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Kultur

Alte Tradition: Deutsch lernen in Lettland

Die Letten sollen und wollen wieder mit Begeisterung Deutsch lernen. Mit Max-und-Moritz-Theater startet das Goethe-Institut in Riga eine Kampagne zur Motivation.

Beschriebenes Schulheft und Kinderhände, die einen Stift halten, Quelle: DW

Für mehr Deutsch auf dem Stundenplan

Die Kinder klatschen vor Begeisterung in die Hände, als Thomas Diekhaus abrupt in seinem Max und Moritz-Gedicht unterbrochen wird. Ihre bunten Schirmmützen tief ins Gesicht gezogen, haben sich zwei böse Buben herangeschlichen und tragen den Zappelnden unter lautem Protest von der Bühne. Thomas Diekhaus leitet die Sprachabteilung des Goethe-Institutes in Riga und will die Kinder ermuntern, Deutsch zu lernen. Er sagt, die Kampagne sei deshalb notwendig, da die Zahl der Deutschlerner in Lettland jährlich um zirka zehn bis elf Prozent zurückgeht. "Und das hält schon seit dem Jahr 2000 etwa an."

Blick über die Düna auf die Altstadt von Riga , Quelle: DPA

Riga, Hauptstadt von Lettland, wirbt für Deutsch als Fremdsprache

So wie Max auf der Bühne noch heute die deutsche Sprache beherrscht und deshalb von einer Reise zu seinen deutschen Freunden träumt, so hat das Deutsche in Lettland seit dem Mittelalter den Ton angegeben. Im Jahre 1201 hat Bischoff Albert aus Bremen die Stadt Riga an der Düna, dem heutigen Fluss Daugava, gegründet. Als Stadt deutscher Kaufleute erlebte sie ihre wirtschaftliche Blüte, denn sie gehörte dem Bund der Hanse an und war wichtigster Umschlagplatz für den Handel mit Russland.

Schüler: Lieber Deutsch statt Russisch

Wer sich in Riga auf Ahnensuche begibt, der wendet sich an Ingrida Miklava. Sie ist Historikerin und beantwortet täglich Anfragen von deutschen Familien, die auf der Suche nach ihren Vorfahren in Riga sind. Denn 1939 siedelten die meisten Deutschen wieder nach Deutschland um. Abgeschottet von der westlichen Welt, blieben Lettland und seine Hauptstadt Riga fast ein halbes Jahrhundert den sowjetischen Machthabern unterstellt. Eng verbunden mit dem kommunistischen Deutschland, wurde Deutsch weiterhin als Fremdsprache gelehrt. Sogar zu Beginn der Unabhängigkeit setzte unter den lettischen Schülern eine neue Welle der Begeisterung für die deutsche Sprache ein: Denn nach dem Austritt aus der Sowjetunion 1991 wurde die Unterrichtspflicht für die russische Amtssprache abgeschafft.

Tatsächlich ist Deutschland mittlerweile Lettlands größter Handelspartner geworden. Die Wende hat auch zahlreiche Unternehmen zu millionenschweren Investitionen an der Ostsee ermutigt. Ganz in der Nähe von Riga stellt die Firma "Knauf" in ihrem neuen Werk Gipsplatten her, die auf dem Baltischen Markt, in Lettland, Litauen und Estland vertrieben werden. Natürlich müsse das Führungspersonal deutsch sprechen, meint der Betriebsleiter Peter Rumer, da die Filiale in Riga täglich im Kontakt mit Deutschland sei. "Das ist überhaupt nicht schwierig in Lettland Deutschsprechende zu finden und zwar gut Deutschsprechende," sagt Rumer. Fast jeder Zweite spreche deutsch.

Ministerium: Lieber Englisch statt Deutsch

Die Prüfungszahlen im Lettischen Bildungsministerium bewiesen allerdings eine andere Tendenz, meint Gundega Muceniece. Vor zwölf Jahren habe sich auf Empfehlung der Behörde Englisch als erste Fremdsprache durchgesetzt, deshalb habe sich die Zahl der Deutsch-Abiturienten mittlerweile halbiert. Anders als das Goethe-Institut sieht das Ministerium keinen Handlungsbedarf. "Das Bildungsministerium legt Wert auf die Mehrsprachigkeit, wobei der allgemeinen Tendenz zu Englisch als erster Fremdsprache auch in Lettland nicht auszuweichen ist."

Fahrkarte in fremde Länder

Zeichnung von Max und Moritz von Wilhelm Busch

Mit Max und Moritz spielerisch dazulernen

Auf der Bühne gerät der rauchende Max ins Wanken. Nach der ersten Zigarette dreht sich ihm der Kopf und er bekommt kein deutsches Wort mehr aus dem Mund. An den meisten Schulen in Lettland wurde Deutsch nicht nur von der englischen, sondern auch von der russischen Sprache verdrängt. Seit der Unabhängigkeit werden die russischen Schüler zwar bis zur Oberstufe in ihrer Muttersprache unterrichtet, neben Englisch ist aber die lettische Staatssprache Pflicht.

Eine Ausnahme bilden die Schulen mit erweitertem Deutschunterricht, wie das Gymnasium Agenskalns. Hier können die Schüler sogar ein Sprachdiplom erwerben, das ein Studium in Deutschland erlaubt. Und es gibt Chancen für Quereinsteiger wie die 15-jährige Linda, die ihre Liebe zur deutschen Sprache erst vor zwei Jahren entdeckt hat. "Ich konnte deutsch schon vorher vom Fernsehen, aus den Kinderprogrammen, damit bin ich aufgewachsen."

Die Zentralverwaltung des Goethe-Instituts in München, Quelle: DPA

Die Zentralverwaltung des Goethe-Instituts in München

Die Schüler im Musiktheater verstehen auch ohne Worte, dass Max und Moritz dem stolzen Hahn der Witwe Bolte an den Kragen wollen. Wer aber heute in Lettland die deutsche Sprache richtig lernen will und kein Angebot mehr an der Schule findet, der nimmt an einem Sprachkurs im Rigaer Goethe-Institut teil. "Das was die Schule versäumt, müssen die Leute unter anderem beim Goethe-Institut nachholen. Das ist gut für unseren Umsatz, aber schlecht für die deutsch-lettischen Beziehungen," sagt der Leiter des Goethe-Institutes Rudolf de Baey.

Auf der Bühne hat Moritz seinem Freund Max versprochen, dass er jetzt die ersten deutschen Vokabeln lernen will. Denn beide möchten sobald wie möglich in alle deutschsprachigen Länder Europas reisen. Gute Vorsätze, die sich sogar einige Schülerinnen zu eigen machen. Auch die 15-jährige Agate, die bereits Englisch und Russisch lernt, hat vor Deutsch zu lernen, weil sie es wichtig findet. Ein anderes Mädchen erzählt: "Ich heiße Linda Heiberga und bin acht Jahre alt, werde aber bald neun. Mein Vater fährt oft zur Arbeit nach Deutschland und spricht deutsch. Von ihm habe ich schon ein paar Worte gelernt. Jetzt lerne ich englisch, aber später möchte ich auch noch deutsch lernen."

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