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Wirtschaft

Alte Stärken neu entdecken

Der Bertelsmann-Konzern formiert sich neu. Nach dem Umbau der Konzernführung vor einigen Wochen stehen nun offenbar die Internet-Buchhandlung BOL und die Musiktauschbörse Napster kurz vor dem Aus.

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Konzentration auf das Kerngeschäft: Bertelsmann-Zentrale in Gütersloh

Bereits seit Wochen rumort es in der Gütersloher Konzernzentrale. Kaum hatte der Vorstandsvorsitzende Thomas Middelhoff seinen Hut genommen, machte sich sein Nachfolger Gunter Thielen daran, in der Konzernführung aufzuräumen. Das "Corporate Executive Council", das dem Vorstand zuarbeitete, fiel der Neuordnung ebenso zum Opfer wie das "Office of the Chairman", das für die Unterstützung des Vorstandschefs zuständig war. Beide Gremien waren von Middelhoff gegründet worden. Darüber hinaus ging es der für Beteiligungen und Übernahmen zuständigen Gesellschaft BertelsmannCapital an den Kragen.

Mit seinen Maßnahmen will Thielen den einzelnen Unternehmensbereichen wieder mehr Gestaltungs- und Entscheidungsfreiheit einräumen. "Ein Großteil des Erfolges von Bertelsmann ist auf die dezentrale Organisationsform zurückzuführen", schrieb er in einem Brief an seine Mitarbeiter.

Verkaufsgerüchte um e-Commerce-Bereich

Im Rahmen dieser Organisationsform setzt Thielen auch bei der Personalpolitik Akzente. So musste der Chef der Bertelsmann DirectGroup, Klaus Eierhoff, seinen Posten an Ewald Walgenbach abgeben. Wenige Wochen später wird nun der Richtungswechsel deutlich, der dieser Maßnahme folgen könnte. Wie das "Manager Magazin" berichtet, will sich die DirectGroup von ihrem Internet-Shop BOL und der amerikanischen Kooperation barnesandnoble.com trennen. Das Unternehmen bestätigte am Dienstag (3. September 2002) die Trennung von BOL. Somit beginnt Bertelsmanns Rückzug aus den von Thomas Middelhoff forcierten Internet-Engagements.

Konzentration auf Kerngeschäfte

Die Gruppe sei bestrebt, in den Kerngeschäften möglichst rasch profitabel zu werden, sagte DirectGroup-Sprecher Gerd Koslowski im Gespräch mit DW-WORLD. Dazu zählen beispielsweise die Buchclubs, die bei Bertelsmann eine lange Tradition haben. Um dies zu erreichen, scheint man einen Verkauf von bestimmten Geschäftsbereichen nicht auszuschließen. "Für alle nicht zum unmittelbaren Stammgeschäft gehörenden Aktivitäten – erfolgreich wie sie sind – prüfen wir gegenwärtig alle strategischen Optionen", erklärte Koslowski.

Napster vor dem Aus

Ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Neuorientierung des Konzerns könnte auch ein Ende der Pläne rund um die Musiktauschbörse Napster sein. Es wird spekuliert, dass diese trotz Investitionen von über 100 Millionen Dollar dem Rotstift zum Opfer fallen soll. Middelhoff hatte den unter Musikfans bekannten Namen nutzen wollen, um ein legales Angebot für den Musikdownload im Internet zu schaffen. Aufgrund einer Reihe von anhängigen Klagen konnte dieser Plan über Jahre hinweg nicht umgesetzt werden.

Gunter Thielen setzt beim Umbau des Unternehmens auf die alten Stärken des Konzerns. Damit folgt er dem Willen der Familie Mohn, der gut 75 Prozent des Unternehmens gehören. Ob er damit auch dem Willen des Marktes entspricht, wird sich zeigen müssen.

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