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Alltagsdeutsch – Podcast

Alternatives Eis

Speiseeis ist bei den Deutschen sehr beliebt. Sehr viele müssen auf den Genuss jedoch verzichten. Sie leiden unter einer Allergie. Abhilfe schaffen soll eine Pflanze, die in Deutschland wächst: die Blaue Süßlupine.

Zwei Löffel mit Lupineneis

Lupinen-Eis: Genuss ohne Reue für Allergiker

Sprecher:
Acht bis zwölf Millionen Menschen in Deutschland reagieren allergisch auf Milcheiweiß oder Milchzucker. Bisher mussten sie auf Frucht- oder Soja-Eis zurückgreifen. Eine Firma aus Neubrandenburg im Osten Deutschlands schafft Abhilfe mit einem milchfreien Eis: Lupinesse. Es wird hergestellt mit Proteinen der Blauen Süßlupine. Gerhard Kloth von der Firma Prolupin sagt, wie er auf die Idee kam.

Gerhard Kloth:
"Ich komme aus der Eisbranche, hab Eiskonditor auch noch gelernt und früher schon handwerklich Eis hergestellt. Und meine Frau und meine Tochter vertragen keine Milch. Und ja, so ungefähr: 'Papa kannst du nicht ein Eis machen, wo keine Milch drin ist?'."

Sprecher:
Gerhard Kloth hat sein Handwerk von Grund auf gelernt, er kommt aus der Branche. Da seine Frau und seine Tochter gesundheitliche Probleme bekamen, weil sie Milch-Eis nicht vertrugen, begann er nach Ersatz für Milcheiweiß und Milchzucker zu suchen. Zunächst dachte er an Soja.

Gerhard Kloth:
"So ne, Soja geht gar nicht, kommt gar nicht in Frage. Ist 'n reiner Import, und Soja ist auch gentechnisch so stark verändert worden, dass man eigentlich kaum noch weiß: Hab ich 'ne natürliche Pflanze oder hab ich eine gentechnisch veränderte Pflanze? Und das war der Ausgangspunkt zu sagen: Okay, wir müssen was Einheimisches nehmen."

Sprecher:
Gerhard Kloth entschied sich für die Blaue Süßlupine, was Einheimisches, das in Deutschland wächst. Denn Eis aus Soja herzustellen, kam gar nicht in Frage oder ging gar nicht. Denn Soja wächst nicht in Deutschland, es muss importiert werden. Und das Erbgut der Pflanze wurde so lange gentechnisch verändert, um sie widerstandsfähig zu machen, dass die natürlichen Wirkstoffe nicht mehr vorhanden sind. Und das, so Kloth, wollen die Menschen nicht. Kloth überwacht in der kleinen Werkhalle, wie aus den Samen der Süßlupine die Eiweißstoffe mittels eines Dekanters herausgefiltert werden.

O-Töne:
"Frank – kannst Du den Dekanter mal anmachen, den großen?/Anmachen?/Ja."

Sprecher:
Schon die Inkas kannten in der Sonne gerösteten Lupinensamen als Nahrungsmittel. Die Römer setzten die anspruchslose Pflanze als Dünger ein. Im Mittelmeerraum werden eingelegte Lupinensamen als Snack in Bars gereicht, in Deutschland nutzte man Lupinen lange vor allem als Tierfutter. Als Nahrungsmittel geriet die Pflanze hier erst Ende der 1990er Jahre verstärkt in den Blickpunkt. 2011 brachte die Firma Prolupin dann das erste Speiseeis auf der Basis von Lupineneiweiß auf den Markt. Und damit traf man offenbar einen Nerv, sagt Katrin Petersen.

Katrin Petersen:
"[Das beweisen] die Rückkopplungen, die wir auch einfach bekommen, wo Leute wirklich uns mitteilen, dass schon lange solche Produkte eigentlich gebraucht werden, weil man hat in Deutschland ungefähr 15 bis 20 Prozent Leute, die keine Laktose vertragen, und solche Produkte werden ebend auch zunehmend wichtiger!"

Sprecher:
Alle diejenigen, die keinen Milchzucker, keine Laktose, vertragen, hatten laut Katrin Petersen nur auf laktosefreies Eis gewartet. Sie gaben entsprechendes positives Feedback, Rückkoppelungen. Erfolgreich seien solche Eisprodukte allerdings nur, wenn sie genauso schmeckten wie echte Milchprodukte. Maßstab bei der Entwicklung von Lupinesse beispielsweise sei daher von Anfang an gewesen, dass es sich in Geschmack und Konsistenz nicht von einem herkömmlichen Sahneeis unterscheiden solle. Dass das gelang, so Gerhard Kloth, liegt vor allem an der Blauen Süßlupine.

Gerhard Kloth:
"Die Vorteile sind, dass wir also wesentlich weniger störende Begleitstoffe haben. Also Giftstoffe oder Purine und all solche Sachen. Die muss man mit relativ großem Aufwand bei Soja entfernen, während man sie bei der Lupine gar nicht erst drin hat. Der andere nächste große Vorteil ist, dass wir dort also einen sehr, sehr hohen Proteingehalt haben, also fast vom Niveau her wie Soja haben, und dass dieses Protein ebend hervorragende Eigenschaften hat."

