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Deutschland

Altkanzler Schmidt: So sahen ihn die anderen

Er wurde mehr respektiert als gemocht. Als Kanzler war er dominant, manchmal gar arrogant, als Publizist omnipräsent mit einem Hang zur Besserwisserei. Er erntete höchstes Lob, bot aber auch viel Angriffsfläche.

Er war "von rustikaler Zuneigung".

Susanne Schmidt, Tochter des Altkanzlers, über ihren Vater in einem der sehr seltenen Interviews anlässlich seines 90. Geburtstages 2008.

"Die Chemie stimmte nicht….wir haben uns respektiert, aber nicht sonderlich gemocht."

Helmut Kohl, Schmidts Nachfolger im Kanzleramt 1983, rückblickend über sein eher angespanntes Verhältnis zu ihm.

"Schmidt ist der bessere Schauspieler, ich bin der bessere Politiker."

Franz-Joseph Strauß 1980. Beide, Schmidt und Strauß, waren herausragende Vertreter der rhetorischen Rede im Bundestag und Kontrahenten im Bundestagswahlkampf des gleichen Jahres, aus dem Schmidt als Sieger hervorging.

Helmut Schmidt und Hans-Dietrich Genscher (Foto: picture-alliance/dpa)

Notwendige Partner, aber keine tiefere Beziehung: Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher und Kanzler Schmidt 1977

"Er spricht von Pflichtgefühl, Berechenbarkeit, Machbarkeit, Standhaftigkeit. (….) Das sind Sekundärtugenden. Ganz präzise gesagt: Damit kann man auch ein KZ betreiben."

Oskar Lafontaine, parteiinterner Kritiker Schmidts 1982.

"Man musste ihm widersprechen, dann fiel die Selbstgefälligkeit von ihm ab."

Regierungsmitglied Gerhart Baum (FDP, Innenminister) unmittelbar nach Schmidts Tod über seine Erlebnisse mit dem Kanzler am Kabinettstisch.

"Ja, es war eine komplizierte Beziehung für mich."

Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher (88) über sein distanziertes Verhältnis zu seinem Kabinettskollegen und späteren Regierungschef.

"Ich meine, wesentlich mit dazu beigetragen zu haben, dass es auf den Parteitagen zu einigen schwierigen Gegenständen Mehrheiten gegeben hat, die Du als Regierungschef für unentbehrlich gehalten hättest. In Wirklichkeit musst Du selbst wissen, dass Du ohne mich kaum länger, sondern wohl eher kürzer und vielleicht mit weniger Erfolg im Amt gewesen wärst…."

Willy Brandt in einem Brief an Schmidt am 2. November 1981. Damals ging es um die Frage, ob ein sozialdemokratischer Bundeskanzler (Schmidt) zwingend auch Parteivorsitzender sein solle, was Brandt zu dem Zeitpunkt war.

"Schmidt hat sein Leben lang die Partei verachtet."

Helmut Kohl 1983 über Schmidt und die SPD.

100 Jahre Willy Brandt Wahlkampf Helmut Schmidt (Foto: picture-alliance/Klaus Rose)

Kein einfaches Verhältnis. SPD-Parteichef Brandt und Kanzler Schmidt beim schwierigen Schulterschluss

"Mein Rat: Du solltest der Partei manchmal noch stärker den Eindruck vermitteln, dass Du um sie wirbst und Dich mit dem identifizierst, was sie in ihrer großen Mehrheit darstellt."

Willy Brandt in einem Brief an Schmidt vom 13. Juni 1976, vier Monate vor der Bundestagswahl.

"Ohne Sie wäre der Fall minder glücklich abgelaufen, und glücklich ist ja immer noch relativ."

Rudolf Augstein, Herausgeber des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", in einem Brief kurz nach der Befreiung der entführten Geiseln der Lufthansa-Maschine "Landshut" in Mogadischu vom 18. Oktober 1977. Helmut Schmidt hatte den Befehl zur Stürmung der Maschine gegeben.

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