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Asien

Alternativ-Nobelpreisträger kämpft weiter

Der malaysische Verbraucheraktivist Anwar Fazal kämpft weltweit für die Rechte von Konsumenten. 1982 hat er dafür den Alternativen Nobelpreis bekommen. Bis heute setzt er sich weiter für die Rechte der Verbraucher ein.

Anwar Fazal sitzt in einem Büro und hat ein Buch aufgeschlagen (Foto: Anwar Fazal)

Verbraucheraktivist Anwar Fazal bekam den Alternativen Nobelpreis

1964 steht Anwar Fazal am Rednerpult und spricht zu malaysischen Studenten (Foto: anwarfazal.net)

1964 war Anwar Fazal Präsident des malaysischen Studentenverbandes

Anwar Fazal war schon zu seiner Studienzeit in Malaysia in den 1960er Jahren sehr aktiv, als er Wirtschaftswissenschaften und Pädagogik studierte. Er war Präsident des malaysischen Studentenverbandes und interessierte sich für sozialpolitische Themen. Als er etwas über die Verbraucherbewegung las, hatte er das Thema gefunden, das ihn sein ganzes Leben begleiten sollte.

"Jeder von uns ist Verbraucher. Und wir konsumieren nicht nur Waren, sondern auch beispielsweise die Luft und unsere Umwelt", erklärt Fazal. Dieses Thema verbinde Menschen - es umfasse Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und ökologische Nachhaltigkeit. "Ich sehe die Verbraucherbewegung in diesem breiten Kontext", so Fazal. Der 69-Jährige lebt heute in Penang in Malaysia, lehrt als Professor am USM Center for Public Policy and International Studies und ist immer noch sehr engagiert.

Verbraucher tragen Verantwortung

Anwar Fazal rät Verbrauchern, sich darüber zu informieren, unter welchen Bedingungen ein Produkt hergestellt wird und welche ökologischen und sozialen Folgen es haben kann, ein bestimmtes Erzeugnis zu konsumieren. "Daher müssen wir beim Konsumieren immer kritisch bleiben", betont Fazal. "Und wenn etwas falsch läuft, wenn wir Fehler an einem Produkt feststellen, müssen wir andere Menschen informieren und die Behörden damit konfrontieren - wir müssen handeln. Denn Verbraucherwissen ist nicht das, was auf dem Beipackzettel eines Produktes steht. Um mehr zu wissen, müssen wir uns in Gruppen zusammenschließen, solidarisch handeln und Forschungsinstitute hinzuziehen."

Darüber hinaus trügen Verbraucher auch eine ökologische und soziale Verantwortung. Ihr Handeln habe Folgen für die Umwelt. Dies sollten sie bei ihren Kaufentscheidungen einkalkulieren, so Fazal. Wenn Unternehmer zum Beispiel Menschen foltern oder ausbeuten, um ein Produkt herzustellen, dann würden Konsumenten, die die betreffenden Artikel kaufen, die miserablen Arbeitsbedingungen fördern, zeigt sich Anwar überzeugt.

Breite Bewegung

Zwei Zigarettenschachteln mit Warnhinweisen: Auf einer Schachtel sieht man einen Tumor, auf der anderen ein krankes Baby (Foto: dpa)

In Singapur werden die Warnhinweise bei Zigaretten mit Fotos unterstützt

Mittlerweile gibt es in den Entwicklungsländern eine breite Verbraucherbewegung. Immer mehr Gruppen setzen sich für die Rechte von Konsumenten ein. In China gibt es heute Hunderte von Verbraucherorganisationen, denn das Land ist nicht nur führend beim Produzieren, sondern auch beim Konsumieren von Gütern. In China, so Anwar Fazal, schauen die Verbraucher jetzt stärker auf die Qualität und Nachhaltigkeit von Produkten. "Die Menschen fordern sichere Produkte", sagt Anwar Fazal. Die Hersteller sieht der Träger des Alternativen Nobelpreises in der Verantwortung: "Damit die Hersteller Gewinne machen, beuten sie aber nicht nur ihre Arbeiter aus. Sie manipulieren auch die Konsumenten. Menschen werden zum Beispiel durch Werbung getäuscht."

Fazal sieht das Fernsehen als mächtiges Medium, das Gewohnheiten von Menschen beeinflusst. Und die Werbeindustrie sieht er als sehr einflussreich an, wie das Beispiel Tabakwerbung zeige: "Wir haben fast 50 Jahre gebraucht, um internationale Richtlinien durchzusetzen, die die Industrie zwingen, auf die Gefahren des Tabakkonsums hinzuweisen. Und der Kampf geht weiter."

Herausforderung Internet

Die Entwicklung des Internets stellt für Anwar Fazal eine große Herausforderung dar. Während Internet einerseits frei zugängliche Informationen bereithält, lassen sich diese Informationen andererseits im Netz aber auch viel leichter manipulieren. Für den 69-Jährigen ist klar, dass Menschen im Internet einfacher zu betrügen sind. Daher werde die Verbraucherbewegung wichtig bleiben - vor allem, weil permanent neue Produkte und Vermarktungssysteme entstünden. Die Konsumenten sollten sehr wachsam sein und sich auch global vernetzen.

Gleichzeitig müssten Verbraucherorganisationen sich trauen, Schuldige zu benennen, fordert Fazal. Sie müssten schlechte und gefährliche Waren weltweit anprangern - nur so könnten die Menschen sicherer, sozialer und umweltverträglicher konsumieren.

Autor: Hendra Pasuhuk
Redaktion: Marco Müller