Sprecher:
Das Eiweiß der Lupine entspricht also fast dem der Sojapflanze, es hat – wie Kloth sagt –ebend hervorragende Eigenschaften. In der gesprochenen Sprache wird manchmal das "d" an die Partikel eben angefügt. Die Bedeutung ändert sich nicht. Mit eben soll eine Tatsache betont werden. Lupinenprotein lässt sich im Unterschied zu Sojaprotein allerdings gut bearbeiten. Aber die Lupine soll nicht nur Grundlage für die Eisproduktion sein.

Katrin Petersen:
"Uns schwebt zum Beispiel vor, Pudding, Joghurt, Milch, in diese Richtung also auch weitere Produkte zu entwickeln. Und realistisch ist, dass wir wirklich 2014/Ende 2015 mit 'ner großen Palette von lupinenbasierten Produkten an den Markt kommen können."

Sprecher:
Katrin Petersen und ihre Kollegen überlegen, ihnen schwebt vor, viele andere Produkte zu entwickeln und dann eine komplette Produktpalette anzubieten, sie auf den Markt zu bringen. Eine Produktpalette umfasst alle Artikel, die ein Unternehmen verkauft. Gerhard Kloth greift in einen Sack mit getrockneten, platt gedrückten – gewalzten – Lupinenkernen.

Gerhard Kloth:
"Das ist unser Rohstoff, den wir hier verarbeiten. Also, diese Flakes, etwa 50 Prozent Eiweiß und die andere Hälfte sind sogenannte Fasern. Und das trennen wir, so dass wir auf der einen Seite ein eigenes Isolat haben und auf der anderen Seite eine Faser haben. In einer nächsten Phase wird die Phase auch zu einer Lebensmittelzutat weiterentwickelt. Können Sie zum Teil Mehl ersetzen."

Sprecher:
Zusammen mit insgesamt 14 Partner-Unternehmen, darunter regionale Bäckereien und Teigwarenhersteller, entwickelt Prolupin derzeit neben weiteren laktosefreien Milchersatzprodukten auch Produkte ohne Gluten, glutenfreie Produkte. Denn auch dieses Proteingemisch, das unter anderem in Weizen, Roggen und Dinkel vorkommt, verträgt neuesten Studien zufolge einer von 200 bis 500 Menschen in Deutschland nicht. Aus den Lupinensamen wird dann demnächst nicht mehr nur Eiweiß-Isolat gewonnen. Auch die Fasern, langkettige Kohlenhydrate werden weiterverarbeitet – zu Mehlersatz. Und wer weiß, ob es nicht auch bald einen Fleischersatz gibt. Ähnlich wie Tofuwürstchen aus Sojabohnenteig könnte es vielleicht auch bald Lupinenwurst geben, sagt Walter Kienast von einer Partnerfirma aus Greifswald:

Walter Kienast:
"Zum einen ist es so, dass gerade in den letzten zwei Jahren die Anforderung gekommen sind, ganz klar ohne Geschmacksverstärker, ohne Laktose, ohne Gluten, so weit es dann immer möglich ist. Die erste Phase wird so sein, dass wir die Fettgehalte senken werden in der Wurst, und in der zweiten Phase werden wir Produkte entwickeln, die keine tierischen Eiweiße enthalten."

Sprecher:
Allerdings: Bis die Blaue Süßlupine also tatsächlich zum sogenannten "Soja des Nordens“ wird, als das sie bereits häufig gefeiert wird, ist es noch ein langer Weg. Aber, sagt Gerhard Kloth, die ersten Schritte sind getan.

Gerhard Kloth:
"Dieser Trend hält seit Jahren an, dass die Nachfrage nach Proteinen in der Lebensmittelindustrie wächst, im zweistelligen Prozentbereich. Und da sagen wir natürlich: Ihr müsst nicht Soja nehmen. Wir können das alles sehr gut und wahrscheinlich besser mit Lupine machen."



Fragen zum Text

Ein Produkt, das nicht aus dem Ausland kommt, ist …
1. importiert.
2. dort heimisch.
3. ein heimisches.

Jemand, der keinen Milchzucker verträgt, sollte nur … Produkte essen.
1. laktosefreie
2. glutenfreie
3. zuckerfreie

Etwas, das im zweistelligen Prozentbereich wächst, beträgt ….
1. weniger als zehn Prozent.
2. einhundert Prozent.
3. mindestens zehn Prozent.


Arbeitsauftrag
Setzen Sie die folgenden Begriffe ein: auf den Markt bringenverträglichvorschwebenPaletteisolierenersetzennicht in Frage kommen. Bilden Sie anschließend eigene Lückentext-Sätze, in denen Sie Begriffe aus dem Text verwenden.

Herr Meier wechselt die Stelle. Sein Chef muss Herrn Meier für die Zeit, bis er einen neuen Mitarbeiter gefunden hat, __________. Ihm ­­­­_________ eine bestimmte Mitarbeiterin _______. Er fragt sie. Sie überlegt und sagt: "Das ________ für mich momentan noch __________! Ich glaube, meine Kollegen würden mich nicht akzeptieren. Ich würde mich _______ fühlen." Eine Pharmafirma entwickelt ein neues Medikament für Haustiere. Sie will es möglichst schnell ___________. Es soll ________ sein und keine Nebenwirkungen haben. Das Medikament würde die _________ für Haustier-Produkte ergänzen.

Autorinnen: Lydia Heller; Beatrice Warken
Redaktion: Ingo Pickel

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