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Kultur

Alter Orient im Dämmerschlaf

Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an die Türkei denken? DW-WORLD hat nachgefragt. Herbert Hoffmann-Loss, Ex-Generalkonsul in Istanbul, erzählt von einer Reise in die Ost-Türkei.

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Jedem europäischen Bild der Türkei steht sozusagen immer ein anatolisches gegenüber. Daran erinnert mich als ehemaligen Istanbuler immer wieder eine Aufnahme, die ich einmal vom schönen alten Hasan Keyf im fernen Osten der Türkei gemacht habe. Die malerische arabisch-anatolische Stadt liegt an einem wichtigen Übergang über den Tigris, nicht sehr weit von der Grenze nach Syrien und dem Irak. Mit den Spuren der byzantinischen Festung Cepha auf dem Burgberg und den großartigen Resten der mittelalterlichen muslimischen Stadt gehört Hasan Keyf schon ganz ins Zweistromland.

Mein Türkei-Bild

Europa ist so unendlich fern von hier! Nach Europa aber, Richtung Balkan und nach Wien, blickten schon die osmanischen Sultane, die sich wie von einem starken Magneten nach Westen ziehen ließen. Vollends und erst recht tat dies Kemal Atatürk. So blieben Orte wie Hasan Keyf dem Dämmerschlaf des alten Orients überlassen.

Doch die Stille täuscht. Die unzähligen Höhlen und Löcher in den Ruinen und Steilhängen über dem Tigris sind belebt, vor allem von Scharen zerlumpter Kinder, wieselflink und mit großen schwarzen und hellwachen Augen. Auch sie schauen nach Europa. Sie hören von Vettern und Freunden, die schon dort sind. Darum ist Hasan Keyf eben doch gar nicht so weit von uns. Wir fangen gerade erst an, es zu merken.

Herbert Hoffmann-Loss, Ex-Generalkonsul in Istanbul

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