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Wirtschaft

Alternative Banken kennen keine Finanzkrise

Hochkomplexe Finanzprodukte ohne Bezug zur Realwirtschaft: Was bei vielen Banken Alltag ist, machen alternative Banken nicht. Sie sind bodenständiger, kennen keinen Handel mit Derivaten - und keine Finanzkrise.

GLS-Logo. Quelle: dpa

Die GLS ist mit einer Bilanzsumme von einer Milliarde Euro das größte ethisch-ökologische Geldinstitut in der Bundesrepublik

Alternative Banken sind im Zusammenhang der internationalen Finanzkrise gefragter denn je. Europaweit. Die Gemeinschaftsbank GLS beispielsweise, mit einer Bilanzsumme von einer Milliarde Euro das größte ethisch-ökologische Geldinstitut in der Bundesrepublik, erwartet bis zum Jahresende einen Wachstumssprung von 25 Prozent. Unter den milliardenweit gespannten Rettungsschirm der Bundesregierung muss sie sich nicht flüchten, da sie aus Prinzip keinen Handel mit Derivaten betrieben hat, sondern ausschließlich Projekte aus den Bereichen der ökologischen Landwirtschaft, regenerativer Energien und sozialer Einrichtungen wie Hebammenhäuser und Schulen mit Krediten finanziert. Und zwar realwirtschaftlich einträglich.

Nachhaltig und sozial

Muhammad Yunus. Quelle: dpa

Der Gründer einer alternativen Bank in Bangladesh, Muhammad Yunus, erhielt dafür in 2007 den Friedensnobelpreis

Mit diesen Prinzipien steht die GLS global nicht allein da. So gehört die deutsche GLS ebenso wie Alternativbanken aus Italien, Schweden, Norwegen, Großbritannien, Dänemark und der Schweiz der "International Association of Investors in the Social Economy", kurz INAISE, an. "INAISE ist eine Vereinigung von Institutionen, die sich weltweit im nachhaltigen und sozialen Bereich engagieren wollen", erklärt GLS-Vorstandsmitglied Andreas Neukirch.

Dazu gehören Mikrofinanzierer aus dem asiatischen Raum ebenso wie Alternativ-Banken von der Nordhalbkugel, deren aktuelle Bilanzsumme sich der zehn Milliarden Euro-Marke nähert. "Bei der Verwendung von Geld orientieren wir uns an den Bedürfnissen der Menschen", sagt Neukirch.

Finanzierung von regenerativen Energien

Bei der Kooperation der INAISE-Mitglieder wird, so Andreas Neukirch, die GLS aufgrund ihrer Erfahrung öfters um Rat gefragt, wenn es um die Finanzierung von regenerativen Energien geht. Bei Projekten aus dem sozialen Bereich wird die Frage nach dem globalen Geldfluss sogar eher in umgekehrter Richtung gestellt: Die südlichen Länder bieten den Industrieländern Beteiligungen an.

Und die monetären Möglichkeiten gibt es durchaus. Immerhin haben immer mehr Kapitalanleger, die Wert auf verantwortungsvollen Umgang mit Geld legen, den Weg zu den alternativen Banken gefunden. Jedenfalls in Europa.

Grenze überschritten

Börse. Quelle: ap

Die Finanzkrise spüren die alternativen Banken nicht

Die Finanzkrise hat die Mitglieder von INAISE keineswegs überrascht. "Wenn Derivate nur noch das gegenseitige Geldhin- und –herschieben bewerkstelligen sollen und der Bezug zur Realwirtschaft dann fehlt, dann ist auf dem Finanzmarkt eine entscheidende Grenze überschritten worden", sagt Neukirch.

Um Wege aus der Krise zu finden, plädieren die Alternativ-Banken von INAISE in einem Acht-Punkte-Programm für ordnungspolitische Rahmenbedingungen. Außerdem fordern sie eine breite Aufklärungs- und Bildungskampagne zu finanzwirtschaftlichen Themen.

Die Art und Weise, wie Geld angelegt, verzinst, verwendet werde und die Gesellschaft gestalte, müsse in viel stärkerem Maße in die Öffentlichkeit getragen werden, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung.

Neues Gremium

Damit politische Entscheidungsträger künftig alternative Konzepte nicht übergehen können, unterstützt INAISE das World Future Council des Trägers des Alternativen Nobelpreisträgers Jakob von Uexküll mit der Finanzierung eines Gremiums mit Standorten in Hamburg und London.

Anlagemöglichkeiten für möglichst hohe Renditen wird diese Kommission kaum liefern, sondern vielmehr Empfehlungen für international sozial verantwortliche Investitionen in eine gesellschaftliche Zukunft. Aber die Politik wäre um einen global verantwortungsbewussten Ratgeber reicher.

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