Silikon-BH geformt werden, der verspricht, die weibliche Brust ganz sanft zu umhüllen. Das Prinzip ist einfach: Das Flüssig-Silikon wird in eine Form gespritzt, in dem die Körbchen-Struktur und der Stoff bereits bereit liegen. Durch kurzes Erhitzen verfestigt sich das Silikon – und fertig ist der neue BH. Auch Entwürfe für Badeanzüge oder Bikinis aus Silikon sind denkbar. Schließlich hat Silikon den Vorzug, ultraviolette Strahlung, Chlor und Salzwasser bestens auszuhalten.

Strumpfhosen aus der Sprühdose

bodypainting

Strumpfhose statt mühevolles Bodypainting - der neue Trend aus Japan macht's möglich!

Die Technik macht vieles möglich. Die Zeit des ewigen Ärgers mit den Laufmaschen neigt sich dank einer neuen Erfindung ihrem Ende entgegen: Wenn junge Japanerinnen auf die Piste gehen, brauchen sie sich um empfindliche Strumpfhosen keine Gedanken zu machen. Seit neuestem gibt es nämlich Strumpfhosen zum Sprühen. Das extrem feine Puder wird mit einer Spraydose einfach direkt auf die Beine gesprüht. Die "Air Stockings" wirkten wie echte Strumpfhosen, schreibt das japanische Szene-Magazin "Tokyo Shukan". Es gibt sie in den drei Farben "Bronze", "Natur" und "Terrakotta". Die 50-Gramm-Dose ist in Tokios Szeneviertel Shibuya für 1600 Yen (12 Euro) erhältlich.

Was wird den Daniel Düsentriebs der Modebranche wohl als nächstes in den Sinn kommen? Zunächst bleibt hauptsächlich eine Frage offen: Was wird uns die Herbst-Winter-Saison wohl bescheren?