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Deutschland

Altkanzler Gerhard Schröder wird 65

Sieben Jahre lang war er Bundeskanzler. In seine Amtszeit fiel der erste Kampfeinsatz deutscher Soldaten im Ausland, die Kriege in Afghanistan und im Irak. Nun wird Schröder 65 Jahre alt - Anlass für eine Rückschau.

Gerhard Schröder nach der Abstimmung zur Agenda 2010 auf dem Parteitag der SPD im Berliner Hotel Estrel am Sonntag, 1. Juni 2003. (Quelle: AP)

Es war ein fast märchenhafter Aufstieg, der Gerhard Schröder, den Mann aus kleinen Verhältnissen, an die Spitze der Macht in Deutschland brachte.

Am 7. April 1944 wurde er als zweites Kind eines Hilfsarbeiters geboren und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Er machte zunächst eine kaufmännische Lehre, später holte er das Abitur nach und studierte Jura.

Gerhard Schroeder, damals 33 Jahre alt, besucht den Bundeskongress der Jungsozialisten in Hofheim bei Frankfurt am Main am 12. Feb. 1978. (Quelle: AP)

Schröder als Juso im Februar 1978

Seit den 60er-Jahren SPD-Mitglied mit Ambitionen auf hohe Ämter wurde er im Jahr 1978 Bundesvorsitzender der Jungsozialisten und kam 1980 zum ersten Mal in den Bundestag. Schon damals, so wird kolportiert, soll er nach einem feucht-fröhlichen Abend am Zaun des Kanzleramts in Bonn gerüttelt und geschrieen haben: "Ich will hier rein."

Ins Kanzleramt

Und er kam rein. Im September 1998 lösten SPD und Grüne die Koalition aus CDU und FDP ab und am 27. Oktober 1998 wurde Schröder Bundeskanzler.

"Regieren macht Spaß", verkündete er kurz nach der Wahl gut gelaunt und ließ sich im feinen Zwirn und mit Zigarre im Mund ablichten. Doch schon bald holte ihn die Realität ein. Denn die neue Regierung übernahm im Januar 1999 turnusgemäß den Ratsvorsitz der Europäischen Union, nur drei Monate später begann der Kosovo-Krieg. Es war der erste Kampfeinsatz, an dem deutsche Soldaten teilnahmen.

Solidarität mit den USA

Schröder im Jahr 2000 - mit der typischen Zigarre (Foto: AP)

Schröder im Jahr 2000 - mit der typischen Zigarre

Die Terroranschläge vom 11. September 2001 stellten die Bundesrepublik vor neue Herausforderungen. Schröder stellte sich an die Seite der USA und sagte der Regierung Bush die "uneingeschränkte Solidarität" der Bundesrepublik zu: "Dies ist eine Kriegserklärung gegen die gesamte zivilisierte Welt. Das deutsche Volk steht in dieser schweren Stunde fest an der Seite der Vereinigten Staaten von Amerika," sagte Bush damals in einer Fernsehansprache.

Diese Solidarität galt nicht mehr, als die US-amerikanische Regierung ihren Feldzug gegen den Irak plante. Das klare Bekenntnis gegen den Krieg sicherte Schröder und der SPD im Herbst 2002 die knappe Wiederwahl. Als der Krieg am 20. März 2003 begann, wandte sich Schröder wiederum in einer Ansprache an die Bürger: "Wir haben versucht, den Krieg zu verhindern, bis zur letzten Minute", sagte er damals. Mit dem Angriff auf den Irak sei die falsche Entscheidung getroffen worden. Darum bleibe es dabei: Deutschland beteilige sich nicht an diesem Krieg, sei aber bereit, humanitäre Hilfe zu leisten, sich um Flüchtlinge, Verletzte und verwundete Soldaten zu kümmern.

Reformen des Sozialsystems

Innenpolitisch fielen in Schröders Amtszeit tiefgreifende Reformen der sozialen Sicherungssysteme. Am 14. März 2003 verkündete er in einer Regierungserklärung die so genannte "Agenda 2010", mit der vor allem die Versorgung von Arbeitslosen verändert und eingeschränkt wurde.

Die SPD wurde durch den Umbau des Sozialsystems auf eine harte Zerreißprobe gestellt. Am 6. Februar 2004 gab Schröder den Parteivorsitz an Franz Müntefering ab, dem mehr Durchsetzungsvermögen in der Partei zugeschrieben wurde. Am 22.05.2005 erlitt die SPD bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen eine empfindliche Niederlage. Daraufhin leitete Schröder vorzeitige Neuwahlen ein, indem er sich im Parlament das Misstrauen aussprechen ließ.

Bundeskanzler Gerhard Schröder spricht im Bundestag in Berlin am Donnerstag, 14. April 2004. (Quelle: AP)

Schröder spricht im Bundestag

Doch die Bundestagswahl vom Herbst 2005 brachte nicht die erhoffte Klarheit. Sowohl die SPD als auch die CDU mussten Einbußen hinnehmen, beide politischen Lager standen sich in einer Patt-Situation gegenüber. Trotzdem wollte Schröder von einer großen Koalition nichts hören. Auch eine Bundeskanzlerin Angela Merkel erschien ihm unvorstellbar. "Glauben Sie im Ernst, dass meine Partei auf ein Gesprächsangebot von Frau Merkel bei dieser Sachlage einginge, in dem sie sagt, sie möchte Bundeskanzlerin werden", sagte er in einer Fernsehdebatte am Wahlabend und fügte hinzu: "Sie wird keine Koalition unter ihrer Führung mit meiner sozialdemokratischen Partei hinkriegen. Das ist eindeutig. Machen Sie sich da mal gar nichts vor."

Doch die große Koalition wurde dennoch geschmiedet, Merkel wurde Regierungschefin und die SPD ihr Juniorpartner. Am 23. November 2005 legte Schröder sein Bundestagsmandat nieder und schied aus der Politik aus.

Nur wenige Wochen später wurde er Aufsichtsratschef der russisch-deutschen Betreibergesellschaft der geplanten Ostsee-Gaspipeline von Vyborg nach Greifswald, deren Bau er zuvor als Kanzler gegen alle Widerstände durchgesetzt hatte.

Schröder ist in vierter Ehe mit Doris Schröder-Köpf verheiratet, die eine Tochter mit in die Ehe gebracht hat. Das Paar hat zusätzlich zwei Kinder aus Russland adoptiert.

Autorin: Bettina Marx

Redaktion: Kay-Alexander Scholz