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Welt

Alternativer Nobelpreis erstmals an Chinesen

Die Alternativen Nobelpreise gehen in diesem Jahr an eine Anwältin aus dem Tschad, eine Hebamme aus den USA und eine Nichtregierungsorganisation aus Spanien. Erstmals geht auch ein Preis nach China.

Logo des The right Livelihood Award (Logo: The Right Livelihood Award)

Der Alternative Nobelpreis heißt offiziell "The Right Livelihood Award"

Der chinesische Solarunternehmer Huang Ming steht bei der Entgegennahme eines Innovationspreises in Peking Anfang des Jahres mit einem Mikrofon in der Hand auf einer Bühne (Foto: dpa)

Huang Ming, hier bei der Entgegennahme eines Innovationspreises in Peking Anfang des Jahres

Den nicht dotierten Ehrenpreis erhält der chinesische Solarunternehmer Huang Ming für seinen Einsatz für die Solartechnologie in China. Dies teilte die Right-Livelihood-Stiftung, die jedes Jahr die als Alternative Nobelpreise bekannt gewordenen Right Livelihood Awards, vergibt, am Donnerstag (29.09.2011) in Stockholm mit. Der 53-Jährige zeige "mit seinem herausragenden Erfolg, wie dynamische Schwellenländer dazu beitragen können, die globale Krise des von Menschen verursachten Klimawandels zu überwinden", hieß es in der Begründung der Jury.

Huang Ming arbeitete früher als Ingenieur in der Ölbranche in der Fünf-Millionen-Einwohner-Stadt Dezhou im Osten Chinas. Mit der Geburt seiner Tochter begann er sich Sorgen über die Umweltverschmutzung zu machen. Sein Gehalt nutzte er, um es in die Solarforschung zu investieren. Später war er als Abgeordneter im chinesischen Volkskongress maßgeblich an einem Gesetz über erneuerbare Energien beteiligt, das 2006 in Kraft trat. Heute ist er der Chef seines eigenen Solarunternehmens.

Einsatz für die Diktatur-Opfer im Tschad

Porträt von Preisträgerin Jacqueline Moudeina aus dem Tschad (Foto: ap)

Preisträgerin Jacqueline Moudeina aus dem Tschad

Die anderen drei Preisträger teilen sich das Preisgeld in Höhe von 150.000 Euro. Die Anwältin Jacqueline Moudeina aus dem Tschad wird nach Angaben der Jury für ihren furchtlosen Einsatz ausgezeichnet, den früheren Diktator Hissène Habré vor Gericht zu bringen. Als Begründung schrieb die Jury, dass die 54-Jährige sich unermüdlich und unter großem persönlichen Risiko dafür eingesetzt habe, den Opfern von Tschads ehemaliger Diktatur, Gerechtigkeit zukommen zu lassen. Zudem habe sie sich dafür eingesetzt, das Bewusstsein für Menschenrechte in Afrika zu stärken.

Der Diktator Hissène Habré war von 1982 bis 1990 Präsident des Tschad. Unter seiner Herrschaft sollen tausende Menschen ermordet worden sein. 1990 floh der Diktator in den Senegal. Jacqueline Moudeina sammelte Beweise für seine Taten und klagte ihn und seine Getreuen im Jahr 2000 an. Bis heute betreibt Moudeina die Auslieferung Habrés, möglicherweise nach Belgien, damit den Opfern und Hinterbliebenen Gerechtigkeit widerfahren kann. 2001 warf einer der Mitbeschuldigten bei einer friedlichen Demonstration eine Granate auf Moudeina und schoss auf sie. Moudeina überlebte. Als Präsidentin einer Menschrechtsorganisation setzt sie sich weiter für die Opfer der Diktatur ein.

Geburtsmethoden und Rechte bäuerlicher Gemeinschaften

Porträt der Preisträgerin Ina May Gaskin aus den USA (Foto: ap)

Preisträgerin Ina May Gaskin aus den USA

Die US-Amerikanerin Ina May Gaskin wurde geehrt "weil sie Geburtsmethoden lehrt und verbreitet, die Frauen in den Mittelpunkt stellen und die körperliche wie geistige Gesundheit von Mutter und Kind fördern", so die Right-Livelihood-Stiftung. 1972 hat die Hebamme im US-Bundesstaat Tennessee ein Zentrum für Geburtshilfe gegründet. Seitdem hat sie nach eigenen Angaben bei mehr rund 1200 Geburten ohne Medikamente geholfen. "Als Pionierin in einem jahrtausendealten Beruf, der in ihrem Land kurz vor dem Aussterben ist, verknüpft sie wissenschaftliche Grundlagen mit ihrer eigenen großen Erfahrung bei Naturheilmethoden", lobte die Jury.

Als einzige Organisation wurde die spanische Nichtregierungsorganisation GRAIN geehrt. Sie setzt sich für die Rechte von Bauern in Entwicklungsländern ein. GRAIN erhält den Preis "weil ihre weltweite Arbeit die Lebensgrundlage und Rechte bäuerlicher Gemeinschaften schützt und den massiven Aufkauf von Ackerland in Entwicklungsländern durch ausländische Finanzinvestoren entlarvt."

Der Right Livelihood Award

Der als Alternativer Nobelpreis bekannt gewordene Right Livelihood Award wird seit 1980 jedes Jahr im Dezember wenige Tage vor den traditionellen Nobelpreisen im Stockholmer Reichtstag verliehen. Er ehrt Menschen und Organisationen, die Lösungen für die drängendsten Probleme unserer Zeit gefunden haben. Damit würdigt der Preis Menschen für ihren Einsatz unter anderem für Menschenrechte, für Konfliktlösungen und den Schutz der Umwelt.

Der Right Livelihood Award ist im Gegensatz zum Nobelpreis nicht in Kategorien unterteilt. Die Right-Livelihood-Stiftung schreibt dazu auf ihrer Internetseite: "Denn oft sind es gerade jene neuen Wege und Lösungsansätze, die in keine Schublade passen wollen, die den Problemen unserer Zeit am besten gerecht werden." Das Gesamtpreisgeld beträgt in diesem Jahr 150.000 Euro und wird durch Spenden finanziert. Mit dem Geld wird die Arbeit der Preisträger unterstützt. Es ist nicht für den persönlichen Gebrauch der Preitsträger bestimmt. Der Ehrenpreis ist nicht dotiert. Die Alternativen Nobelpreise werden am 5. Dezember im Schwedischen Parlament verliehen.

Autor: Marco Müller (dpa, afp, kna, ap)
Redaktion: Friedel Taube