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Wirtschaft

Alstom stellt französischen Superzug vor

Der ICE 3 von Siemens bekommt international Konkurrenz: Der französische Zug AGV ist auf dem Gleis. Außer in Frankreich und Deutschland soll er in Schwellenländer verkauft werden.

Der Superschnellzug AGV im Alstom-Werk bei La Rochelle in Frankreich (Foto: AP)

Nach zehn Jahren Entwicklungsarbeit fertiggestellt: der Superschnellzug AGV

Nach zehn Jahren Entwicklungsarbeit hat der französische Bahntechnik-Konzern Alstom am Dienstag (5.2.2008) seinen neuen Superschnellzug AGV vorgestellt, mit dem er den ICE von Siemens international abhängen will.

Mit dem Nachfolger der seit einem Vierteljahrhundert eingesetzten TGV-Züge ziele Alstom nicht nur auf das steigende Interesse an schnellen Bahnverbindungen in Europa, sondern auch auf eine wachsende Nachfrage in Schwellenländern, sagte Alstom-Chef Patrick Kron im westfranzösischen La Rochelle. An der Präsentation nahm auch der französische Präsident Nicolas Sarkozy teil, der als Finanzminister 2004 Alstom noch mit Staatsmitteln vor dem Aus gerettet hatte. Dadurch verhinderte er auch, dass Siemens Teile von Alstom übernehmen konnte.

Designstudie des neuen Superzugs AGV (Foto: dpa)

Designstudie des neuen Superzugs AGV




Der AGV (Automotrice à Grande Vitesse) wird wie der ICE 3 von Siemens nicht mit Triebköpfen angetrieben, sondern hat Motoren gleichmäßig unter den Waggons verteilt. Das schaffe mehr Platz für Passagiere und erhöhe die Leistung. Alstom hat 100 Millionen Euro in die vierte Generation seiner Hochgeschwindigkeitszüge gesteckt.

Künftig entscheiden Komfort, Kosten und Wartung

Der AGV gilt als neue Wunderwaffe des Konzerns, der nach eigenen Angaben weltweit 70 Prozent aller Züge gebaut hat, die mehr als 300 Kilometer pro Stunde schnell sind. Der Superzug soll mit Tempo 350 oder 360 bis zu 900 Passagiere befördern können, fast 400 mehr als ein TGV mit Doppelstock-Waggons, und dabei deutlich weniger Energie benötigen. Mit Tempo 360 wäre der AGV etwa gleich schnell wie der ICE 3. Die Konkurrenz spielt sich dann über Faktoren wie Komfort, Kosten und Wartung sowie Finanzierungsfragen ab.

Zukünftig soll der Bahn-Komfort mitentscheidend sein, welcher Zug gekauft wird. Nicolas Sarkozy in einem der neuen AGV-Großraumabteile (Foto: AP)

Zukünftig soll der Bahn-Komfort mitentscheidend sein, welcher Zug gekauft wird


Bereits vor der Präsentation des Prototypen wurde ein erster Exportvertrag über 25 Züge für 650 Millionen Euro (mit Wartung 1,5 Milliarden Euro) mit dem privaten italienischen Bahnbetreiber NTV abgeschlossen. Dort sollen die Züge ab 2011 mit Tempo 300 Mailand mit Neapel verbinden.

3000 Kilometer Schnellstrecken für China

Chancen rechnet sich Alstom auch im ICE-Land Deutschland sowie in China, Indien, Brasilien, den USA (Kalifornien) und Vietnam aus, wo Milliardeninvestitionen in den Bahnverkehr geplant sind. Alleine China will bis 2020 rund 3000 Kilometer Schnellstrecken bauen.

Ein Riesenvertrag von sieben bis zehn Milliarden Euro lockt in Frankreich selbst, wo die staatliche Bahngesellschaft SNCF die seit 1981 fahrenden alten TGV ersetzen will. Doch sehen sich auch Siemens und Bombardier hier im Rennen. Denn anders als die TGV-Züge hat Alstom den AGV ohne Beteiligung der SNCF entwickelt. Deutsche Bahn und SNCF wollen künftig bei der Auswahl ihrer Hochgeschwindigkeitszüge alle Konkurrenten berücksichtigen. Laut Presseberichten ist Alstom in Deutschland neben Siemens erstmals "Mitfavorit" für einen Zugauftrag des Staatsunternehmens Deutsche Bahn.

Ein Versuchszug mit AGV-Technik hatte im Frühjahr 2007 einen Geschwindigkeitsrekord für Schienenfahrzeuge von 574,8 Kilometern pro Stunde aufgestellt und war damit nur sechs Kilometer pro Stunde unter dem japanischen Magnetbahn-Rekord geblieben.

Tempo 350 im Dauerbetrieb

Den Geschwindigkeitsrekord für Serienzüge hält der ICE Velaro mit Tempo 404. Der Velaro fährt bereits mit 350 Kilometer pro Stunde zwischen Madrid und Barcelona. Auch Bombardier (Kanada) peilt mit seinem Projekt Zefiro Tempo 350 im Dauerbetrieb an. Der französische AGV-Vorgänger TGV erreicht im Alltag in der Champagne 320 Kilometer in der Stunde. (kap)

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