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Wirtschaft

Alte neue Freunde - Deutschland und die USA

Monatelang hat es gewaltig im Gebälk geknirscht zwischen Deutschland und den USA. Inzwischen scheint sich das transatlantische Verhältnis wieder zu normalisieren. Das beruhigt auch die Wirtschaft.

Container am Eurokai im Hafen von Hamburg

Unter anderem im Hamburger Hafen könnten bald mehr amerikanische Waren umgeschlagen werden

Ein Schritt in Richtung einer weiteren Entspannung dürfte sicherlich der kürzlich von Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgestellte Plan für eine neue wirtschaftliche Zusammenarbeit gewesen sein. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos hatte sie für einen europäisch-amerikanischen Binnenmarkt geworben. Darum ging es auch auf einem deutsch-amerikanischen Wirtschaftstreffen, das diese Woche auf Einladung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) in Hamburg stattfand.

Asien nicht ausschließen

Zwei Tage lang diskutierten rund 60 Vertreter aus Wirtschaft und Politik aus den USA und Deutschland über eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit. Die sei nötig, um sich gegen die wachsende Konkurrenz aus Asien zu wappnen, sagte Jürgen Fitschen, Deutschland-Chef der Deutschen Bank: "Es ist ganz offenkundig, dass hier gemeinsame Interessen vorhanden sind, die es auszubauen gilt - deshalb auch der Versuch, die transatlantische Ordnung wieder mit neuem Leben zu erfüllen."

Allerdings, so Fitschen, dürfe das nicht zu einem Ausschluss anderer führen: "Es wäre fatal, wenn sich Europa und Amerika gegen Asien aufstellen würden. Also das Miteinander muss Raum lassen auch für die Partner in Asien." Gleichzeitig dürfe man aber nicht verkennen, dass die Verbindungen zwischen Europa und den USA noch sehr viel stärker seien als sie es mit Asien je sein würden, so Fitschen weiter. Auf mehr als 400 Milliarden Euro summierte sich 2005 der bilaterale Handel zwischen den USA und der EU. Täglich werden Ex- und Importe in Höhe von 1,25 Milliarden Euro abgewickelt.

Transatlantisches Rahmenabkommen?

Jürgen Thumann

BDI-Präsident Jürgen Thumann (Archivbild)

Das Treffen in Hamburg diente auch als Vorbereitung auf den EU-USA-Gipfel am 30. April in Washington. Dort wird voraussichtlich ein transatlantisches Rahmenabkommen abgeschlossen werden. Ein Abkommen, von dem beiden Seiten profitieren könnten, so der Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Jürgen Thumann: "Es besteht kein Zweifel, dass eine solche Vereinbarung den transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen einen Auftrieb geben könnte. Ich persönlich bin davon überzeugt." Thumann geht von mindestens drei Prozent Wachstum und zusätzlichen Arbeitsplätzen auf beiden Seiten aus.

Konkret soll es in dem Abkommen um eine engere Zusammenarbeit in den Bereichen Energie und Umwelt, um eine Harmonisierung der Finanzmärkte und um den Kampf gegen Produktpiraterie gehen. "Ich wage zu behaupten, dass 90 Prozent der Patente und Copyrights weltweit ihren Ursprung in den USA und in der EU haben", sagte der Kongressabgeordnete Jim Sensenbrenner. "Wir bekommen jedoch immer mehr Konkurrenz aus Ländern der Dritten Welt, vor allem aus China, Indien und Brasilien. Gleichzeitig müssen wir aber unsere Produktivität aufrechterhalten, um unseren Lebensstandard zu sichern. Wir müssen deshalb den Schutz geistigen Eigentums stärken. So werden wir auch neue Investitionen an Land ziehen."

Immenser Schaden durch Produktpiraterie

Denn niemand werde in einem Land investieren, in dem er nicht sicher sein könne, ob seine Erfindung morgen nicht schon wieder kopiert werde, so Sensenbrenner. Produktpiraterie koste die US-amerikanische Wirtschaft jährlich neun Milliarden Dollar.

Aus Sicht von Jürgen Fitschen von der Deutschen Bank gibt es auch in einem anderen Bereich dringenden Handlungsbedarf. "Unser Interesse liegt darin, den Kapitalverkehr möglichst frei zu machen von vielen bürokratischen Belastungen - ich will nicht sagen Hemmnissen. Das kann besser werden, da müssen wir uns einbringen, unsere Interessen erklären, damit diejenigen, die Gesetze schreiben, auch entsprechend darauf eingehen können." Die deutsche Seite habe ein Interesse daran, dass Partner auf beiden Seiten des Atlantiks besser zusammenarbeiten - das heißt auch, Unternehmen übernehmen und auf beiden Seiten expandieren zu können.

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