1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Sprachbar

Alt und jung

Wer viele Lebensjahre hinter sich hat, ist alt. Doch im Alter kann man jung bleiben, nur nicht für immer. Denn einen Jungbrunnen hat noch niemand entdeckt.

Audio anhören 04:59

Alt und jung

„Das neue Jahr ist schon wieder acht Tage alt.“ Man könnte aber auch sagen: „Das Jahr ist noch jung“, es ist erst acht Tage alt. Sind „alt“ und „jung“ wirklich ein so streng geschiedenes Gegensatzpaar? Ist das Gegenteil von „jung“ tatsächlich „alt“?

Nicht mehr jung, noch nicht alt

Symbolbild: Ein Pferd, das auf einem Gnadenhof steht, schaut aus seiner Box heraus (picture-allianc/dpa/M. Murat )

Altersheim für alte Gäule: der Gnadenhof

Wie so viele andere Wörter auch, sind „alt“ und „Alter“ – je nachdem in welchem Zusammenhang sie gebraucht werden – von recht unterschiedlicher Bedeutung. Ein zwei Stunden alter Säugling ist selbstverständlich ein ganz, ganz junger Mensch.

Jemand, der dagegen schon über 50 Jahre alt ist, gilt heutzutage keineswegs als alt, ist aber auch nicht mehr jung. Was hat es mit „alt“ und „Alter“ auf sich? Ein Stichwort zum Nachdenken.

Bezieht sich „alt“ auf Lebewesen, also auf Menschen, Tiere und Pflanzen, so bedeutet „alt“ tatsächlich das Gegenteil von „jung“. Eine alte Frau, ein alter Mann, ein alter Gaul, eine alte Eiche: Alle vier haben schon viele Lebensjahre hinter sich, sind alt geworden.

Bleibt ein Wunsch: der Jungbrunnen

Aber Jugend und Alter – alt werden und jung bleiben – sind Begriffe, die nur dann streng voneinander zu trennen sind, wenn sie außerhalb ihrer sprachlichen Umgebung gesehen werden.

Filmstill von Der Tod steht ihr gut: Meryll Streep rückt ihren Kopf zurecht, damit er nicht herunterfällt (1992) (Imago/United Archives)

Wohin der Jungbrunnenwunsch führt, karikiert der Hollywoodfilm „Der Tod steht ihr gut“ („Death becomes her“ )

Wir wissen ja von den jung gebliebenen Alten, die in körperlich guter Verfassung ihr Leben genießen und auch im Kopf fit sind – trotz ihres Alters. Dagegen sehen viele oft wesentlich jüngere Leute geradezu alt aus.

Aber natürlich schreitet die Zeit fort und zwar für alle. Die Sehnsucht, für immer jung zu bleiben, das „forever young“, bleibt Fiktion; der Jungbrunnen oder die Altweibermühle, die aus Greisinnen wieder junge Mädchen macht, bleiben im Reich des Mythos, der Sage, des Märchens. Und so alt wie Methusalem, nämlich 969 Jahre wie es im Ersten Buch Mose geschrieben steht, so alt konnte eben nur Methusalem werden.

So alt wie Methusalem

Der 92-Jährige Schwimmer Richard Reinstädtler schwimmt im Kraulstil in einem Schwimmbad durchs Wasser (picture-alliance/dpa/H. Ossinger )

Zwar nicht so alt wie Methusalem – aber noch aktiv

Übrigens wurde die Redensart „alt wie Methusalem“ im internationalen Sprachgebrauch durch Bernhard Shaws Werk „Back to Methusalah“ von 1921 wieder gebräuchlicher. Greifbar, vorstellbar, wird „alt“ und „Alter“, wenn es mit einer konkreten Zahlenangabe versehen wird.

Beispiele: „Susanne ist zwanzig Jahre alt.“ – „Peter ist nur 30 Jahre alt geworden.“ – „90 Jahre sind ein gesegnetes, ein biblisches Alter.“

„Alt“ ist wie so vieles relativ. Die Redensart: „Man ist so alt, wie man sich fühlt“ bringt das mit verhaltenem Optimismus zur Sprache. Auch ein „altes Haus“, salopp-freundlicher Ausdruck für einen, der nicht mehr ganz jung ist, kann eben noch putzmunter sein. Auch „die alten Schachteln“ – kein nettes Bild für in die Jahre gekommene Damen – können sich durchaus und quietschvergnügt des Lebens erfreuen; und selbst in den Altenheimen muss es nicht zwangsläufig trostlos zugehen.

Junge Alte

Dass die Alten immer jünger werden, ist natürlich ausgemachter Blödsinn, aber in diesem Slogan kommt zum Ausdruck, dass sich die Lebensgestaltung von Jungen und Alten in vielen Bereichen nicht mehr so streng unterscheidet wie früher; dass die Alten vielfach aktiver sind als noch vor wenigen Jahren – wenn man sie lässt und wenn sich das nur auf die sogenannte Freizeit bezieht.

Symbolbild: Geburtstagskerzen als Zahl 50 (colourbox/Stuart Miles)

Zählt man ab 50 schon zum alten Eisen?

Im Berufsleben sieht das ganz anders aus. Da ist schon alt, wer mit 40 einen neuen Arbeitsplatz sucht, in nicht wenigen Branchen liegt das Einstiegsalter bei höchstens 35 Jahren.

Wer gar über 50 und arbeitslos ist, „zählt“ endgültig „zum alten Eisen“. Wobei man sich vergegenwärtigen sollte, dass altes Eisen – sowohl das eine wie auch das andere, das richtige Eisen – keineswegs wertlos ist.

Nicht möglich: das eine ohne das andere

Nicht umsonst heißt es: „Aus Alt mach Neu“ – und was die Alten betrifft, so haben inzwischen einige Unternehmer erkannt, dass die Erfahrung von – in Anführungszeichen – alten, erfahrenen Arbeitnehmern, den „50 Plus“, gerade in Krisenzeiten von unschätzbarem Wert sein kann. „Jung und alt“, „alt und neu“ sind durchaus Gegensatzpaare – sprachlich gesehen. Nur: Das eine ist ohne das andere nicht möglich.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema

Downloads