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Sprachbar

Also, gell – ohne Konjunktionen geht's nicht

Eigentlich überflüssig, ist es doch das Schmiermittel in der gesprochenen Sprache, das "Also": Um Mut zu fassen, etwas zu sagen, aber auch um Verärgerung auszudrücken. Und ein Franzose ist an allem schuld.

Happy Hour. Die Stunde, zu der die Drinks nur die Hälfte kosten. Was nehmen wir denn da aus der Bar? Das Angebot ist riesig. Von "A" bis "Z" ist alles da. Der Blick bleibt bei "K" hängen. Da stehen sie. Die Konjunktionen. Also gut. Also gut? Moment! "Also" ist ja eine Konjunktion! Probieren wir.

Mut fassen und Anlauf nehmen

"Also …", sagt die Bardame und stellt ein poliertes Adjektiv ins Regal, "Also wird gern genommen. Fast jeder, der hier rein kommt, nimmt erst mal ein Also." Es stimmt, was sie sagt. Nicht nur hier, überall, tagtäglich, ungezählte Male, sagen die Deutschen "Also". "Also, ich möchte mich erst mal vorstellen, mein Name ist …" oder "Also, was ich noch sagen wollte … ."

Wieso "Also" in diesem Fall? Nun, es ist so eine Art Auftakt, ein winziger Anlauf, da wird noch nichts gesagt, aber das "Also" macht ein bisschen Mut; und wenn es dann erst mal raus ist, kann man nicht mehr zurück. Ein "Also" verbindet. Das haben Konjunktionen so an sich. Sie sind, verwenden wir den deutschen Ausdruck, Bindewörter. Sie verbinden Satzglieder oder ganze Sätze. Die klassische Konjunktion schlechthin ist "und". Aber wir wollen uns nicht in die Grammatik vertiefen, sondern lieber dem "Also" auf den Grund gehen.

Ein Franzose ist schuld

Also, das ist gar nicht so einfach. Schon wieder ein "Also". Das klingt so ein bisschen vorbeugend und lässt etwas von Entschuldigung mitschwingen, falls das nicht so recht klappt mit dem "auf den Grund gehen". Spätestens nach dem dritten "Also" ist klar, dass "also" nicht gleich "also" ist. Ein Blick auf den Grund des Glases und die berühmtesten "Alsos" der Geschichte erscheinen vor unserem geistigen Auge.

René Descartes bezeichnete als die erste und sicherste Erkenntnis des Philosophen den Satz: "Cogito, ergo sum". Auf Deutsch: "Ich denke, also bin ich". Einem Franzosen also hat die schlichte deutsche Konjunktion "Also" es zu verdanken, dass sie in einem der berühmtesten Zitate zumindest in der Übersetzung einen Platz gefunden hat. "Also" hat in diesem Zitat eine überwältigende Bedeutung.

Göttlichkeit

Was wären beide Sätze ohne ihre so unscheinbar anmutenden Konjunktionen "ergo" beziehungsweise "Also"? Zusammen geschnurrte Worthäufchen, hilfloses Gestammel: "Cogito, sum", und: "Ich denke, ich bin". Nein, wir haben ihn nicht vergessen: Friedrich Nietzsche. In den Jahren 1883 bis 1885 erschien sein wohl bekanntestes Werk, die philosophische Dichtung "Also sprach Zarathustra". In geradezu feierlichem Gewand erscheint hier das "Also", steht es doch in erhabener, um nicht zu sagen "göttlicher" Umgebung.

"Schmeckt gut, gell?" Wir sind wieder in der Gegenwart. Da spricht nicht Zarathustra, sondern die Frau hinterm Tresen und wir bestellen noch ein "Also"; aber mit Soda. Als Longdrink. Mit Strohhalm. "Also", geht es uns durch den Kopf, und wir denken an Descartes, kann auch so viel heißen wie "infolgedessen" oder "aus diesem Grunde".

Ganz schön vertrackt

Aber was ist mit so einem Satz wie "Du gehst also nicht mit?" Da schwingt doch in "also" eine ganze Geschichte mit. Die fragende Person ist möglicherweise enttäuscht, weil sie mit einer Absage nicht gerechnet hatte; oder gar verärgert, weil eigentlich längst ausgemacht war, dass man zusammen mit den anderen ausgehen wollte. Nun ist es so gekommen. Und sie, nehmen wir an es ist eine Frau, sagt: "Also das ist wirklich die Höhe", haut die Tür zu und weg ist sie.

Also mit dem "Also", das ist ganz schön vertrackt. Lieber noch ein bisschen mit der Barfrau plaudern. Was hat sie gesagt? "Gut, gell?" Dass sie gute Laune hat, war gleich zu merken, aber wie zur Bestätigung fällt sie in ihr süddeutsches Idiom und zwar mit einem einzigen Wort. Mit "Gell". Ein phänomenales Kürzel und ein adäquater Ersatz für das steife "nicht wahr" oder das saloppe, aber regional nicht festzulegende "stimmt's?" Noch ein "e" dran und wir haben das mitteldeutsche "gelle" mit gleicher Funktion und Bedeutung.

"Also, gell"

"Gell" hat immer etwas Nachdrückliches. Vor allem eben im Dialekt. "Du, ich sach ders jetzt zum letzde Mal, gell?" Für alle, die an der hochdeutschen Version dieses Satzes interessiert sind: "Du, ich sage dir das jetzt zum letzten Mal. Hast du mich verstanden?" Also, jetzt müssen wir raus hier. Gell, es ist alles bezahlt?

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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