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Aktuell Deutschland

Altkanzler Schmidt für Lebenswerk geehrt

Altbundeskanzler Helmut Schmidt kann einen neuen Preis zu seiner beachtlichen Sammlung stellen. In Münster erhielt er für seine Bemühungen um ein friedliches Europa den Westfälischen Friedenspreis.

Wahrend der Verleihung des Preises des Westfälischen Friedens sitzt Preisträger Altkanzler Helmut Schmidt im Rathauses in Münster (Foto: dpa)

Altkanzler Helmut Schmidt Verleihung Westfälischer Friedenspreis

Rund 30 Jahre nach dem Ende seiner Amtszeit ist der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt (siehe Artikelbild) in Münster als einer "der bedeutendsten Wegbereiter des friedlich geeinten Europas" geehrt worden. Der 93-Jährige, der von 1974 bis 1982 Kanzler war, wurde am Samstag im historischen Rathaus mit dem Westfälischen Friedenspreis ausgezeichnet.

Als bedeutender Wegbereiter gewürdigt

Der höchstdotierte deutsche Friedenspreis erinnert seit 1998 an den Westfälischen Frieden von 1648, der den Dreißigjährigen Krieg beendete. In seiner Laudatio sagte Reinhard Zinkann, der Vorsitzende der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe: "Wenn heute eine militärische Auseinandersetzung zwischen den Staaten Europas nicht mehr denkbar ist, dann verdanken wir dies Menschen wie Helmut Schmidt."

Gemeinsam mit dem ehemaligen französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d'Estaing habe der SPD-Politiker "eine Reihe entscheidender Weichen für den Weg der europäischen Integration" gestellt. Die Schaffung des Europäischen Rats, die Einführung eines Europäischen Währungssystems und der Europäischen Währungseinheit ECU 1979 und die Gründung des Weltwirtschaftsgipfels 1975 seien auch seine Verdienste.

Schmidt mahnt Deutschland und EU

In seiner Dankesrede mahnte der Altkanzler, dass die EU scheitern könne - und das "durchaus an den Deutschen". Schmidt sagte: "Wir müssen nicht nur Fürsprecher der Europäischen Union sein. Sondern wir müssen - weit darüber hinaus - proaktiv handeln und agieren." Deutschland müsse sich für die europäische Einheit einsetzen und sich dabei an die Staaten erinnern, die Deutschland in den schwierigen Zeiten der 40er und 50er Jahre geholfen haben. "Deutschland darf nicht für den Zerfall der EU verantwortlich werden."

Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt beim Rauchen (Archivfoto 2011, dpa)

Bei der Preisverleihung verzichtete der passierte Raucher Helmut Schmidt auf die geliebte Zigarette

Der 93-Jährige, der zu den Herausgebern der renommierten Wochenzeitung "Die Zeit" gehört, kritisierte auch die Einrichtungen der Europäischen Union. Institutionell habe die EU keine wirksamen Fortschritte beim Versuch einer europäischen Verfassung gemacht.

Weiterer Preis an Kinderhilfsprojekt

Schmidt teilt sich den Preis in diesem Jahr mit der Organisation "Children for a better world". Die beiden Auszeichnungen sind mit je 50 000 Euro dotiert. Das 1994 in München gegründete Kinderhilfswerk hat bislang nach eigenen Angaben weltweit 1.200 Kinderprojekte mit insgesamt 25 Millionen Euro gefördert. Bei der Organisation entscheiden Kinderbeiräte mit über die Vergabe von Fördermitteln.

Der Preis würdigt Einzelpersonen und Institutionen, die ein Vorbild für Ausgleich und Frieden in Europa und in der Welt sind. Vergeben wird die Ehrung alle zwei Jahre von der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe. Zu den früheren Preisträgern zählen der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan, Altkanzler Helmut Kohl (CDU) und der frühere tschechische Präsident Vaclav Havel.

kle/det (dpa, epd, kna, dapd)

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